Soziales Netzwerk nur für Teens: musical.ly gelingt, woran Facebook scheitert

Tuan Le 3

Die App musical.ly erlebt derzeit einen massiven Hype, der vor allen Dingen von Jugendlichen getragen wird – und zeigt auch, woran es bei Facebook und Co. hapert. Mit der App lassen sich zu den persönlichen Lieblingssongs eigene Musikvideos erstellen und mit anderen Nutzern teilen. Im Mittelpunkt steht dabei aber mittlerweile vor allem eine Frage: Wer kann mit seinen Clips die Massen für sich begeistern?

Soziales Netzwerk nur für Teens: musical.ly gelingt, woran Facebook scheitert

Hat Zuckerberg die Trendwende verpasst? Es ist mittlerweile bekannt, dass Facebook (und Google+ sowieso) für die Nutzerschaft unter 18 Jahren nicht mehr das Medium der Wahl ist, wenn es um soziale Interaktionen mit der breiten Masse geht. Dominiert wird vor allem Facebook aktuell eher von älteren Nutzern, die wichtige Lebensmomente in Bildposts festhalten, sich politischen Diskussionen in endlos langen Kommentarsektionen widmen oder ihre überaus wichtige Meinung der Umwelt mitteilen wollen.

Doch was hat etwa ein 14-Jähriger Nutzer schon großartig seiner Umwelt mitzuteilen? Nichts, was das Risiko wert wäre, vielleicht am nächsten Tag zum Gespött der Mitschüler oder gar – viraler Verteilung zum Fluche – des gesamten Internets zu werden. Während Snapchat, WhatsApp und nicht zuletzt der Facebook Messenger Plattformen darstellen, wo die Jugendlichen im Freundes- und Bekanntenkreis mit ausgewählten Kontakten oder innerhalb spezifischer Gruppen kommunizieren, ist die öffentliche Zurschaustellung des Privatlebens an eine unkontrollierbare Zielgruppe kurz gesagt uncool geworden.

Tatsächlich ist auch der Schutz vor Sexualstraftätern, Betrügern und Cyber-Mobbing ein guter Grund, weshalb gerade Teenager vorsichtig damit sein sollten, was sie im Internet von ihrem Privatleben preisgeben. Gewissenhafte Eltern tragen ihren Anteil dazu bei, dass auf den herkömmlichen sozialen Netzwerken nicht selten nur die notwendigsten persönlichen Informationen der Teens zu finden sind und selbst vom Posten von (aktuellen) Kinderfotos wird mittlerweile dringlich abgeraten. Im Jugendalter wird man sich dann auch bewusst, dass der Arbeitgeber vielleicht das eigene Facebook-Profil bei künftigen Bewerbungen abchecken wird: Viele Einblicke in das Privatleben will man da sicherlich nicht gewähren.

Bilderstrecke starten
6 Bilder
In 6 Schritten „Ok Google“ deaktivieren oder aktivieren.

musical.ly: Eine App, in der Jugendliche sich unbesorgt der Welt zeigen können?

TikTok
Entwickler: TikTok Inc.
Preis: Kostenlos

Auf den ersten Blick handelt es sich bei musical.ly um eine reine Spaß-App. Mit ihr lassen sich bestimmte Songs mit selbst aufgenommen Clips verbinden, etwa um witzige Musikvideos zu erstellen. Dabei kann der Nutzer sowohl aus der eigenen Song-Bibliothek als auch aus einer riesigen Online-Mediathek auswählen. Direkt beim Starten der App wird aber deutlich, dass es weniger darum geht, für seine engsten Freunde und Bekannten unterhaltsame Clips zu drehen – sondern für die ganze Welt.

Screenshot_2016-04-07-09-42-04_com.zhiliaoapp.musically
Screenshot_2016-04-07-09-42-08_com.zhiliaoapp.musically
Screenshot_2016-04-07-09-21-29_com.zhiliaoapp.musically

Der Startbildschirm von musical.ly zeigt dem Nutzer zunächst einmal, welche Videos anderer Nutzer derzeit im Trend liegen. Durch eine einfache Wischgeste lässt sich ein Clip nach dem anderen anschauen und falls gewünscht mit einem Like versehen. Schaut man sich die Clips der populärsten Nutzer an, wird man feststellen, dass vor allem der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund steht: Es geht gar nicht unbedingt darum, per Playback möglichst überzeugend ein Musikvideo zu drehen, sondern durch Situationskomik oder eine Neuinterpretation der Lyrics (etwa eingebettet in einen Sketch) andere zu unterhalten.

Der Dienst musical.lymusical.ly hat hier offenkundig auch von der Konkurrenz gelernt: Die App Dubsmash bietet eine ähnliche Funktionalität, allerdings ohne die Komponente eines ausgebauten sozialen Netzwerkes. Im Gegensatz zur Discovery-Funktion von Snapchat, die aktuell noch größtenteils völlig von der Nutzerschaft ignoriert wird, haben die Nutzer bei musical.ly durch das Kreieren eines einzigen witzigen Clips, versehen mit beliebten Hashtags, die Möglichkeit Millionen anderer Nutzer auf sich aufmerksam zu machen. Regelmäßige Wettbewerbe und Challenges, die unter einem bestimmten Aspekt ausgetragen werden – etwa die Interpretation eines bestimmten Songs oder die Erschaffung eines besonders witzigen Sketches – gehören ebenfalls zur sozialen Dimension des Dienstes.

Gerade in den US-Medien schlägt die App derzeit hohe Wellen: Populäre Vertreter, die sich „Muser“ nennen, werden zu Talk-Shows eingeladen und erfreuen sich dank Millionen von Fans einer großen medialen Aufmerksamkeit. Diese wird auf dem offiziellen Blog von musical.ly für verschiedene Aktionen weiter eingesetzt: Etwa für Kampagnen, die sich gegen Mobbing oder Kindesmissbrauch aussprechen. Obendrein ist es für die Entwickler von musical.ly ein leichtes, bestimmte Lieder umgehend zu viralen Hits zu machen, indem sie entsprechende Challenges ausstellen. Das macht das soziale Netzwerk zu einem Trend, der in Zukunft auch in wirtschaftlicher Hinsicht von Interesse sein dürfte.

musical.ly für Kinder: Mögliche Sicherheitsrisiken

Was musical.ly für Jugendliche interessant macht ist die Tatsache, dass man nichts wichtiges zu sagen haben muss, um sich der Umwelt mitzuteilen: Man unterhält andere mit kurzen witzigen Video-Clips und wird selbst ebenso von Millionen anderer Nutzer tagtäglich bespaßt. Persönliche Informationen gibt man dabei nicht preis: Auf dem Profil von musical.ly findet man nur Informationen über die Anzahl der Fans und Videos, keine Daten zur Person selbst.

Screenshot_2016-04-07-09-42-27_com.zhiliaoapp.musically
Screenshot_2016-04-07-11-06-01_com.zhiliaoapp.musically
Screenshot_2016-04-07-11-06-04_com.zhiliaoapp.musically

Es gibt nicht einmal eine Nachrichten-Funktion, mit der man Nutzer privat kontaktieren kann; lediglich direkt unter den Clips kann man Kommentare hinterlassen, die aber für alle Nutzer einsehbar sind. Bei den populären Videos sind zwar auch durchaus einige ältere Nutzer sowie einige bekannte Vine- und YouTube-Stars wie DeStorm und KingBach zu finden. Überproportional vertreten sind innerhalb der Nutzerschaft offensichtlich weibliche Teenager und teils sogar Kinder, die sich in albernen Videos, unterlegt mit ihren Lieblingssongs, der Welt zeigen.

Offizielle Webseite von musical.ly *

Zwar dürfte aufgrund der Einschränkungen das Sicherheitsrisiko im Vergleich zu Facebook deutlich geringer sein, allerdings lassen sich optional auch Nutzer aus der unmittelbaren Umgebung anzeigen, was unter Umständen kritisch sein kann. Gerade bei jüngeren Nutzern sollten Eltern daher ein Auge darauf haben, was für Videos ihre Sprösslinge posten. Gegebenenfalls ist es in der App auch möglich, die Videoclips ausschließlich an die Nutzer auszuspielen, die sich unter den eigenen Fans befinden. Wer ganz sicher gehen will, kann die Videos sogar nur offline abspeichern – und wie gewohnt per Snapchat, WhatsApp und den Facebook-Messenger an ganz bestimmte Personen versenden.

Samsung Galaxy S7 bei Amazon kaufen * Samsung Galaxy S7 mit Vertrag bei DeinHandy.de *

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung