Die ARD hat ihre ambitionierten Pläne für das kommende Jahr öffentlich gemacht. Damit ist nun auch klar, in was der wohl steigende Rundfunkbeitrag investiert werden soll. Anscheinend will es die ARD mit Netflix und anderen Streaming-Anbietern aufnehmen.

 

Beitragsservice (ehem. GEZ)

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ARD will Mediathek deutlich ausbauen

Noch liegt der Rundfunkbeitrag (ehemals „GEZ-Gebühr“) bei 17,50 Euro pro Haushalt – doch das könnte sich ab dem Jahr 2021 ändern. Nun hat die ARD bekannt gegeben, wie die öffentlich-rechtlichen Sender ab September 2020 eine neue Streaming-Offensive planen, berichtet heise. Demnach soll das Online-Angebot der Sender deutlich ausgebaut werden. Viele Inhalte könnten dann schon vor der Ausstrahlung im linearen Fernsehen online zu sehen sein, heißt es. Auch exklusive Inhalte sollen nur in der ARD-Mediathek zu sehen sein.

Der ARD-Koordinator für Fernsehfilme, Jörg Schönenborn, hat entsprechende Pläne der ARD in Hamburg bekannt gegeben: „Wir starten das in der Mediathek mit voller Wucht am 1. September“. Den Anfang soll die Miniserie „Oktoberfest – 1900“ machen, die dann erst später im klassischen Fernsehen zu sehen sein wird. Weitere fiktionale Inhalte sollen folgen, darunter Mehrteiler und Krimiserien. Manche der gezeigten Serien und Filme kommen dann laut Ankündigung erst im darauffolgenden Jahr im linearen Fernsehen an.

ARD-Mediathek wird zum Streaming-Portal

Erst vor rund einer Woche hatte die ARD verkündet, dass die hauseigene Mediathek nicht mehr länger nur eine Art einfache Videothek sein soll, sondern sich zu einem eigenständigen Streaming-Portal entwickeln soll. Helfen wird dabei eine integrierte Programmplanung in der ARD-Programmdirektion, die nicht nur für das Fernsehen, sondern auch für die Mediathek zuständig ist. Exklusive Inhalte in der Mediathek sollen die Aufmerksamkeit der Zuschauer locken.

Wie viel Deutschland im europäischen Vergleich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zahlt, seht ihr in der Bilderstrecke:

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Rundfunkbeiträge zu hoch? So viel zahlen Deutsche im europäischen Vergleich

Um das zu ermöglichen, wird sicher auch ein erhöhter Finanzbedarf angemeldet. Schon jetzt dürfte feststehen, dass der Rundfunkbeitrag ab dem Jahr 2021 steigen wird. Eine konkrete Summe gebe es hier aber noch nicht, heißt es. Thomas Schenk, Chef der sächsischen Staatskanzlei, geht von „18 Euro plus X“ aus.

ARD, ZDF und Deutschlandfunk erhalten jährlich rund 8 Milliarden Euro über den Rundfunkbeitrag. Es wurde bereits angekündigt, dass die Summe nicht ausreichen würde, da sonst mit Abstrichen bei der Qualität der Angebote zu rechnen sei. Schon jetzt sähen sich die öffentlich-rechtlichen Sender gezwungen, häufiger mal Wiederholungen zu zeigen, da für neue Produktion kein Geld da sei.

Der Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro pro Haushalt ist noch bis zum Dezember 2020 gedeckelt, eine Erhöhung könnte also erst ab Januar 2021 erfolgen. Verhandlungen darüber, dass sich der Rundfunkbeitrag in Zukunft über einen sogenannten Indexbeitrag an die Inflationsrate koppelt, sind vor wenigen Wochen gescheitert. Glaub ihr, dass die ARD es mit Netflix und Co. auf nehmen kann?