Besser als Skyrim: Reddit klärt, warum Morrowind das beste The Elder Scrolls ist

Marina Hänsel

Es weihnachtet und die freien Tage sind nur noch einen Schlickschreiter-Ritt entfernt. Bevor wir uns ins Jahr 2020 werfen, können wir also getrost unser Nostalgie-Auge in die Vergangenheit schweifen lassen, denn dort lauern zuweilen nicht nur wunderbare Erinnerungen, sondern auch Spiele, die es heute noch wert sind, gespielt zu werden: Morrowind etwa – das beste The Elder Scrolls aller Zeiten?

Höret, höret – erinnert ihr euch noch an den wundervollen Soundtrack von Morrowind?

The Elder Scrolls III : Morrowind Trailer.

Manch einer mag die Meinung vertreten, das siebzehn Jahre alte The Elder Scrolls 3: Morrowind sei zu schlecht gealtert, um jetzt noch ohne nostalgische Ekstase genossen werden zu können. Aber stimmt das? Als alter Morrowind-Fan muss ich dem Argument in einigen Punkten zunicken, doch scheinbar gibt es auch heute noch frischgebackene Morrowind-Liebhaber: Reddit-User Kopaka-Nuva hat Morrowind erst 2013 angefasst, nachdem er wagemutig durch The Elder Scrolls 5: Skyrim gestapft ist. Sein Resümee? Morrowind ist das beste The Elder Scrolls aller Zeiten – auch ganz ohne Nostalgie-Brille.

Morrowinds Welt ist „wie keine andere“

Sind Spiele wie Morrowind endgültig ausgestorben? Und würde es sich auch heute noch lohnen, Morrowind eine Chance zu geben? Nachdem TES-Tante Bethesda erst einmal Abstand von The Elder Scrolls 6 genommen hat – zumindest einen zeitlichen – bleibt die Frage, wo wir Drachengeborene uns derweil einnisten könnten. Falls ihr The Elder Scrolls 3: Morrowind bis jetzt ausgelassen habt, lohnt vielleicht ein zweiter Blick auf das ältere Spiel.

Wie User Kopaka-Nuva auf Reddit schreibt, ist Morrowind weit davon entfernt, ein perfektes Spiel zu sein – und die siebzehn Jahre alte 3D-Grafik allein wird Spieler heute auch nicht mehr überzeugen. Trotzdem sei der Vorgänger von The Elder Scrolls 4: Oblivion eines der detailliertesten Rollenspiele aller Zeiten:

„Das Beste an Morrowind sind zwei Dinge: Es erschafft eine extrem detaillierte Welt, und zwingt euch auf fesselnde Art in der Hauptquest, alles über sie zu lernen. Anstatt euch mit Informationen über die Welt zuzuschütten, lehrt es euch über sie in den Missionen.“

The Witcher 3: Wild Hunt geht einen ähnlichen Weg und begeisterte damit, während manch andere Titel sich gänzlich auf Notizen oder Zwischensequenzen verlassen, um dem Spieler die Story näherzubringen. Ihr könnt für euch selbst entscheiden, was euch mehr zusagt – fraglich ist aber auch, ob es heute überhaupt noch derartig detaillierte Geschichten und Welten gibt. Morrowind bietet eine „glaubhafte, komplexe politische und religiöse Situation“, wie Kopaka-Nuva beschreibt – und mit der werdet ihr direkt zu Beginn konfrontiert, als ihr nach eurer mysteriösen Entlassung aus dem Gefängnis per Boot nach Vvardenfall gebracht werdet.

Dazu kommt, dass Morrowind euch eine Welt fernab allzu bekannter Fantasy-Standards präsentiert, angereichert mit etlichen vielschichtigen Missionen, obskuren Monstern und riesigen Pilzen, in die auch noch seltsame Häuser gebaut wurden. Oblivion ist Mittelalter-Fantasy und Skyrim geht den Weg der Wikinger – Morrowind dagegen? Zur Zeit des dritten The Elder Scrolls schienen High-Fantasy-Geschichten noch fester Bestandteil der Videospielkultur gewesen zu sein.

Auf Reddit wird das angeältete TES-Rollenspiel aber nicht nur angehimmelt. Kopaka-Nuva weist gleichsam auf die vielen, vielen, vielen seelenlosen NPCs hin, wie auch auf jene Balance-Probleme, die euch im Laufe des Spiels zu einem gefühlten Halbgott werden lassen:

„Die langweiligen NPCs sind die unvermeidliche Konsequenz eines derart riesigen Spiels – es gab einfach keine Zeit, jeden Charakter tiefgreifend auszuarbeiten. Was zählt ist, dass es bedeutende Charaktere wie Vivec (über den Essays geschrieben werden können, und wurden) Divayth Fyr, Dagoth Ur und Yagrum Bagarn gibt. Und was das Fehler der Sprachausgabe angeht – der Fakt, dass beinahe alle Dialoge per Text überbracht werden bedeutet auch, dass es keine Einschränkungen dahingehend gab, wie viel Dialog vertont werden konnte.“

Morrowind ist riesig. Und das nicht nur in Bezug auf die Größe der Map, sondern auch hinsichtlich der etlichen Missionen, Charaktere, Städte und schieren Möglichkeiten, die ihr bei der Charakterentwicklung wahrnehmen könnt. Eure Skills entwickelt ihr etwa, indem ihr tagein tagaus eure Fähigkeiten trainiert: Kämpft ihr oft mit dem eurem Schwert, werdet ihr irgendwann der beste Schwertkämpfer aller Zeiten sein – springt ihr wie ein Flummi, dürftet ihr nach einigen Stunden Training die halbe Map überfliegen können. Realistisch ist das nicht, aber Spaß macht es wohl allemal mehr, als jene mitlevelnden Gegner, die in Oblivion auf euch warten.

„Denken wir an das Gameplay, bietet Morrowind wohl einige der unausgeglichensten Mechaniken, die es ja gab – und das macht es toll. Auf einem höheren Level und mit einem Feingefühl für Verzauberungen und Alchemie könnt ihr jeden Gegner im Spiel mit nur einem Schlag niederstrecken, ihr könnt mit einem Sprung die halbe Map überqueren und massive, Stadt-zerstörende Feuerbälle beschwören.“

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The Elder Scrolls 3: Morrowind ist und bleibt ein Klassiker, dessen Grafik mit den Jahren ohne Frage welk geworden ist. Lassen wir diesen Fakt jedoch beiseite, versteckt sich in dem mittlerweile fast volljährigen Rollenspiel eine fantasiereiche Detailverliebtheit, die uns alle ein wenig nostalgisch machen darf: Habe nur ich das Gefühl, oder trauen sich heutige Rollenspiele keine derart komplexe High-Fantasy-Welt mehr zu?

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