Heute: Martin tiefgefroren und der Tritt in die Scheiße

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(Annie) Morgen. Kennt Ihr das auch? Ihr stürzt morgens abgehetzt aus der Haustür, der Pulli, den Ihr zwischen Zähneputzen und Haare fönen über Euren verschlafenen Kopf gezogen habt, sieht nicht so aus wie sonst, weil Ihr ihn auf links tragt. Und es geht unaufhaltsam so weiter…

Heute: Martin tiefgefroren und der Tritt in die Scheiße

Beim Tritt in den dampfenden Haufen Eures Nachbarhundes fällt Euch auf, dass Ihr mitten im Winter die Sandalen tragt, die das letzte Mal ein Stück Straße im Urlaub auf Malotze vor drei Jahren unter sich gespürt haben…

Schlurfend versucht Ihr, die Schuhe im Schnee von den stinkenden Exkrementen des Pudels zu befreien und marschiert in Richtung Auto.
Wenn Ihr jetzt noch wüsstet, wo Ihr es letzte Nacht geparkt hattet, wäre das nach so einem Start in den Tag echt ein Wunder. Natürlich muss es geklaut oder abgeschleppt worden sein, weil es nicht mehr auf dem Platz steht, wo Ihr es mal zufälligerweise vor drei Wochen geparkt hattet.
Klar, dass an dem Versetzen Eures Automobils nur die Polizei oder Kleinkriminelle Schuld haben können. Als ob Ihr jemals vergessen könntet, wo Ihr Euer Auto hinstellt. Bullshit!
Während Ihr also auf dem Bürgersteig vor Euch hingrübelt und sich Falte für Falte auf Eurem Gesicht eingraviert, fliegt zwei Meter von Euch entfernt irgendetwas an Eurem Kopf vorbei und zerspringt vor Euren Füßen. Wie im Comic sehen die Überreste nach Blumentopf aus. Nicht alles Gute kommt von oben.
Orientierungslos und unter Schock lauft Ihr also erst drei Mal um den Block, um die Rostlaube zu finden, ehe Ihr bemerkt, dass sie doch die ganze Zeit vor Eurer Haustür stand.
Also ist der Schnee schuld, der Euer Auto bis zur Unkenntlichkeit verdeckt hat, ihm quasi statt einer Schneekuppe eine Tarnkappe aufgesetzt hat. Ein Schuldiger muss immer gefunden werden.
Wenn Euer Türschlossenteiser jetzt nicht noch sichtbar auf dem Armaturenbrett IN Eurem Auto liegen würde, könntet Ihr es noch pünktlich zur Arbeit schaffen und den Einlauf Eures Chefs verhindern.
Aber wir sind ja nicht im siebten Himmel und darum sprüht Ihr bei unmenschlichen minus 15 Grad Celsius Euren letzten warmen Atem auf den vereisten Türgriff. Und zack! Da geht die Tür schon mal auf. Ein Erfolgserlebnis. Heißt aber noch lange nichts. Denn, was Ihr nicht wisst: In der letzten Nacht hat Eure Autobatterie die Koffer gepackt und sich eine Auszeit gegönnt. Hochmotiviert dreht Ihr erst mal das Radio lauter. Warum kommt kein Ton? Warum startet der Wagen nicht? Warum friert es auf der Frontscheibe VON INNEN??? Langsam wird die Zeit knapp und während Ihr den Schlüssel im Zündschloss hin und her dreht und wie blöde versucht, die Handbremse zu lösen (hehe, die ist auch eingefroren), laufen Eure Nachbarn grinsend an Euch vorbei in Richtung Garage.
Die sind hier in Berlin allerdings so rar wie der Gebrauch von Wörtern wie „Graubrot“, „Stütchen“ oder „Flönz“.
Jetzt gibt es zwei Varianten:
Entweder Ihr macht es so wie Martin, dem ich vorhin ein Taxi rufen musste, das mit Überbrückungskabel seine Batterie wieder flott machte und ihm dafür 12,95 Euro abzockte – lustig, ne? Taxis sind hier die wirklichen gelben Engel.
Oder Ihr redet Eurem Auto gut zu, nehmt in einer spirituellen Minute mentalen Kontakt zu dem Gefährt auf und siehe, der Frost weicht und das Ding springt, mit einem gewaltigen Satz nach vorn, an. Ihr fühlt Euch wie Moses.
Aber seid gewarnt:
Das funktioniert nur bei extrem spirituellen Menschen wie mir, die morgens mit dem Bürstenkopf der Zahnbürste den Tee umrühren und beim Klingeln an der Haustür zum Handy rennen und reinbrüllen „Ich bin schon unterwegs!“

Wer von Euch war heute auch schon „längst unterwegs“ oder hatte mit Tiefgefrorenem zu kämpfen?
Martin ist Euch bestimmt ebenfalls dankbar für jeden Tipp. Das mit dem Fön könnt Ihr Euch sofort sparen, das scheitert meistens am Verlängerungskabel!
Ihr wisst ja, heiße Luft ist heiße Luft und auftauen kann nicht jeder.

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