Chance vertan: Google hat vergessen, eine von Stadias größten Stärken auszuspielen

Robert Kohlick 10

Google Stadia klingt auf dem Papier nach dem Traum eines jeden Gamers: „Wo immer du bist, Stadia lässt dich die neuesten Spiele spielen. Schnapp dir einfach deinen Controller und du steckst mittendrin.“ So zumindest das Werbeversprechen. Und obwohl ich merke, dass sich Google viele Gedanken über Stadia gemacht hat, vergisst der Riesenkonzern meiner Meinung nach, eine der größten Stärken der Konsolenalternative auszuspielen. 

Chance vertan: Google hat vergessen, eine von Stadias größten Stärken auszuspielen
Bildquelle: Google / Getty Images – KatarzynaBialasiewicz; Povozniuk.

Stadias verpasste Chance: Hier wäre mehr drin gewesen, Google

Googles Hauptverkaufsargument für Stadia lässt sich mit einem einzigen Wort beschreiben: Barrierefreiheit. In keiner Präsentation wird Googles Vizepräsident Phil Harrison müde zu erzählen, dass wir Spieler dank Stadia endlich überall unserem liebsten Hobby nachkommen können.

Doch ist das wirklich so? Abgesehen von der eher mangelhaften Verfügbarkeit von mobiler Breitband-Internetgeschwindigkeit bei uns in Deutschland wird Stadia meiner Meinung nach vor allem mit einem weiteren Problem zu kämpfen haben. Denn wer genau hinsieht, wird merken: So barrierefrei, wie uns Stadia bislang verkauft wird, ist die Plattform gar nicht.

Seit der ersten Stadia Connect wissen wir, auf welchen Plattformen Googles Konsolenalternative an den Start gehen wird: Ab November können Käufer der 130 Euro teuren Founder’s Edition Stadia im Chrome-Browser, auf ihrem Fernseher, dem Tablet oder ihrem Smartphone benutzen – vorausgesetzt, ihr seid stolzer Besitzer eines Pixel-Handys der aktuellen Generation.

Hier findet ihr die aktuellen Pixel-Geräte auf Amazon *

Ihr habt die Stadia Connect verpasst? Kein Problem! Hier könnt ihr euch die Präsentation noch einmal ansehen: 

Stadia Connect: Preis, Spielankündigungen, Release-Datum und mehr.

Und genau da fängt es schon an: Anstatt Stadia von Anfang an für alle aktuellen Smartphones mit genug Leistung anzubieten, kastriert Google seine eigene Streaming-Plattform und zieht künstliche Wände hoch, um einen zeitexklusiven Walled Garden im Mobilbereich zu erschaffen. Klar, Google will damit bestimmt auch die eigene Pixel-Marke weiter stärken, aber irgendwie hinterlässt dieses Vorgehen bei mir ein fieses Geschmäckle.

Laut offizieller Aussage arbeitet das Unternehmen aber schon daran, Stadia auch für andere Smartphones zur Verfügung zu stellen. Wann man mit der Freischaltung rechnen kann, ließ das Unternehmen jedoch offen. Liegt das daran, dass Google es tatsächlich nicht absehen kann, wann sie die App auch auf anderen Smartphones zum Laufen kriegen? Wohl kaum. Dahinter steckt meines Erachtens reines Kalkül. Aber das kann man einem Multimilliarden schweren Konzern wohl kaum vorhalten, oder?

Barrierefreiheit? Von wegen!

Doch nicht nur bei Smartphones setzt Google Schranken für die Benutzung von Stadia. Auch auf Desktop und Laptop ist das Unternehmen darauf bedacht, bloß keine fremden Browser von ihrem süßen Streaming-Nektar naschen zu lassen. Denn wer Stadia am Rechner nutzen will, muss zwangsweise den Chrome-Browser nutzen. Okay, das mag etwas kleinlich wirken – immerhin ist Chrome im Gegensatz zu den Pixel-Smartphones kostenlos erhältlich. Dennoch gibt es unter uns Spielern aber auch viele, die lieber Firefox, Opera oder Safari nutzen. Die haben dann halt Pech. Entweder ihr springt ins kalte Wasser und installiert euch Googles eigenen Browser, oder ihr geht leer aus.

Auch in diesem Fall bin ich mir sicher, dass es für ein Unternehmen wie Google gar kein Problem gewesen wäre, Stadia bereits zum Start auf anderen Browsern anzubieten. Ach, warte mal! Bislang wurde ja noch gar nichts darüber gesagt, ob Google überhaupt plant, die Streaming-Plattform auf anderen Webbrowsern zur Verfügung zu stellen. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Und auch wer mit Stadia auf dem Fernseher spielen will, muss mit Einschränkungen leben. Eine simple App für euren Smart-TV wird es erstmal nicht geben. Stattdessen setzt Google voraus, dass ihr im Besitz des hauseigenen 4K-Streamingsticks Chromecast Ultra seid. Wenn ich den Text auf der Webseite richtig deute, braucht ihr das teure 4K-Modell auch dann, wenn ihr „nur“ einen Full-HD-Fernseher in eurem Wohnzimmer stehen habt.

Hier findet ihr den Chromecast Ultra bei MediaMarkt *

Ein Licht am Ende des Daten-Tunnels

Nachdem ich das gelesen hatte, war ich tatsächlich überrascht zu hören, dass Google nicht auch noch den Tablet-Nutzern weitere Steine in den Weg legt. Schließlich hat das Unternehmen mit dem Pixel Slate auch ein eigenes Tablet im Angebot. Das hatte man damit ja auch pushen können. Das Teil scheint nicht gerade ein Bestseller zu sein.

Doch zurück zum Thema. Denn Tablet-Nutzer dürfen sich freuen: Wir alle erhalten Zugriff auf Google Stadia – und zwar über den Chrome-Browser. Eine eigene App für Tablets wird es zum Start nicht geben. Ob sich das in Zukunft ändern wird, ist noch nicht bekannt. Naja, immerhin etwas.

Bilderstrecke starten
10 Bilder
8 faszinierende Ideen, die Google Stadia umsetzen will.

Was nicht ist, kann ja noch werden

Einige mögen meine harsche Kritik an Google Stadia als Hasstirade verstehen, doch ich versichere euch – dem ist nicht so. Ich bin wirklich sehr gespannt darauf, was Google aus seiner Spiele-Streaming-Plattform macht. Ich finde es nur schade, dass uns das riesige Unternehmen Stadia als barrierefrei und universell zugänglich verkaufen will, sich aber gleichzeitig nicht traut, die Konsolenalternative auch außerhalb des eigenen Ökosystems anzubieten.

Das passt in meinen Augen einfach nicht zusammen und wird sich auf voraussehbare Zeit auch nicht ändern. Denn während der Stadia Connect ließ Phil Harrison auch folgenden Satz fallen:

Unsere Vision ist es, dass Stadia auf jedem Bildschirm läuft, der Chrome unterstützt.

Aber warten wir es mal ab. Wer weiß, vielleicht ändert Google seine Meinung ja nochmal und kündigt bereits einige Monate nach dem Start an, dass sie bereits daran arbeiten, das System auch auf anderen Browsern und, in Form einer nativen App, auf Smart-TVs und Tablets zu unterstützen. Wenn einer dafür die nötigen Ressourcen hat, dann ist das Google.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* Werbung