Apple mit ungeheuerlicher Aussage zum Thema Geld: Glaubhaft oder einfach nur lachhaft?

Holger Eilhard

Nach einer überraschenden Antwort innerhalb eines Justizausschuss, der unter anderem prüft, ob Apple wettbewerbs­widrige Methoden nutzt, um die eigene Marktposition zu stärken, gerät das Unternehmen unter starker Kritik. Kann man den ungeheuerliche Aussagen des iPhone-Herstellers glauben?

Reparaturen für iPhone, iPad und mehr: Kosten sollen die Einnahmen übersteigen

Bereits im vergangenen Sommer hatte der Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses kartellrechtliche Untersuchungen gegen diverse Tech-Unternehmen eingeleitet. Diese Nachforschungen betreffen neben Google, Facebook und Amazon eben auch Apple. Einer der Punkte, an denen dieser Ausschuss interessiert ist, betrifft Apples Umgang mit Reparaturen. Das Unternehmen verkauft bekannterweise nicht nur iPhones, iPads oder Macs, sondern bietet für all diese Geräte – in Kooperation mit externen Dienstleistern – auch einen Reparaturservice und Versicherungen an.

Konkret versucht der Ausschuss herauszufinden, ob Apple mit diesem Angebot, welches es nicht-zertifizierten Technikern schwer macht Reparaturen durchzuführen oder Ersatzteile zu erhalten, den Wettbewerb erschwert. Apples Antwort ist seit langer Zeit, dass man Technikern nur dann Zugriff auf die Teile oder auch Anleitungen für Reparaturen gibt, wenn diese zertifiziert wurden. Als Grund hierfür nennt man Sicherheitsbedenken, etwa wenn es um den Austausch von Akkus geht.

Diese Erklärung gab das Unternehmen auch im aktuellen Fall, wie die Antworten auf die Fragen des Justizausschusses (via 9to5Mac) zeigen. Insbesondere eine Antwort sorgte nun aber für harsche Kritik aus dem Lager der Beobachter, die sich für einfache Reparaturen einsetzen.

So stellte der Ausschuss auch die Frage, wie viel Geld Apple durch Reparaturen seit dem Jahr 2009 eingenommen habe. Die überraschende Antwort des iPhone-Herstellers war, dass „in jedem Jahr seit 2009 die Kosten für die Bereitstellung der Reparaturservice die Einnahmen durch diese Reparaturen überstiegen haben“. Anders ausgedrückt: Apple verdient kein Geld durch Reparaturen – eine ungeheuerliche Aussage.

Das Unternehmen aus Cupertino machte keine weiteren Angaben zu dieser Aussage. Es bleibt also etwa offen, ob die von Apple immer häufiger angebotenen kostenlosen Reparaturprogramme Bestandteil dieser Berechnung und damit ein hausgemachtes Problem sind. Das Unternehmen bietet beispielsweise für das Keyboard in diversen MacBook-Modellen seit dem Jahr 2015 einen kostenlosen Austausch an, der für vier Jahre nach dem Kaufdatum gilt. In diesen Fällen wird nicht nur einfach die Tastatur getauscht, sondern die gesamte Gehäuseoberschale häufig inklusive des darin verklebten Akkus. Ein Blick auf die Übersicht der aktuell angebotenen Austauschprogramme zeigt derzeit 19 verschiedene Aktionen.

So funktioniert Apples Keyboard-Tausch:

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MacBook & MacBook Pro: So gibts den kostenlosen Tastaturtausch bei Apple

Reparaturen zu komplex: Kritik an Apples Antworten

Vice hat einige der kritischen Stimmen in einem Artikel zusammengefasst. So sagte etwa Gay Gordon-Byrne von Repair.org, dass Apple Akkus entwickeln könnte, die „von einem Fünftklässler ausgetauscht werden können“. „Wir haben bereits Hunderte von Akkus oder Bildschirmen ausgetauscht, während die Abgeordneten zugeschaut haben. Diese Reparaturen sind kein Hexenwerk.“

Kritik gibt es auch an Apples Maßnahmen, welche dafür gesorgt haben, dass Reparaturen schwerer wurden. Als Beispiel nennt man ein iOS-Update, welches die Touch-Funktionen deaktiviert hatten, wenn ein Bildschirm von einen Drittanbieter repariert wurde. Im Falle des iPhone 11 und iPhone 11 Pro erhalten Nutzer Warnungen, die darauf hinweisen, dass das Austausch-Display nicht zertifiziert ist.

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