Hinter den Kulissen und damit im Schatten der öffentlichen Manager arbeiten viele Experten, die sich darum kümmern, dass iPhone, iPad und MacBook pünktlich und möglichst effizient gefertigt und geliefert werden. Eine dieser Personen ist Tony Blevins, auch bekannt als der „Blevinator“.

Tony Blevins: Der Mann, den die Lieferanten fürchten

Tony Blevins, oder der „Blevinator“ in Anlehnung an den „Terminator“, trägt bei Apple den nüchternen Titel Vice President of Procurement, auf Deutsch: Einkaufschef. Er ist dafür verantwortlich, dass der iPhone-Hersteller im Wettrennen um die Komponenten für Apples Geräte die geringsten Preise zahlen muss. Blevins verhandelt also mit Unternehmen wie Chip-Herstellern oder Liefergiganten um die besten Konditionen.

In einem aktuellen Bericht hat sich das Wall Street Journal (Paywall, via heise) den Mann hinter den Kulissen genauer angesehen. Blevins schreckt laut dem WSJ bei seinen Verhandlungen vor keinen Mitteln zurück. So soll er beispielsweise Lieferanten vor der Konkurrenz vorbeigeführt haben, während diese in Apples Lobby saßen. Einen abgelehnten Vertrag mit dem Logistikriesen UPS habe er per FedEx an die UPS-Manager zurückgehen lassen.

Aber auch bei vergangenen Rechtsstreitigkeiten, etwa im Fall von Qualcomm, soll er die Finger im Spiel gehabt haben. So soll er – bevor sich Apple und Qualcomm einigen konnten – die Lieferanten dazu gebracht haben, die Zahlung der Lizenzgebühren an den Chip-Giganten einzustellen. Diese Aktion alleine soll Qualcomm 8 Milliarden US-Dollar gekostet haben.

Auch bei der Beschaffung der Komponenten fürs iPhone 11 verhandelt Apple hart – hier unser Hands-On:

Das iPhone 11 im Hands-On

Apples Lieferkette: Der Weg zum Erfolg

Schon mit Tim Cook hatte Apple zu Zeiten von Steve Jobs einen Experten an Bord, der die Lieferkette dazu machte, was sie heute ist. Aber auch ohne Personen wie Tony Blevins wären die Rekordgewinne von Apple nicht möglich. Als weiteres Beispiel nennt das Wall Street Journal hierfür ein Abkommen mit Intel für die iPhone-Modems. In den vergangenen Jahren zahlte Apple rund 10 US-Dollar pro Modem, rund 50 Prozent weniger als das, was etwa die Konkurrenz von Samsung an Qualcomm bezahlen muss. Diese Verhandlungen sorgen auch für Apples Rekord-Margen und -umsätze. In der Smartphone-Welt kann Apple so 75 Prozent der Profite einstreichen, während sich die gesamte Konkurrenz mit den verbleibenden 25 Prozent genügen muss.

Der 52-jährige „Blevinator“ kümmert sich aber nicht nur um die Komponenten im iPhone, iPad, Apple Watch oder MacBook Pro. So soll er auch die Verträge für die Glasfronten von Apple Park ausgehandelt haben. Dazu hatte er mehrere Glashersteller in ein Hotel in Hongkong eingeladen und diese über mehrere Besprechungsräume verteilt. In seinen Verhandlungen ging er dann von Raum zu Raum und drückte die Preise. Das Resultat sollen Einsparungen von mehreren Hundert Millionen US-Dollar alleine beim Glas gewesen sein.

Tim Cook und Tony Blevins kennen sich nicht erst seit Apple. Die beiden arbeiteten bereits in den neunziger Jahren zusammen bei IBM. Nachdem Cook bei Apple angeheuert hatte, brachte er im Jahr 2000 auch Blevins zum Unternehmen in Cupertino.

Das Porträt von Tony Blevins im Wall Street Journal umfasst noch einige weitere Beispiele, wie er dabei geholfen hat, die Lieferanten zu besseren Konditionen für Apple zu überreden. Dies beinhaltet auch Fälle, in denen der iPhone-Hersteller keine Probleme damit hatte, langjährige Partner zu verlieren.