Call of Duty: Modern Warfare 2 – No Russian-Level spaltete selbst das Entwickler-Team

Johannes Repp 1

Er gilt als eine der blutigsten Level der Spielgeschichte – No Russian aus Call of Duty: Modern Warfare 2. Selbst einigen der alteingesessenen Call of Duty-Fans erschien sie als zu heftig. Jetzt gaben auch die Entwickler zu, dass die Mission in ihrem Team zur Debatte geführt hat.

Schon damals sorgte die Mission No Russian für viel Furore. Viele Medien beschäftigten sich mit dem Thema „Wie blutig dürfen Videospiele heutzutage sein?“ und führten diesen Level gerne als Extrembeispiel an. Auch in der Spielergemeinde wurde heftig diskutiert. Einige warfen dem verantwortlichen Studio Infinity Ward Effekthascherei vor. Dabei war die Mission in der Version, wie sie Activision schlussendlich in Call of Duty: Modern Warfare 2 veröffentlichte, gar nicht so geplant.

Eigentlich hätte alles ganz anders kommen sollen

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Der Part der Mission, in dem wehrlose Zivilisten brutal von einer russischen Terrorzelle zusammen geschossen werden, sollte so gar nicht vor kommen. Der geplante Ablauf der Mission sah so aus: Du trittst aus dem Fahrstuhl, kurz vor dem ersten Schuss – Schnitt – Feuergefecht mit der Polizei. Doch das hätte das erzählerische Ziel der Mission verfehlt. Das meinte zumindest der damals leitende Game Designer Mohammad Alavi in einem Interview.

„Wir wollten mit diesem Level drei Dinge erreichen. Klar machen, warum Russland die USA attackieren würde, den Spieler emotional an den Bösewicht Makarov binden, und das auf eine möglichst einprägsame Art gestalten.“

Somit stand fest: Die Zivilisten mussten vor den Augen des Spielers sterben. Doch das stellte das Studio vor ein neues Problem. Es bildeten sich zwei Lager. Die einen waren der Meinung, dass der Spieler das Ereignis aus den Augen eines Security-Mitarbeiters erleben soll, die anderen wollten den Spieler als aktiven Part des Terrors mit einbinden. Dass man sich schlussendlich für letzteres entschieden hat, begründet Alavi so:

„Dem Massaker nur zuzuschauen hätte nicht den selben Einfluss auf den Spieler gehabt, wie aktiv daran teilzunehmen (oder auch nicht). Einen Zivilisten in einem Videospiel zu steuern, lässt dir keine Wahl oder vermittelt dir die Angst vor dem Sterben. Dieses Gefühl ist so normal, der Spieler fühlt es gar nicht mehr.“

Die extrem blutige Darstellung von No Russian war gar nicht geplant

Die derart blutrünstige Gewaltdarstellung des Attentates haben wir der Frau des Lead Artists Joel Emslie zu verdanken. Bei einem Interview mit Gameinformer erzählte er:

„Ich habe das Kapitel meiner Frau gezeigt und das erste, was sie fragte war: ‚Wo sind das Blut und die Gedärme?‘.“

Diese Frage soll laut Emslie bei der Fertigstellung von No Russian nicht unerheblich gewesen sein. Schlussendlich entschieden sich die Entwickler dann doch dazu, den Grad der gezeigten Gewalt auf den Level zu bringen, wie du ihn heute kennst. Nicht ohne Folgen – derartig viel Gewalt in einem Videospiel war und ist Wasser auf die Mühlen der Menschen, die Shootern und anderen Actionspielen die (Mit-)Schuld an Terrorangriffen oder anderen Verbrechen zuschreiben wollen.

Die bösen Killerspiele

Selbst zehn Jahre nach Release ist No Russian immer noch Bestandteil der Killerspiel-Debatte. US-Präsident Donald Trump hat den betreffenden Videospielen schon lange den Kampf angesagt. Am 8. März 2019 erschien auf dem offiziellen Kanal des weißen Hauses auf YouTube ein Zusammenschnitt aus vielen Gewaltszenen, die vorrangig aus bekannten Shootern stammen. Teil dieses Videos waren auch einige Call of Duty-Momente, unter anderem auch das Flughafen-Massaker aus Modern Warfare 2.

Das Ziel ist klar: Videospiele sollen als Verherrlichung sinnloser Gewalt dargestellt werden. Das Motiv, das hinter jeder gezeigten Aktion steht, und deren tiefere Bedeutung für die Handlung bleiben komplett unbeleuchtet. Die Reaktion kam postwendend: fast 98% der Bewertungen des Videos sind negativ, die Kommentare meistens verspottend.

Was bedeutet das für das neue Call of Duty?

Offenbar weiß Infinity Ward um den Rückhalt aus seiner Community. Für das neue Call of Duty: Modern Warfare wurden ähnliche Momente wie No Russian versprochen. Der offizielle Trailer bestätigt das.

Meinung von Johannes Repp

Die Veröffentlichung von Call of Duty: Modern Warfare ist für den 25. Oktober dieses Jahres angesetzt. Ich bin auf diese Momente gespannt und werde gerne an den Debatten teilnehmen. Die Entwicklung, dass immer mehr Spiele Grausamkeit und Gewalt zeigen, sehe ich eher weniger kritisch. Man wird zum Nachdenken angeregt. Mehr, als bei einem nur auf Action bedachten Heldenepos.

Und eben dieser kleine Schubs, sich über Sachen Gedanken zu machen, die man sonst im Alltag verdrängt, ist der Grund, warum meiner Meinung nach Videospiele unbedingt als Kunst angesehen werden sollten. Terror, Gewalt und Tod sind Dinge, mit denen wir (gottlob) nicht täglich konfrontiert werden. Deshalb ist die Idee, sie uns in Form unseres Lieblingsmediums nahe zu bringen, gar nicht so verkehrt. Krieg ist hässlich, daher ist es verständlich, dass auch die Entwickler eines solchen Spieles wie Modern Warfare, an einem bestimmten Punkt an sich zweifeln und sich die Frage stellen „Was kann ich dem Spieler zumuten?“.

Die Spieler mit No Russian aus ihrer Komfortzone zu holen, hat auf jeden Fall geklappt.

Jetzt stellt sich die Frage, was mit Infinity Wards neustem Werk auf uns zu kommt …

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