Wer sich heutzutage ein modernes, schickes, smartes Elektroauto zulegt, bekommt in aller Regel eins mit dazu: ein Versprechen. Ein Versprechen für Software-Updates, ein Versprechen, dass der Hersteller künftig Veränderungen im Betriebssystem einspielen wird, wenn nötig. Bin ich der einzige, dem diese Update-Mentalität gegen den Strich geht?

Over-the-Air-Updates, so lautet das Stichwort, das aktuell neben E-Antrieben und autonomen Fahren die Automobilwelt bewegt. Was damit gemeint ist: Moderne Autos sind online mit dem Hersteller verbunden, der „durch die Luft“ Updates verteilen kann – nette Idee, schließlich braucht man bei kleineren Macken dann nicht in die Vertragswerkstatt. Aber die Online-Updates im Auto kann man mir nicht einfach so schmackhaft machen – und das hat vor allem zwei Gründe.

Grund 1: Ich hätte gerne ein fertiges Auto

Ich weiß, die Sorgfalt der Hersteller dürfte aller Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass Autos erst auf den Markt gebracht werden, wenn auch die Software ausgereift ist. Das versichert etwa VW in den Unterlagen zum jüngsten Innovation Talk. Bugfixes gehören demnach auch dazu, kein Unternehmen könne Software-Bugs vollständig ausschließen.

Trotzdem, das Update-Versprechen vorweg hat den schalen Beigeschmack von Unfertigem. Mit halb gekochten Frühstückseiern habe ich es auch nicht sonderlich. Geht es um neuerschienene Android-Smartphones oder die Installation des neuesten macOS auf dem MacBook gilt auch die Faustregel: Besser erstmal abwarten, bis die ersten Wehwehchen sich gelegt haben, die Fixes bereitstehen und zeigen, dass sie wirken.

So werde ich es wohl in Zukunft auch beim Autokauf halten. Mit den Kinderkrankheiten will ich mich nicht rumärgern. Darum sage ich: Danke, nein! Wichtig anzumerken: Nicht nur E-Autos stehen vor diesem Problem. Software ist längst integraler Bestandteil vieler Fahrzeuge, Oldtimer einmal ausgenommen. Ihnen gegenüber ist es ein Vorteil, nicht zur Reparatur zu müssen, damit jemand mal eben frischen Code einspielt. Und der frische Code begleitet uns zu meinem zweiten Kritikpunkt:

Grund 2: Ich will mir keine Abos von Autoherstellern aufschwatzen lassen

Abos, Abos, überall Abos, begleitet von Laufzeitverträgen, Nutzungsgebühren, etc. Nicht mehr lang und auch die Autohersteller werden im großen Stil das Geschäftsmodell Abonnement für sich entdecken. Begonnen hat es bereits bei Ford, VW hat seine Pläne ebenfalls schon angekündigt. Alle Folgen sie dabei Tesla, denn nicht erst seit Bitcoin wissen wir: Wo Elon Musk hingeht, dahin gehen praktisch alle – und für manche gibt es dort Geld zu verdienen.

So werden es auch andere Autobauer halten: Die notwendigen Verbesserungen am Betriebssystem werden Autobesitzer kostenlos erhalten, davon ist auszugehen. Für alles andere, was man zu Geld machen kann, werden Kosten auf uns zukommen. Weitergehende Fahrassistenzsysteme etwa oder Multimedia-Angebote für die Pause, spezielle Software-Bundles für mehr Reichweite im E-Auto oder mehr Leistung – alles schon in Planung.

Dass jede Menge Software in aktuellen E-Autos steckt, ist Fakt. Im Video findet ihr hingegen fünf Irrtümer über Elektroautos, die so nicht stimmen:

5 Irrtümer über Elektroautos

Dafür werden die Autos vor dem Verkauf – man muss es leider so drastisch sagen – künstlich verkrüppelt. Denn alles, was man per Software over the air freischalten lassen kann, ist bereits im Auto verbaut. Nur nutzen kann man es nicht, ohne drauf zu zahlen. Ein Sportwagen mit angezogener virtueller Handbremse – mir vergeht bei dem Gedanken der Spaß.

Nicht zuletzt, wenn ich mir die Kosten dafür vorstelle. Mag sein, dass ich hier die Ausnahme bin. Aber ich habe gerne geringe monatliche Fixkosten. Ein Auto im Abonnement bezahlen und für (fast) jedes Extra wird der Monatspreis etwas hochgeschraubt? Ich sage: Danke, nein!

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