Kriegsveteran gegen Shooter – Krieg bekommt „cooles Image“

Johannes Repp

Der US-Marine Dakota Meyer hat für seine Leistungen in Afghanistan eine Medal of Honor bekommen. Jetzt hat er sich gegen Kriegsspiele ausgesprochen. Sie „romantisieren den Krieg“.

Am 9. September 2009 rettete der Soldat Dakota Meyer bei einem Einsatz in Afghanistan 12 seiner Kameraden das Leben und erlitt dabei mehrere Verletzungen. Dafür wurde er 2011 vom US-Präsidenten Barack Obama mit der höchsten Auszeichnung des US-Militärs, der Medal of Honor geehrt. Die Erlebnisse vom Krieg lassen Meyer aber bis heute nicht los.

Im Podcast The Joe Rogan Experience äußerte er sich sehr kritisch gegenüber Videospielen mit gewalttätigen Inhalten. Sie tragen laut seiner Aussage zu einer „Romantisierung des Krieges“ bei.

„Leid ist für die Leute normal geworden. Es ist Unterhaltung geworden. Krieg wird immer mehr romantisiert. Er bekommt dieses coole Image … “

Meyer prangert an, dass immer mehr Spieler durch die stetig schlimmer werdenden Gewaltdarstellung einfach desensibilisiert werden. Nachvollziehen kann er das nicht, sein Kampfeinsatz in Afghanistan sei der „schlimmste Tag Lebens“ gewesen.

„In Videospielen machen Kinder genau die Dinge, die mir Nachts den Schlaf rauben.“

Gerade Spiele wie GTA V, in denen man sinnlos Passanten töten kann, sind aus seiner Sicht sehr problematisch. Virtuelles Töten kann den Spielern nur Spaß machen, wenn sie es nie im echten Leben erlebt haben.

Der nächste Kriegs-Shooter CoD: Modern Warfare erwartet uns am 25. Oktober. Auch, wenn der Entwickler für die Einzelspieler-Kampagne viele emotionale und Kriegs-kritische Momente angekündigt hat, wird der Mehrspieler-Modus wohl nur aus Shooter-Elementen ohne Story bestehen. Die Frage bleibt: Ist das schlimm?

Shooter haben Videospiele nachhaltig geprägt:

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Was heißt das für uns? Meinung von Johannes Repp

„Die meisten von uns kennen den Krieg (zum Glück!) nur auf dem Bildschirm. Wer den Krieg nicht miterlebt hat, denkt auch ganz anders darüber. Das sieht man auch am stetig wachsenden ‚Höher, schneller, weiter!‘-Trend der Unterhaltungsbranche. Soll heißen, Filme und Spiele werden immer gewalttätiger und actionlastiger, einfach um den mittlerweile abgestumpften Konsumenten wieder überraschen und schocken zu können. Das kann auch dazu beitragen, dass ein Medium, welches die Schrecken des Krieges darstellen soll (wie zum Beispiel Spec Ops: The Line), greifbarer und realistischer wirkt.

Die Abstumpfung gegenüber virtueller Gewalt ist ein Problem, mit dem sich Spieleentwickler immer stärker konfrontiert sehen. Meistens müssen sie übertriebene Gewaltdarstellungen verwenden, um den Standpunkt eines Charakters klar zu machen oder überhaupt noch „etwas Neues“ bieten zu können. Das funktioniert am besten, wenn man den Spieler oder Zuschauer schockt. Das No-Russian-Level aus Call of Duty: Modern Warfare 2 sollte beispielsweise den Hass auf den Antagonisten Makarov schüren. Auch bei den Entwicklern führe der Level zum heftigen Diskurs. Aber wir genießen doch die Gewalt als Mittel zur Unterhaltung, da wir wissen, dass sie nicht echt ist, oder?

Dass Kriegsveteranen mit gewalttätigen Videospielen nichts anfangen können, kann ich verstehen. Sie haben die dargestellten Gräuel am eigenen Leib erfahren und sind teilweise stark traumatisiert. Dakota Meyer kritisiert die Spiele dafür, den Krieg zu romantisieren. Ich stimme ihm teilweise zu, schließlich spielen wir ja wirklich Krieg zu unserer Unterhaltung. Allerdings hegen wir dabei keine Tötungsabsichten und die wenigsten würden, nur weil sie Kriegsspiele spielen, auch den echten Krieg gut heißen. Blutige Kämpfe, wie sie in Afghanistan, Syrien oder auf der Krim geführt werden, haben nichts mit Spaß zu tun. Das wissen auch Gamer. Die Frage, wie blutig Videospiele sein dürfen lasse ich hier größtenteils außer Acht, ich habe sie bereits in einem anderen Artikel behandelt.

Den Spielen eine alleinige Schuld für die Romantisierung des Krieges zuzuschreiben, halte ich für falsch. Weitere Gründe sind andere Medien der Unterhaltungsindustrie, wie zum Beispiel gewaltverherrlichende Filme oder einseitig-meinungsgefärbte Zeitschriftenartikel wie zum Beispiel bei der BILD. Auch die Politik hat ihren Anteil, schließlich haben wir aktuell mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine Verteidigungsministerin, die die Bundeswehr wieder salonfähig machen will. Dazu kommen Parteien wie NPD und AfD, die gezielt gegen andere Bevölkerungsgruppen hetzen. Fehlgeleiteter Nationalismus führt ebenfalls zur Kriegslust. Wer mir das nicht glaubt, der lese bitte ein Geschichtsbuch.

Viele Gamer sind sogar gegen die Glorifizierung von Kampf und Gewalt, egal ob sie gerne Kriegsspiele spielen oder nicht. ‚Hippe‘ Werbe-Events, wie sie die Bundeswehr gerne auf der Gamescom vollführt, stoßen auf harsche Kritik in der Gaming-Branche. Virtuelle Gewalt führt nicht zur realer Gewaltbereitschaft.“

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