Wer E-Auto fährt, ist auf gute Ladeinfrastruktur angewiesen. Doch an tausenden Ladesäulen herrscht Abrechnungschaos. Der Grund ist bekannt, dass der Misstand nicht behoben wird, spricht Bände. Leidtragende sind die E-Auto-Fahrer, die durch nicht geeichte Ladesäulen extra zahlen.

An Schnellladesäulen: E-Auto-Fahrer zahlen mehr als nötig

Tausende Ladesäulen in Deutschland sind illegal. Doch Automobil- und Energiebranche sowie der Staat schauen weg. Dabei kann sich das Chaos an der Ladesäule bei jedem Ladevorgang des neuen E-Autos negativ auf den Preis auswirken. Die einzige Alternative hieße aber, die Ladeinfrastruktur viel langsamer aufzubauen.

Grund für die Probleme: Viele Schnellladesäulen sind nicht unabhängig geeicht. Eigentlich dürfte die Abweichung zwischen der bezahlten Strommenge und der tatsächlich geladenen Energie nur 1 Prozent betragen. Doch von so einer geringen Fehlertoleranz können viele Anbieter bisher nur träumen (Quelle: Handelsblatt).

Es bräuchte dafür genauere Stromzähler, als bisher gerade bei Schnellladesäulen verbaut sind. Serienmäßig gesetzmäßige Schnellladesäulen sind in Deutschland derzeit nur vier Anbietern offiziell bestätigt: ABB, Porsche, Compleo und Alpitronic. Alle anderen Anbieter wie EnBW, Ionity oder Tesla entsprechen  nicht dem gesetzlichen Standard.

Nicht geladener Strom wird teuer

Das Problem: Tanken E-Auto-Fahrer an einer nicht geeichten Säule, können sie kaum sicher sein, wie viel des bezahlten Stroms tatsächlich beim Akku des Fahrzeugs ankommt. Ladeverluste seien nicht zu vermeiden, erklären mehrere Hersteller der Wirtschaftszeitung dazu auf Nachfrage. Aber die Eichung garantiert, dass nur das bezahlt wird, was das E-Auto tatsächlich lädt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) erklärt, dass je nach Bundesland zwischen ein Drittel und einem Viertel der Ladesäulen nicht geeicht ist. Am Beispiel ABB wird klar, dass auf die Hersteller Arbeit zukommt. Seit einigen Monaten gelten deren Produkte als gesetzeskonform. Alle vorher aufgestellten, rund 2.000 Schnellladesäulen müssen nachgerüstet werden.

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Doch es gibt keine Eile, denn die staatliche Prüfung drückt beide Augen zu – zugunsten des schnellen Aufbaus der Ladeinfrastruktur. Wenn man von Beginn an auf geeichten (Schnell-)Ladesäulen bestehe, „würde die Ladeinfrastruktur in Deutschland zusammenbrechen“, so Thomas Schade vom Bayrischen Landesamt für Maß und Gewicht.

Die Hoffnung sei, dass bis Mitte 2022 alle Schnellladesäulen nachgerüstet oder ersetzt werden. Bis es soweit ist, empfiehlt das BMWi Preisnachlässe oder sogar Strom umsonst an betroffenen Säulen abzugeben. Das fordert auch der Verbraucherzentrale Bundesverband, nur in wenigen Ausnahmen geht man aber tatsächlich so vor. Zwar fahren E-Autos konkurrenzlos günstig, doch die Rechnung für das Vorgehen tragen am Ende die E-Auto-Fahrer – immerhin können sie aber überhaupt laden.