Mac-Reboot: 2020 wird alles neu – wie 15 Jahre zuvor

Florian Matthey 3

In Cupertino zeichnet sich – im übertragenen Sinne – ein Erdbeben ab: Für den Mac steht offenbar schon in zwei Jahren die größte Revolution seit dem Jahr 2005 bevor. Die Geschichte scheint sich in mehrerlei Hinsicht zu wiederholen.

Mac-Reboot: 2020 wird alles neu – wie 15 Jahre zuvor
Bildquelle: GIGA.

Bloomberg: Apple will ab 2020 Macs mit ARM-Chips verkaufen

Immer wieder gab es in den letzten Jahren Gerüchte, jetzt soll es tatsächlich wahr werden: Nach Informationen von Bloomberg will sich Apple schon im Jahr 2020 von Intel-Chips im Mac verabschieden und stattdessen auf selbst entwickelte ARM-Chips setzen – also solche, wie sie auch im iPhone und iPad zum Einsatz kommen. Das Projekt mit dem Codenamen „Kalamata“ soll allgemein die Grenzen zwischen iPhone, iPad und Mac stärker verschwimmen lassen.

Auch wenn diese Pläne nicht völlig aus dem Nichts kommen, ist die Nachricht doch mit einem kleinen Erdbeben vergleichbar: Immerhin hatte Apple erst vor einem Jahr erklärt, keine Macs mit ARM-Chips zu planen. Stattdessen würden selbst entwickelte Chips im Mac den Intel-Hauptprozessor in Zukunft lediglich unterstützen. Beim aktuellen MacBook Pro und iMac Pro ist das bekanntlich schon der Fall. Trotz anhaltender Gerüchte in diese Richtung hielten viele Beobachter den radikalen Schritt daher für unwahrscheinlich – obwohl Apple vor 13 Jahren schon einmal eine ähnlich große „Bombe“ platzen ließ.

2005: Warum Apple plötzlich zum bisherigen „Feind“ wechselte

Die alteingesessenen Mac-Benutzer werden sich erinnern: Im Juni 2005 berichtete das Wall Street Journal, dass sich Apple von der PowerPC-Architektur verabschieden und in Zukunft auf Intel-Prozessoren setzen würde. Ein wichtiger Grund war damals, dass die Chip-Hersteller IBM und Freescale es nicht fertigbrachten, einen leistungsfähigen PowerPC-G5-Chip herzustellen, der gleichzeitig wenig Strom verbraucht und somit weniger Hitze entwickelt. Das Wall Street Journal sollte Recht behalten; wenige Tage später bestätigte der damalige Apple-CEO Steve Jobs den Wechsel im Rahmen der Entwicklerkonferenz WWDC.

Der Mac verlor seinerzeit mit dem „Intel-Switch“ ein Alleinstellungsmerkmal, gewann aber auch einiges dazu: Leistungsfähige Chips – eben auch für die immer wichtiger werdenden MacBooks, die im PowerPC-Zeitalter noch PowerBook und iBook hießen –, aber auch die Möglichkeit, neben macOS Windows ohne Emulation zu installieren. Apple sorgte mit der PowerPC-Emulation „Rosetta“ für einen Übergang zur bisher „feindlichen“ Chip-Architektur, der so sanft war, dass viele Benutzer ihn kaum bemerkten.

Im Video könnt ihr euch die Bekanntgabe des „Intel-Switch“ im Jahr 2005 noch einmal ansehen.

Macs mit ARM-Chip im Jahr 2020: Die Geschichte wiederholt sich

Die Gründe, die im Jahr 2020 für den „ARM-Switch“ sprechen, sind letztendlich ähnlich: Besonders stromsparende Intel-Chips sind im Vergleich zu ARM-Chips mittlerweile ziemlich schwach geworden. Ein iPad Pro ist heute viel leistungsfähiger als das 12-Zoll-MacBook, zum Teil kann es das Tablet sogar mit dem MacBook Pro aufnehmen. Und der Abstand wird mit jeder Chip-Generation, die Apple fürs iPhone und iPad entwickelt, eher noch größer.

Auch dieses Mal will Apple offenbar dafür sorgen, dass die Kunden von dem grundlegenden Architekturwechsel möglichst wenig mitbekommen: In einem ersten Schritt will man es Entwicklern schon dieses Jahr mit iOS 12 und macOS 10.14 ermöglichen, universelle Apps zu entwickeln, die sowohl auf iPhone, iPad als auch Mac funktionieren. Dieses Projekt soll Apple-intern „Marzipan“ heißen – und einen ersten Schritt hin zu einer Verkleinerung des Abstands zwischen Mac und iPad bringen.

Wie ein MacBook Pro mit einer ganz eigenen Art der Touchscreen-Bedienung aussehen könnte, seht ihr in unserer Bilderstrecke.

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Evolution des Apple MacBook Pro: Sehen wir 2018 das MacBook Touch?

Universelle Mac- und iPad-Apps bereiten den „ARM-Switch“ vor

Wenn bis 2020 dann einige dieser Apps bereitstehen, werden sie ohne Weiteres auch auf Macs mit Apple-Chips funktionieren: Sie werden dann ja ohnehin schon für Chips mit x86- und mit ARM-Architektur konzipiert sein, der Benutzer wird einfach weiter nur die Mac-Benutzeroberfläche sehen und von der grundlegenden Veränderung „unter der Haube“ gar nichts mitbekommen. Emulationen wie Rosetta werden dann oft gar nicht nötig sein.

Und Windows wird sich auch weiter auf Macs installieren lassen – denn auch Microsoft arbeitet an einem Windows für ARM-Chips. Die Zukunft der im PC-Bereich jahrzehntelang dominierenden x86-Chips sieht offenbar nicht sonderlich rosig aus.

Bislang ist die Meldung natürlich weiterhin nur ein Gerücht. Bloomberg scheint sich seiner Sache aber sehr sicher zu sein – und in aller Regel sind die Quellen der Nachrichtenagentur hervorragend informiert.

Quelle: Bloomberg via MacRumors

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