Nach Boykott: Blizzard reagiert auf Shitstorm und mildert Strafe für betroffenen Spieler

Daniel Nawrat 1

#BoycottBlizzard stürmt Twitter, Fans drehen den Hahn für ihr World-of-Warcraft-Abo zu oder deinstallieren gleich den gesamten Battle.net-Launcher. Seitdem ein chinesischer Hearthstone-Spieler wegen einer politischen Äußerung gebannt wurde, gehen viele Spieler auf die Barrikaden. Jetzt reagiert Blizzard und mildert den Bann.

Nach Boykott: Blizzard reagiert auf Shitstorm und mildert Strafe für betroffenen Spieler

Müssen Profispieler unpolitisch sein? Oder dürfen sie ihre politische Meinung in einem offiziellen Stream äußern? Nachdem Hearthstone-Profispieler Blitzchung während eines öffentlichen Turniers Freiheit für Hongkong forderte, wurde er von Blizzard gebannt. Auch sein Preisgeld sollte er nach seinem Sieg nicht erhalten. Seit Tagen gehen Fans aus der Community, Spieler und Blizzard-Angestellte auf die Barrikaden, boykottieren den Entwickler mit dem Hashtag #BoycottBlizzard auf Twitter und kündigen ihre WoW-Abonnements.

Zu recht? Die Community beschuldigt Blizzard und Activision, ihre Beziehungen zu China habe die Entscheidung beeinflusst. Blizzard antwortete mit einem Statement und erklärt, der Bann sowie die Strafe für Blitzchung hätten nichts mit Unternehmenspolitik zutun, sondern liegen allein einer Regelverletzung zugrunde: Keine politischen Äußerungen während offizieller Streams und Turniere. Im selben Atemzug gesteht Blizzard dem Profispieler doch noch sein Preisgeld zu und mildert den Bann auf 6 Monate.

Blitzchung hat sich inzwischen zu Wort gemeldet und akzeptiert die geminderte Strafe:

Blizzard hat mir mitgeteilt, dass es ihrer Meinung nach nicht um den Preis geht, sondern darum, dass es für einige respektlos sein könnte, das Thema überhaupt anzuschneiden. Die Leute von Blizzard haben mir das über einen Anruf erklärt und ich schätze das wirklich sehr und akzeptiere ihre Entscheidung.

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Die Entstehungsgeschichte von World of Warcraft.

Update vom 14 Oktober, 12.34

Boykott gegen Blizzard und Activison: Das steckt hinter dem Shitstorm

Der Spielerschaft scheint es überhaupt nicht zu schmecken, dass Blizzard den Profispieler Blitzchung wegen seiner Aussage zu den Protesten in Hongkong gesperrt hat. Dies zeigt sich vor allem auf reddit – zeitweise war dort das Blizzard Subreddit auf privat gestellt, wie Eurogamer berichtete. Inzwischen scheint die Umstellung aber wieder rückgängig gemacht worden zu sein.

Viele Fans sind derartig verärgert, dass sie zum Boykott sämtlicher Spiele aus dem Hause Blizzard und Activision aufrufen. Glaubt man den zahlreichen Posts im Hearthstone Subreddit, so haben bereits viele damit begonnen und ziehen außerdem im großen Stil über das Unternehmen her.

Zahlreiche Spieler kündigen ihre World of Warcraft-Abonnements und deinstallieren den Battle.net-Launcher. Andere haben ihren Account gleich vollständig gelöscht – oder es zumindest versucht, denn offenbar verhindert Blizzard aktuell das Löschen von Konten, indem sämtliche Authenticator deaktiviert wurden. Einem Bericht von Polygon zufolge sei das Löschen des eigene Account mittlerweile wieder möglich.

Auch Kartenspiellegende Brian Kibler, der in den vergangenen Jahren als Kommentator der Grandmaster-Turniere zuständig war, hat seine Zusammenarbeit mit Blizzard aus Protest beendet.

Blizzard hat inzwischen ein Statement veröffentlicht, in dem das Unternehmen Bezug auf das negative Feedback nimmt und auch die ausgestellten Banns nachträglich reduziert. Auf die miese Stimmung in der Community hatte die Stellungnahme bislang jedoch kaum einen positiven Effekt, im Gegenteil.

Es geht aber auch anders. So haben die Entwickler von Gods Unchained, einem weiteren digitalen Kartenspiel, dem gesperrten Spieler ein äußerst attraktives Angebot unterbreitet:

In besagtem Tweet bieten sie Blitzchung nämlich an, dass sie für alle seine Verluste der Preisgelder aufkommen würden. Als wäre das nicht genug, haben sie ihn zusätzlich zu ihrem eigenen Turnier eingeladen. Dort besteht ebenfalls die Chance, 500.000 Dollar zu gewinnen! Es bleibt also definitiv spannend abzuwarten, wie sich die Situation weiterhin entwickelt.

Das steckt hinter dem Boykott gegen Blizzard und Activison

Anfang Oktober fanden in Taipei die Hearthstone Grandmasters Asien-Pazifik statt. Dort trifft die Elite aus Hearthstone aufeinander und kämpft um eine Chance auf die Teilnahme an den Global Finals. In diesem Finale treten gegen Ende des Jahres dann die zwei besten Spieler der jeweiligen Regionen gegeneinander an und wetteifern um ein Preisgeld in Höhe von 500.000 Dollar.

Der Hearthstone-Profi blitzchung, mit bürgerlichem Namen Wai Chung Ng, ist am Ende seines Matches im Interview mit einer Maske aufgetreten und hat „Befreit Hong Kong. Revolution unseres Zeitalters!“ gerufen, wie Kotaku berichtet. Damit spielt er auf die aktuelle politische Lage in der Stadt und die dort seit Monaten stattfindenden Proteste an. Daher auch die Maske, da diese inzwischen zum Symbol der Proteste geworden ist.

Im folgenden Tweet seht ihr was genau während des Interviews passiert ist:

Kurz nach dem Ereignis hat Blizzard ein offizielles Statement veröffentlicht. Dort äußern sie sich sehr deutlich zu dem Vorfall und verweisen insbesondere auf das Regelwerk der Hearthstone Grandmasters. Auf Seite 12, Absatz 6.1 (o) heißt es dort:

Engaging in any act that, in Blizzard’s sole discretion, brings you into public disrepute, offends a portion or group of the public, or otherwise damage’s Blizzard image will result in removal from Grandmasters and reduction of the player’s prize total to $0 USD, in addition to other remedies which may be provided for under the Handbook and Blizzard’s Website Terms.

Übersetzt bedeutet das also folgendes: Jegliches Verhalten, das beispielsweise ein öffentliches Ärgernis nach sich zieht oder das Image von Blizzard schädigt, in einem sofortigen Ausschluss von den Hearthstone Grandmasters resultiert. Zusätzlich werden sämtliche Preisgelder gestrichen. Je nach Ausmaß der Tat, können außerdem weitere Strafen folgen.

Update: Inzwischen hat Blizzard ein Statement veröffentlicht, um auf das negative Feedback der Community zu reagieren. Das Unternehmen gibt bekannt, dass die gestrichenen Preisgelder doch noch ausgezahlt werden und der Bann der betroffenen Personen auf sechs Monate reduziert wird.

Skandale und Boykottaufrufe in der Gaming-Welt gibt es nicht erst sei 2019:

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Die größten Shitstorms und Skandale 2017.

In diesem Fall scheint Blizzard diesen Vorfall sehr ernst genommen zu haben, da sie ihn zusätzlich für ein weiteres Jahr von allen stattfindenden Turnieren gesperrt haben – genauer gesagt bis zum 5. Oktober 2020. Blizzards eigener Aussage nach nehmen sie die Turnierregeln sehr ernst, zumal es sich um die höchste Stufe der kompetitiven Hearthstone-Szene handelt.

Nicht nur Spieler kritisieren Blizzard

Der Vorwurf gegen Activison Blizzard, dem Unternehmen sei der chinesische Markt wichtiger als das Recht auf freie Meinungsäußerung, wird auch von einigen Mitarbeitern des Unternehmens geteilt. So haben einige Angestellte von Blizzard aus Protest zwei der acht Core Values vor dem Gebäude des Unternehmens verdeckt.

Konkret handelt es sich um die Inschriften „Every Voice Matters“ sowie „Thinkg Globally“ - also jenen Werten, denen Blizzard aus Sicht vieler Kritiker in der aktuellen Situation nicht gerecht wird.

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