Hör mal Apple: Wo bleibt das modulare MacBook Pro?

Sven Kaulfuss 6

Diesen Mai feierte die Apple-Gemeinde den 20. Geburtstag des iMac. Was viele vergessen: Am selben Tag im Jahre 1998 stellte Steve Jobs auch einen neuen Mobilrechner vor. Bedauernswerterweise sollte dessen Ansatz keine zwei Jahrzehnte überdauern – ein Fehler?

Hör mal Apple: Wo bleibt das modulare MacBook Pro?
Bildquelle: Apple (Produktbild), GIGA (Modifikation).

Das PowerBook G3 mit dem Codenamen „Wallstreet“ wurde gegenüber dem Vorgänger gänzlich neu gestaltet. Zwar besaß es noch die alten Schnittstellen (ADB, Geoport, SCSI etc.; USB erhielt erst der Nachfolger „Lombard“ ein Jahr später), bekam dafür aber gleich zwei Erweiterungsschächte spendiert. Diese waren „hot-swappable“, konnten also im Betrieb getauscht werden und fassten beispielsweise zwei Akkus, oder einen Akku plus CD/DVD-ROM-Laufwerk, ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk oder aber auch Iomega Zip Drive. Selbstredend konnte man auch den Arbeitsspeicher aufrüsten und bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt auch größere Festplatten verbauen. Das Prinzip der Erweiterungsschächte behielt Apple noch beim darauffolgenden Modell bei, doch schon das letzte PowerBook G3 (Pismo) hatte nur noch einen derartigen, frei tauschbaren Slot, nicht mehr deren zwei.

Apple heute: Verplombte MacBooks

Nie wieder sollte ein mobiler Apple-Rechner so modular aufgebaut sein, denn über die Jahre „verplombte“ der Hersteller seine PowerBooks und die späteren MacBooks immer mehr. Heutzutage sollte man sich ganz genau überlegen, mit wie viel Arbeits- und Flash-Speicher man seinen mobilen Begleiter bestellt, wird doch alles mehr oder weniger verklebt und verlötet. Ein Akku-Tausch, gar noch im laufenden Betrieb? Heutzutage ein Ding der Unmöglichkeit und von Apple auch nicht gewünscht.

Vergibt Apple hier eine Chance? Immerhin lassen sich die (professionellen) Kunden diese Gängelung auch nur bis zu einem bestimmten Punkt gefallen. Das Paradebeispiel ist der aktuelle, seit 2013 unveränderte Mac Pro. Der Rechen-Tubus ist für den kalifornischen Hersteller nicht nur kein Erfolg, sondern mit seinem unflexiblen Ansatz auch ein abschreckendes Beispiel für die Toleranzgrenze der eigenen Kundschaft. Apple sah sich somit 2017 gezwungen, ein Statement abzugeben und versprach für die Zukunft einen neuen, wieder modularen Mac Pro. Dessen „Ankunft“ wird aktuell für das Jahr 2019 erwartet. Apropos: Eine Vorreiterstellung in der Bevormundung der Anwender nimmt sicherlich das MacBook Air ein. In vielerlei Hinsicht Vorbote des heutigen MacBook-Designs und in diesem Jahre auch schon wieder 10 Jahre alt.

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Das MacBook Air feiert Geburtstag: 10 Jahre, 10 Fakten.

Gedankenspiel: Der modulare Mac Pro to go

Nur so ein Gedanke: Sollte Apple im Zusammenhang eines neuen Mac Pro unter Umständen auch einen „Mac Pro to go“ in Erwägung ziehen, also ein modulares MacBook Pro, was einen solchen Namen auch tatsächlich verdient? Ein solches Projekt mag zum aktuellen Zeitpunkt nur eine spinnerte Idee von mir sei, trotzdem lohnt sich meiner Meinung nach der Gedankengang. Wie müsste ein solcher „Mac Pro to go“ als transportable Workstation aufgebaut sein?

  • Arbeitsspeicher und Flash-Speicher nur gesteckt und somit jederzeit erweiterbar.
  • Mindestens zwei Erweiterungsschächte für Akkus und SSD-Laufwerke.
  • Eine echte Dockingstation mit integrierter Zusatzgrafik und PCI-Slots – Apple hatte derartiges schon damals beim PowerBook Duo in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
  • Displays in verschiedenen Größen und Auflösungen können auf eine mobile Basis gesteckt werden. Bereits vorhandene Displays des MacBooks können als Zweit- oder Dritt-Monitor per Thunderbolt betrieben und somit weiterverwendet werden.
  • Tastatur und Trackpad sind abnehm- und somit auf dem Schreibtisch frei aufstellbar.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Zugegeben dürfte ein solches „Monster“ ein kleines Vermögen kosten und auch die Absatzzahlen dürften überschaubar sein. Dennoch wäre ein solches Projekt lohnend, waren es doch vor allem die zahlungskräftigen Profis unter den Mac-Nutzern, die die Fahne Apples damals in schwierigen Zeiten hochhielten und das Image des Herstellers mit Leben erfüllten. Zeit für Apple, Danke zu sagen – oder?

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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