Insbesondere Apples App-Store-Richtlinien haben in der Vergangenheit immer wieder zu Frust bei Entwicklern und iPhone-Nutzern gesorgt. Dieser Willkür der Verantwortlichen will man nun ein Ende bereiten, um damit beispielsweise einen vorschnellen Rauswurf von Apps aus dem App Store zu verhindern.

App Stores: Neue Richtlinien geben Entwicklern Rückendeckung

Seit dieser Woche gelten unter anderem für Apples App Store oder auch den Google Play Store neue Richtlinien in der EU. Die „Verordnung zur Förderung von Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten“, dessen vollständiger Inhalt auf den Seiten der EU gefunden werden kann, beinhaltet einige wichtige Punkte, die vor allem Entwickler zu schätzen wissen werden. Gleichzeitig haben diese Änderungen aber auch potenzielle Auswirkungen für jeden iPhone-Nutzer.

Die Verordnung wurde bereits im vergangenen Jahr beschlossen, gilt aber erst seit dieser Woche. Wie iphone-ticker.de berichtet, gehen diese Richtlinien unter anderem zurück auf Beschwerden von Spotify und Deezer aus dem Jahr 2018. Insbesondere die Artikel 1 bis 19 am Ende des Dokuments beinhalten einige interessante Punkte.

Entwickler Steve Troughton-Smith hat auf Twitter die wichtigsten Details zusammengefasst. So muss beispielsweise Apple mindestens 30 Tage im Voraus darüber informieren, wenn eine App aus dem App Store entfernt werden soll. Damit haben Entwickler die Möglichkeit, Anpassungen an der betroffenen App vorzunehmen und damit die Chance etwaige Gegenmaßnahmen zu treffen, um einen vorschnellen Rauswurf zu verhindern. Diese Regel gilt nicht für Apps, die illegal sind oder gefährliche Inhalte umfassen.

Gamesindustry.biz hat diesbezüglich auch eine detaillierte Zusammenfassung der Neuerungen im Hinblick auf die Spielebranche veröffentlicht. Als Beispiel führt man hier etwa ein Spiel an, dass im vergangenen Jahr aus dem Google Play Store verbannt wurde. Unter den neuen Regeln wäre dies nicht so einfach möglich, da Google eine Begründung liefern müsste, woraufhin die Entwickler die Chance für ein entsprechendes Update erhalten hätten.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Zusammenarbeit von Apple oder Google mit einzelnen Entwicklern oder Publishern. Die App-Store-Betreiber müssen nun nämlich offenlegen, wenn diese bevorzugt behandelt werden. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Berichte, dass dies bei großen Anbietern – wie etwa Facebook, Netflix oder Amazon – der Fall sei, da man diese natürlich auf iPhone oder Android-Geräten dauerhaft willkommen heißen will.

Außerdem müssen die Betreiber der App Stores auch mehr Transparenz bei der Anzeige von Charts bieten. Entwickler müssen darüber informiert werden, auf welcher Basis diese erstellt wurden. Diese Informationen können dann unter Umständen bei der Entwicklung berücksichtigt werden.

In iOS 14 hat Apple den Umgang mit Apps überarbeitet. Was das neue Betriebssystem alles bietet, seht ihr hier:

iOS 14: Das sind die Neuerungen

Apple in der Kritik: App Store sorgt für Frust

In der Vergangenheit sorgte Apple mit dem Umgang der Entwicklergemeinde immer wieder für negatives Aufsehen. Dies hat auch Auswirkungen auf die iPhone-Besitzer, da Entwickler beispielsweise bei In-App-Käufen immer wieder an die Grenzen der App-Store-Richtlinien stoßen und sich dann mit Apple in der Öffentlichkeit anlegen müssen.

So bieten Apps wie Netflix oder Audible keine In-App-Käufe an, da sie für diese 30 Prozent der Einnahmen an Apple abdrücken müssten. Gleichzeitig dürfen die Entwickler aber auch nicht auf diese Problematik oder ihre Webseiten zum Kauf von Inhalten hinweisen. iPhone-Nutzer stehen damit häufig vor Apps, die beim ersten Start nur eine Login-Maske darstellen – eine unschöne Erfahrung.