Ausgetrickst: So hat AMD Nvidia an der Nase herumgeführt

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Kurz nach der Vorstellung der neuen Super-Grafikkarten von Nvidia, reduzierte AMD nochmal seine Preise für die kommenden Navi-GPUs. Eine Kurzschlussreaktion seitens AMD? Von wegen. Dahinter steckte ein perfider Plan, mit dem das Unternehmen die Konkurrenz ins Bockshorn jagen wollte. Das hatte es mit der Aktion laut eines Mitarbeiters wirklich auf sich. 

Preisreduktion bei Navi-Grafikkarten war von Anfang an geplant

Während der diesjährigen E3 zeigte AMD nicht nur, was für eine Leistung man von den neuen Navi-Grafikkarten erwarten konnte, sondern verlor auch einige Worte zur Preisgestaltung der Karten. Die Radeon RX 5700 sollte für 379 US-Dollar an den Start gehen, für die leistungsstärkere Radeon RX 5700 XT war ein UVP von 449 US-Dollar geplant.

Doch kurz nach der offiziellen Vorstellung von Nvidias neuen Super-Grafikkarten, und damit kurz vor dem eigenen Release der neuen Navi-Grafikchips, reduzierte AMD nochmal die Preise. Bei der RX 5700 fiel der Verkaufspreis um 30 US-Dollar auf 349 US-Dollar, bei der RX 5700 XT fiel der Preisunterschied sogar noch größer aus. Das Flaggschiff der beiden Navi-Karten wurde um 50 US-Dollar reduziert und fiel damit knapp unter die magische 400-US-Dollar-Grenze.

Hier findet ihr die Radeon RX 5700 XT bei Mindfactory

Eine Panikreaktions seitens AMD, nachdem sie einen ersten echten Blick auf Nvidias neue RTX-Karten werfen konnten? Anscheinend nicht. Bereits kurz nach der Vorstellung der RTX 2060 SUPER und RTX 2070 SUPER postete Scott Herkelman, General Manager bei AMD, Folgendes:

Der Terminus „Jebaited“ steht im Englischen für eine „bait and switch“-Taktik. Man lockt also die Konkurrenz mit einem Köder an und lässt sie anbeißen, entscheidet sich im letzten Moment aber dafür, doch noch eine signifikante Änderung vorzunehmen, mit der die andere Partei nicht gerechnet hat. In diesem Falle also die Preisreduktion der Navi-Grafikkarten.

In einem Interview mit dem Tech-Magazin HotHardware erklärte Scott Herkelman vor einigen Tagen noch einmal genauer, was es mit der ganzen Sache auf sich hatte:

Die Preise, die wir anfangs nannten, wir wollten darauf warten, was sie für Karten auf den Tisch legen. Und dann haben wir die entsprechenden Entscheidungen getroffen, um nicht nur ihre Super-Serie auszubooten, sondern auch die Verkäufe der RTX 2060 und RTX 2070 zum Stillstand zu bringen. Denn wir wussten, dass sie damit nur schleppend Erfolge machen. Wir wollten sie doppelt austricksen, indem wir nicht nur ihre Super-Strategie blockieren, sondern auch den Verkauf der RTX 2060 und 2070 erlahmen lassen. Das war der echte Trick an der Sache. Ich kann dazu nicht viel weiter ins Details gehen, aber es hat in den letzten Wochen wirklich Spaß gemacht, das ganze auszuspielen. Es macht einfach Spaß, endlich zu gewinnen.

Aktion oder Reaktion: Versucht AMD nur, den Spieß umzudrehen?

Wenn man den Worten von Scott Herkelman Glauben schenkt, dann hatte AMD Nvidia die ganze Zeit über in der Hand. Trotzdem musste das Unternehmen abwarten, wie die Konkurrenz auf die Ankündigung der Navi-Grafikkarten reagiert, um die entsprechende Preisanpassung überhaupt durchführen zu können. Von vorn bis hinten durchgeplant kann die ganze Aktion also nicht ganz gewesen sein.

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Auswirkungen auf den Grafikkartenmarkt scheint die Preisreduktion auf jeden Fall gehabt zu haben, wie ein Blick in unsere Grafikkarten-Top-10 zeigt. Nvidia scheint das ganze aber nicht wirklich zu kümmern. Bislang gibt es von „Team Grün“ noch kein Statement zu der Angelegenheit.

Was denkt ihr dazu? Hat AMD Nvidia wirklich an der Nase herumgeführt? Oder versucht Scott Herkelman nur den Spieß umzudrehen? Denkt ihr, dass die Preisreduktion vor dem Release der Navi-Grafikkarten der richtige Schritt für AMD war? Schreibt eure Meinung zum Thema gerne in die Kommentare.

Robert Kohlick
Robert Kohlick, GIGA-Experte für Gaming-Hardware, -PCs und -Laptops.

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