Böhmermann gegen Mobilspiel: Coin Master könnte indiziert werden

Sophie Jordan

Ist es Minderjährigen gestattet, legal an Glücksspielen teilzunehmen? Böhmermann kritisiert öffentlich das Mobilspiel Coin Master, das zwar kein Glücksspiel anbietet, es dafür aber simuliert. Für Böhmermann sollte schnellstmögliche Indizierung von Coin Master eingeleitet werden – und dieser Fall ist nun eingetreten.

In der Sendung Neo Magazin Royale wetterte Jan Böhmermann gegen die App Coin Master. Diese soll mit einer kindlichen Aufmachung Minderjährige zum Glücksspiel verführen.

Nachdem er sich an sein Publikum wandte, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, teilte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien mit, dass etliche Anträge zur Indizierung des Spiels bei ihnen eingegangen sind. Es handle sich allerdings um einen ungewöhnlichen Fall, der sich nicht richtig einstufen lässt, da das Geschäftsmodell – und keine pornografischen oder gewaltverherrlichende Inhalte – kritisiert werden. Sind simulierte Glücksspiele, durch die nicht erfüllten Kriterien nun weniger jugendgefährdend als richtige Glücksspiele? GIGA GAMES hat bei der USK nachgefragt:

„Angebote, die Glückspiel nur simulieren, erfüllen diese Kriterien bislang nicht, weswegen solche Angebote für Kinder und Jugendliche grundsätzlich nicht untersagt sind. Für die USK spielt in der Jugendschutzbewertung allerdings eine mögliche Entwicklungsbeeinträchtigung eine Rolle.

Ob Coin Master tatsächlich als jugendgefährdend eingestuft wird, dürfte sich bald entscheiden. Wenn eine Indizierung auftritt, dürfen Minderjährige nicht mehr auf die App zugreifen – außerdem darf keine Werbung mehr für sie geschaltet werden.

Ursprüngliche Nachricht vom 14. Oktober, 18:22 Uhr

Jan Böhmermann gegen Coin Master: Härterer Jugendschutz muss her

Kaum sieht etwas niedlich oder putzig aus, ist es automatisch ungefährlich. Doch dieser Trugschluss kann oft schwerwiegende Konsequenzen haben. Davor warnt jetzt auch Jan Böhmermann, der App Coin Master wirft er vor, dass sie Kinder auf „harmlose“ Art und Weise zum Glücksspiel verführt.

Da auch Promis und Influencer wie Dieter Bohlen und Bibi (Bibis Beauty Palace) für diese App werben, lockt dies eine große Menge junger Nutzer an, die Coin Master für mehrere Monate auf Platz 1 der erfolgreichsten Apps im Play Store katapultierte.

Coin Master - die Hexe aus dem Knusperhäuschen

Ein buntes Dorf und viele kleine süße Tierchen. Coin Master sieht aus wie ein idyllisches Kinderbuch, dass nur so vor Niedlichkeit strotzt – nach außen hin. Sieht man tiefer in die App hinein, wird man überwältigt von virtuellen Spielautomaten. Denn möchte man sein knuffiges Dörfchen erweitern, muss jede Aktion mit Ingame–Währung erkauft werden. Und diese bekommt ihr nur über die Casino–Automaten. Die Aktion kann allerdings nur fünf mal pro Stunde kostenlos betätigt werden, danach müssen weitere Versuche mit Echtgeld bezahlt werden. Zu Böhmermanns Entsetzen, unterliegt das Spiel nicht den gleichen Gesetzen die für Glücksspielautomaten gelten. Somit nehmen Minderjährige legal an Glücksspielen teil.

Auch wenn das Spiel im Play Store erst ab 16 Jahren freigegeben ist und die Entwickler das Spiel nicht für Kinder unter 16 Jahren konzipiert haben, beteuert Böhmermann dass die Werbung und Aufmachung sehr wohl auf ein jüngeres Publikum abzielt. Denn ursprünglich war Coin Master ab 0 Jahren freigegeben.

Da die jüngere Zielgruppe ein immer größer werdendes Desinteresse an traditionellen Spielautomaten entwickelt und die hinter Coin Master stehenden Investoren immer mehr Druck ausüben, müssen laut Glücksspielsuchtforscher Tobias Hayer innovative Geschäftsideen her.

Kein echtes Geld, kein echtes Glücksspiel

Gibt es einen Geldeinsatz, eine Geldgewinnmöglichkeit und einen zufällig basierten Spielausgang, dann handelt es sich laut Hayer um ein echtes Glücksspiel. Man mag glauben, dass dies auch bei Coin Masters zutrifft, dem ist aber nicht so. Obwohl mit echtem Geld weitere Drehversuche für den Automaten gekauft werden können, kommen nur Ingame–Punkte und kein Echtgeld auf das Spielekonto.  Dabei handelt es sich dann um ein simuliertes Glücksspiel. Dazu äußert sich Böhmermann folgendermaßen:

„Wenn ich das richtig verstanden habe, heißt das, ich gebe echtes Geld aus - richtig viel - aber ich kann kein echtes Geld gewinnen. Und ob ich gewinne muss auch kein Glück sein wie bei einem Spielautomaten, das darf bei Coin Master der Spielbetreiber selbst steuern.“

 

Im Fall–Coin Master müsse herausgefunden werden, ob typische casino– und glücksspielartige Assoziationen hervorgerufen werden und ob die Glücksspielmechanik im Mittelpunkt steht. Erste Maßnahmen ihrerseits waren es, Casino–Apps mit einer USK 16 Kennzeichnung im IARC–System (International Age Rating Coalition) zu kennzeichnen.

Diese Debatte ist für Böhmermann sehr wichtig - besonders wegen dem Wohlergehen der Kinder. Den entsprechenden Beitrag in voller Länger könnt ihr euch übrigens hier ansehen:

Gibt es eine allgemein geregelte Altersfreigabe?

Auch hier wird wieder unterschieden zwischen Online– und Offline–Form eines Spiels. Alle Titel die physisch in die Läden kommen, sind vom Jugendschutzgesetz betroffen. Bei allen Spielen die Online auf den Markt kommen, so wie Coin Master, greift der Jugendmedienschutz–Staatsvertrag ein. Simuliertes Glücksspiel wird bei der Entwicklung der Altersfreigabe berücksichtigt, doch das Spiel selber überprüfen macht die USK nicht. Das Altersfreigabe–Siegel wird automatisch generiert, indem die Entwickler ein Fragebogen ausfüllen. Somit ist Coin Master im Google Play Store ab 16 Jahren freigegeben, im Apple Store ab 17 Jahren und im Amazon App Store sogar ab 0 Jahren. Ein einheitliches System für die Alterseinstufung gibt es demzufolge nicht.

 

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Wie steht ihr zu einer einheitliche Regelung für Altersfreigaben von Online– und Offline–Games? Habt ihr bereits Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Spielen gemacht? Schreibt uns dazu doch einfach in die Kommentare.

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