Xiaomi Mi Notebook Air 13 Zoll getestet – Apple, warum nicht so?

Marco Di Lorenzo 12

Es sieht aus wie ein MacBook, hat die Power eines MacBooks, kostet allerdings nur rund ein Drittel. Da muss es doch einen Haken geben, dachten sich viele nach der Präsentation. Und tatsächlich gibt es nicht nur einen davon – doch wir sind trotzdem hellauf begeistert vom Xiaomi Mi Notebook Air.

Kurzfazit des Autors:
Quasi ein No-Brainer wäre das Xiaomi Mi Notebook Air, wenn es denn auch in Deutschland auf den Markt käme. Die 13-Zoll-Variante bietet für rund 730 Euro einen starken Intel-Core-i5-Prozessor, eine dedizierte Nvidia-Grafikkarte, 8 GB RAM und 256 GB Speicher, der sich sogar erweitern lässt. Abgesehen von ein paar Verarbeitungsschwächen, überzeugt uns das Gerät aber so sehr, dass wird es jederzeit über einen spezialisierten „China-Shop“ importieren würden – aber Achtung: Nur für Leute, die mit fremdsprachigen Windows-Versionen, anderen Tastaturlayouts und nicht passenden Stromsteckern umzugehen wissen.

Was uns gefällt Was uns nicht gefällt
Beeindruckendes Display Material und Verarbeitung haben Schwächen
Speicher erweiterbar Kein SD-Kartenslot
Schnellladefunktion Akkulaufzeit unterdurchschnittlich
Anschlussvielfalt Lüfter sind die meiste Zeit wahrnehmbar
Dedizierte NVIDIA-Grafikkarte
Überzeugendes Preis-/Leistungsverhältnis

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Ein Imitat muss nicht per se etwas Schlechtes sein: Ein Hersteller bringt etwas Innovatives heraus, andere nehmen dies zum Vorbild und versuchen, bei ihrem Produkt noch eines draufzusetzen oder etwaige Fehler auszubügeln. Das Vorbild von Xiaomi ist ganz klar Apple, darum macht der chinesische Hersteller auch kein Geheimnis. Nach der Präsentation seiner neuen Mi-Notebook-Air-Modelle waren wir begeistern und skeptisch zugleich. Bis wir es nun endlich testen konnten, hat es gedauert, denn Haken Nummer eins: Es ist nicht offiziell auf den deutschen Markt gebracht worden.

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Ein Blick auf den kleineren Bruder

Das Xiaomi Mi Notebook Air ist in zwei Versionen verfügbar: Der kleinere Bruder hat einen 12,5-Zoll-Display, 4 GB RAM, 128 GB internen Speicher und eine Intel-Core-m3-CPU an Bord. Offizieller Preis: Nur knapp 500 Euro.

Im nachfolgenden Test geht es um den nach unserer Ansicht interessanteren 13,3-Zoller mit Intel Core i5, dedizierter Nvidia Geforce GT940MX, 8 GB RAM und 256 GB Arbeitsspeicher. Diese Konfiguration ist in China für unter 700 Euro zu haben.

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Ganz so billig bekommen wir sie nicht: Zwar verkaufen spezialisierte Fernost-Händler wie GearBest die Xiaomi-Notebooks mittlerweile nach Deutschland, in der Regel müsst ihr aber zumindest die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent draufschlagen und habt womöglich noch Probleme mit dem Zoll. Außerdem benötigt ihr eine Windows-Lizenz – vorinstalliert ist nämlich nur die chinesische Version und nein, der Key lässt sich für keine andere Sprache nutzen. Trotzdem bleibt das Mi Notebook Air ein Schnäppchen.

Xiaomi Mi Notebook Air: Look and Feel

Rein äußerlich ähnelt das Xiaimi Mi Notebook Air sehr stark einem MacBook Air, auf dem das leuchtende Apple-Logo vergessen wurde. Es ist in Silber und Gold erhältlich. Das Gehäuse ist mit 310 mm x 210 mm x 14 mm auf jeder Seite schlanker und mit 1,24 kg auch leichter als das MacBook Air – ja, auch das neue MacBook Pro schlägt es in Sachen Formfaktor. Rechnet man die unästhetischen Gummifüße auf der Unterseite mit ein, bringt es das Xiaomi Notebook auf 17 mm in der Bauhöhe.

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Ansonsten ist das Design relativ unspektakulär, offensichtliche Verarbeitungsmängel fallen keine auf. Trotzdem spürt man, dass es sich um kein absolutes Premiumgerät handelt: Das verwendete Aluminium fühlt sich billig und vor allem dünn an, und lässt sich dadurch an jeder Stelle eindrücken. Stark fällt das aber vor allem an der verschraubten Bodenplatte auf: Auf Druck konnten wir dem Gerät mehrmals ein sehr lautes Knacksen entlocken. Drückt man dagegen unter dem Touchpad in die Unterseite, kann man dort gar einen Klick auslösen. Am Anfang hat dies kein großes Vertrauen erweckt, mehrere Transporte und Einsätze hat das Gerät aber bis jetzt komplett unbeschadet überstanden.

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Noch unstabiler machen die Bodenplatte die integrierten Lüftungsschlitze, durch diese Luft angesaugt und ein Gitter vor dem Scharnier – ähnlich wie bei den MacBook Pros – wieder auspustet wird. Dass das Notebook durch die Unterseite belüftet wird, könnte im Laufe der Zeit für eine größere Ansammlung von Staub im Gerät sorgen. Ebenfalls nach unten zeigen die Stereo-Lautsprecher von AKG, auf deren Klang wir später im Abschnitt Sound eingehen.

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Großes Lob sei letztlich für das Scharnier ausgesprochen: Das Xiaomi Mi Notebook Air lässt sich trotz des geringen Gewichts öffnen, ohne dass man den unteren Teil festhalten muss. Gleichzeitig ist es aber so stabil, dass der Screen selbst bei wackelndem Untergrund immer in Position bleibt.

Display: Oberste Liga

Das Panel des Xiaomi Mi Notebook Air ist der wahre Grund, warum man auf dem Gerät stundenlang Lernen, Arbeiten oder Filme schauen möchte: Obwohl das 13,3 Zoll Display „nur“ mit Full HD auflöst, sind alle Inhalte knackig scharf, Schwarztöne tatsächlich schwarz und Farben satt und leuchtend. Wir würden sogar so weit gehen und sagen, dass es mit einem Yoga 910 (Full-HD-Variante) mithalten kann, dessen Display uns auf der letzten IFA schon extrem beeindruckt hat. Hier hat Xiaomi definitiv nicht an der falschen Stelle gespart.

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Auch die sehr dünnen Ränder um den Bildschirm überzeugen (links/rechts: 8 mm, oben: 14 mm, unten: 23 mm) – klar, können sie nicht ganz mit dem Dell XPS 13 mithalten, viele andere Hersteller könnten sich hier aber etwas abschauen. Wer viel im Freien arbeitet, wird mit dem Xiaomi trotzdem nicht glücklich: Erstens ist das Panel extrem spiegelnd, zweitens kann die durchschnittliche maximale Helligkeit diese Eigenschaft nicht kompensieren. Kurz gesagt: Draußen sieht man mehr von sich selbst, als vom eigentlichen Bildschirminhalt.

Xiaomi Mi Notebook Air: Tastatur und Trackpad

An der Tastatur scheiden sich die Geister: Im Internet gibt es Kommentare von „genial“ bis hin zu „katastrophal“. Der Druckwiderstand ist extrem gering und der Tastenhub weit größer als etwa bei den neuen Apple-Keyboards. Dadurch fühlt sich das Tippen bei den ersten Versuchen schwammig an. Aber: Man gewöhnt sich dran. Nachdem wir nun mehrere Artikel auf dem Xiaomi Mi Notebook Air verfasst habe, gefällt uns das Tippgefühl extrem gut. Wir können aber durchaus nachvollziehen, dass Nutzer, die präzisere Tasten mit festerem Druckpunkt bevorzugen, mit diesem Keyboard wenig anzufangen wissen.

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Gewöhnen muss man sich auch an das englische Tastenlayout, zumindest, solange noch keine deutsche Version verfügbar ist. Wer beim Tippen grundsätzlich nur auf den Bildschirm schaut, den wird das wenig stören, alle anderen können sich entsprechende Aufkleber besorgen. Xiaomi stattet die Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung aus, die Intensität kann aber nicht angepasst werden.

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Das Trackpad erinnert an jenes der älteren MacBook-Pro-Modell. Es misst 110 mm x 65 mm, die Oberfläche besteht aus Glas. Mit dem richtigen Treiber sind alle bekannten Gesten möglich, Eingaben werden präzise erkannt. Das Touchpad lässt sich an jeder Stelle gut drücken und gibt dabei ein knackiges Klickgeräusch von sich. Leider zeigt sich wieder eine gewisse Materialschwäche: Mit etwas mehr Kraft lässt sich das Pad nämlich gerade am unteren Ende extrem weit ins Gehäuse drücken. Kaputt macht man damit nichts, es fühlt sich nur recht filigran an.

Konnektivität: Dongles und Adapter adé!

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Endlich ein Notebook mit allen notwendigen Anschlüssen – bis auf einen: Auf einen SD-Karten-Slot müsst ihr leider verzichten. Dafür gibt es zwei vollwertige USB-Ports – jeweils einen pro Seite – HDMI- und Klinkenbuchse und eine USB Typ-C Anschluss, der sowohl zur Datenübertragung als auch zum Laden des Geräts genutzt werden kann.

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Im Inneren geht’s weiter mit einem Intel Dual-Band-WiFi-Modul (802.11 ac) und Bluetooth 4.1. Und nun zum Highlight für alle, denen die verbauten 256 GB Speicher nicht genug sind: Das Notebook verfügt über einen freien M.2-SATA-III-Slot (2280). Ihr könnt auch die bereits verbaute M.2-SSD gegen eine mit höherer Speicherkapazität tauschen – Achtung, diese ist über PCI-Express angebunden.

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Ein weiterer freier M.2-Slot (2242) scheint euch zudem die Möglichkeit zu geben, ein 4G-Modem nachzurüsten. Ausprobiert haben wir diese Möglichkeit allerdings nicht.

Sound: Satte AKG-Speaker

Wie zuvor schon angesprochen, sind die beiden Lautsprecher von AKG nach unten gerichtet. Verwendet man das Notebook auf dem Schoß oder schaut einen Film im Bett ist das ein großer Nachteil. Nur wenn man das Gerät auf eine feste Oberfläche stellt, wird der Sound wirkungsvoll nach oben reflektiert, was für einen extrem guten Stereo-Effekt sorgt. Mit dem Xiaomi Notebook könnt ihr ordentlich aufdrehen, bei zu hoher Lautstärke klingt es durch die starke Eigenvibration des Gehäuses allerdings blechern. Im Großen und Ganzen können die AKG-Speaker aber vom Klang überzeugen.

Performance des Xiaomi Mi Notebook Air 13

Im Gegensatz zum kleinen Bruder ist die 13-Zoll-Variante kein reines Office-Arbeitsgerät. Der verbaute Intel Core i5-6200U taktet mit 2,3 GHz, im Turbomodus mit bis zu 2,8 GHz. Somit ist das Xiaomi Notebook performanter als das Einstiegsmodell der neuen MacBook Pros (ohne Touchbar). Beim 6200U muss man zwar auf Intel-Iris-Grafik verzichten, dafür steht ein dedizierter Nvidia-Geforce-940MX-Grafikchip zur Verfügung – ganz zur Freude aller, die unterwegs Videos schneiden: Bearbeiten von Full-HD-Material ist in Adobe Premiere auch in voller Auflösung ohne Ruckler möglich. Ein zweiminütiger Clip (H264, Full-HD, 25 Frames) benötigte zum Rendern 3 Minuten, 20 Sekunden.

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Auch PCMark8 bescheinigt dem Xiaomi Mi Notebook Air 13 eine satte Leistung: Mit 3.865 Punkten schneidet es im Creative-Benchmark sogar leicht besser ab, als das aktuelle HP Spectre 13. Ein Gaming-Ultrabook darf man trotzdem nicht erwarten: Eine kurze Proberunde Witcher 3 hat selbst mit den niedrigsten Einstellungen keinen Spaß gemacht. Zudem erzeugt der Grafikchip extreme Abwärme, wodurch das Notebook in diesem Bereich sehr heiß wird.

Ansonsten bleibt es angenehm kühl, dafür laufen auch die zwei verbauten Lüfter die meiste Zeit. Im normalen Betrieb bleiben sie ruhig aber akustisch durchaus wahrnehmbar. Das gesamte Kühlkonzept scheint von innen betrachtet gut gelöst. Nicht zuletzt wegen der dünnen Bauform müssen die Lüfter bei anspruchsvolleren Anwendungen aber einiges leisten, um die gesamte Wärme abzuführen.

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Akku: Schnell voll, auch schnell wieder leer

Xiaomi verspricht für das Mi Notebook Air rund 9,5 Stunden Akkulaufzeit. Im normalen Office-Betrieb mit rund 70 Prozent Bildschirmhelligkeit und Pausen ab und zu kamen wir kaum über 7 Stunden hinaus. Das geht in Ordnung, ist aber weniger als bei vergleichbaren Geräten. Etwa die gleiche Laufzeit werdet ihr beim Abspielen von Filmen und Serien erreichen. Nutzt man dagegen verstärkt WiFi oder aufwändigere Software, müsst ihr euch schon ein paar Stunden früher nach der nächsten Steckdose umsehen.

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Dank Schnellladefunktion muss das Notebook dort dafür nicht viel Zeit verbringen: Schon nach 45 Minuten habt ihr rund 75 Prozent der Akku-Kapazität zurück. Geladen wird, wie bereits angesprochen, über USB Typ C. Eine LED neben dem Anschluss gibt Auskunft über den Status. An dieser Stelle sei noch ein Nachteil des Importgeräts angesprochen: Unser Netzteil war mit einem US-Stecker versehen – entweder man besorgt sich dafür einen Adapter oder ein neues USB-Typ-C-Netzteil.

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Xiaomi Mi Notebook Air: Fazit

Wir waren selten von einem Notebook so begeistert: Mit dem Mi Notebook Air macht Xiaomi eine große Kampfansage und bietet eine attraktive Alternative für Apple-Fans, denen die aktuellen MacBooks zu teuer sind, oder über zu wenige Anschlüsse verfügen. Zu schade, dass das Gerät nicht offiziell bei uns im Handel erhältlich ist. Wer allerdings den zugegeben etwas mühseligen Umweg über China-Shops auf sich nimmt und alle Nachteile, die ein Import-Gerät aufweist – Tastaturlayout, Stecker, China-Windows, eventuell Probleme mit Garantie – der bekommt ein Kraftpaket zum kleinen Preis. Das Mi Notebook Air leistet sich tatsächlich nur kleine Schwächen, wie in der Verarbeitung oder bei der unterdurchschnittlichen Akkulaufzeit. Es überzeugt dagegen durch ein grandioses Display, kompakten Formfaktor, eine Vielfalt an Anschlüssen und nicht zuletzt durch den Preis. Bei GearBest gibt es das Gerät aktuell für 733 Euro (plus Einfuhrumsatzsteuer) – viel kann man dabei nicht falsch machen.

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 5/5
  • Performance: 4/5
  • Tastatur / Trackpad: 4/5
  • Konnektivität: 4/5
  • Akku: 3/5

Gesamt: 77 Prozent

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Xiaomi Mi Notebook Air 13: Technische Daten

CPU Intel Core i5-6200U, 2,3 GHz
Grafik Intel HD 520, NVIDIA GeForce 940MX
RAM 8 GB
Interner Speicher 256 GB
Display 13,3 Zoll Full-HD
Akku 5100 mAh, 40 Wattstunden, Schnellladefunktion
Anschlüsse 2x USB 3.0, USB-Typ-C, HDMI, 3,5mm Klinke
Konnektivität Bluetooth 4.1, Dual-Band WiFI (2,4 + 5GHz) 802.11ac
Abmessungen, Gewicht 310 mm x 210 mm x 14 mm, 1,24 kg
Xiaomi Mi Notebook Air vorgestellt.

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