„Als kleines Team in einer gigantischen Welt von Spielentwicklern ist es besonders schwer, Aufmerksamkeit während Online- und virtueller Events zu erregen.“ – Italien steht infolge des Coronavirus still, und neben anderen Industriezweigen ist besonders auch die Videospielindustrie betroffen: Kleine und große Entwickler erzählen, was bei ihnen los ist.

 

Videospielkultur

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Gegenüber GamesIndustry.biz sprechen Videospielentwickler, Manager und andere Kreativarbeitende darüber, wie sie den Shutdown Italiens durchstehen. Mit der Ausbreitung des Coronavirus müssen immer mehr Festangestellte und Freiberufler von zu Hause aus arbeiten; wir von GIGA GAMES sind da nicht ausgeschlossen. Was in einigen Branchen leicht umgesetzt werden kann, bringt gerade für die Videospielindustrie Probleme mit sich: Events fallen aus, die richtige Ausrüstung fehlt zu Hause, Plattformen zur Bewerbung der eigenen Spiele müssen erst einmal gefunden werden.

Nicht jedes Studio wird den Shutdown überleben, doch nicht immer sind es die kleinen Entwickler, die besonders leiden. Das Studio MixedBag etwa besteht nur aus elf Personen, hatte aber das Glück, gleich zwei wichtige Releases vor dem Shutdown abzuwickeln:

„Wir hatten bis jetzt die Möglichkeit, recht normal weiterzuarbeiten. Wir haben gute Spiele in der Pipeline, und wir nutzen ein große Bandbreite an Programmen, die uns helfen, zusammenzuarbeiten. Im Moment also spüren wir die Folgen noch nicht allzu sehr.

Ganz Italien arbeitet momentan von zu Hause aus, aber nicht ganz Italien – bezogen auf die Videospielindustrie – hatte das Glück, im ‚richtigen‚ Moment Büros und Studios verlassen zu müssen. Zudem haben ausgefallene Events wie die verschobene GDC oder auch die E3, welche erst wieder 2021 stattfinden soll, ernstzunehmende Auswirkungen auf die gesamte Branche: Veranstaltungen ähnlich der gamescom sind nicht nur für Privatbesucher wichtig, sondern bieten eben gerade für Indie-Entwickler und Kreativschaffende eine Plattform, um Kontakte zu knüpfen und neue Aufträge zu erhalten:

Was uns wirklich hart trifft sind die Event-Absagen“, erklärt der CEO von MixedBag im Interview mit GamesIndustry.biz, „Wir hatten geplant, an der GDC teilzunehmen, beim London Game Festival dabei zu sein und die E3 zu besuchen, um unsere neuen Spiele und Ideen potentiellen Partnern vorzustellen, und wir hatten schon eine große Liste an richtig guten Meetings festgelegt, als die Veranstaltungen abgesagt wurden.“

Beziehungen zu Kunden und Geschäftspartnern sind das A und O in jeder Kreativbranche, und Videospiele machen da keine Ausnahme. Der italienische Entwickler Studio Evil besteht gleichfalls aus elf Personen, und kämpfte zudem damit, die eigenen Spiele in der momentanen Lage zu bewerben. Events und Spiele- sowie Hardware-Präsentationen versuchen momentan, sich online und in Streams Gehör zu verschaffen: Während große Konzerne wie Sony zur PS5-Präsentation auf ein Millionenpublikum treffen, haben kleinere Entwickler allerdings das Problem, überhaupt wahrgenommen zu werden:

„Unser größtes Problem ist es, irgendwo anders die Art von Feedback und Aufmerksamkeit zu finden, die uns öffentliche Events versprechen. Als kleines Team in einer gigantischen Welt von Spielentwicklern ist es besonders schwer, Aufmerksamkeit während Online- und virtueller Events zu erregen“, erklärt Luca Marchetti, der CEO von Studio Evil.

Und während wir über Italien und italienische Spielentwickler sprechen, stehen deutsche und andere europäische Studios vor den selben Problemen: Was gerade in Italien zu Zeiten von COVID-19 passiert, ist nur einen Sprung entfernt. Schon jetzt arbeiten auch hierzulande viele im Home Office, und abgesagte Events betrifft die deutsche Entwicklerbranche gleichermaßen. Wie Thalita Malagò – Generaldirektor des italienischen Handelsorgans IIDEA – gegenüber GamesIndustry.biz betont, sollten europäische Länder jetzt besonders aufmerksam beobachten, was in Italien passiert, und sich auf eine ähnliche Situation einstellen:

Andere europäische Länder sollten sich sorgfältig anschauen, was in Italien passiert, um intern dafür zu sorgen, mit einer ähnlichen Situation fertigzuwerden. Basierend auf unserer Erfahrung, würde ich definitiv empfehlen, dass die Videospielindustrie sich auf die Arbeit von zu Hause aus einstellt, damit sie nicht unvorbereitet ist, wenn sie mit der Notsituation konfrontiert wird.“

Lest hier den gesamten Artikel von GamesIndustry.biz zur italienischen Videospielindustrie während des Shutdowns.

MixedBag hat unter anderem das Mystery-Mobile-Spiel Avery entwickelt, während ihr Studio Evils 4-Spieler-Koop-Action-RPG Super Cane Magic ZERO auf Steam, PS4 oder auch auf der Switch ausprobieren könnt. Wir haben auch ein paar Spiele zusammengestellt, mit denen ihr euch zu Hause beschäftigen könnt:

Bis jetzt wurden etliche Groß-Events weltweit bis in den Juni hinein abgesagt; wie lange öffentliche Veranstaltungen aber tatsächlich noch gemieden werden sollten – wie lange wir alle noch im Home Office sitzen, und soziale Kontakte meiden müssen? Das lässt sich hier und heute wahrscheinlich noch von keinem sagen.