Inzwischen sind sie ein fester Teil des Stadtbilds in Deutschland: E-Scooter und E-Bikes haben in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Ob gerade jemand auf dem Rad vorbeischießt oder elektrische Scooter in der Gegend herumstehen, beide sind praktisch allgegenwärtig. Darum braucht es Regeln, wie mit den neuen E-Fahrzeugen umzugehen ist.

E-Scooter und E-Bikes regulieren: Singapur macht vor, wie es geht

Nicht nur im Umgang mit der Corona-Pandemie, auch bei der Regulierung von E-Scootern und E-Bikes – manchmal lohnt ein Blick in die Ferne, um zu sehen wie Dinge anderswo gehandhabt werden. Wie beim Coronavirus werden wir auch für die elektrischen Kleinstfahrzeuge in Asien fündig: Im Sommer plant der Stadtstaat Singapur, eine Art Führerschein für S-Pedelecs (E-Bikes mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit) und elektrische Roller einzuführen. Ich ziehe schon mal vorsorglich meinen Hut.

Wegen rasant angestiegener Unfallzahlen mit Verletzten und Toten, die im Zusammenhang mit den neuartigen Gefährten stehen, soll Regulierung her. Das hat die Regierung Singapurs entschieden, berichtet das Portal eFahrer. Ab dem Sommer soll demnach ein Online-Test verpflichtend sein. Darin werde das Wissen zu drei Bereichen abgefragt, per Multiple-Choice-Fragebogen: Es gehe um allgemeine Infos zu E-Bikes und E-Scootern, Vorschriften zu deren Nutzung im öffentlichen Raum und um Verhaltensrichtlinien zum Betrieb der Fahrzeuge.

Mein Wunsch: Ein Führerschein für E-Scooter auch in Deutschland

Ich sage: Das ist genau richtig. Wir sollten uns in Deutschland eine Scheibe davon abschneiden. Man braucht nicht erst auf Unfallstatistiken wie die des ADAC zu schauen, um zu erkennen, dass E-Scooter und E-Bikes ein erhebliches Gefahrenpotenzial bergen. Wer in einer größeren Stadt lebt, braucht nur offenen Auges durch die Gegend bummeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass man jemanden vorbeidonnern sieht, ist groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dabei an Straßenverkehrsregeln oder auch nur allgemeine Rücksichtnahme gehalten wird, ist leider eher gering.

Bei E-Bikes ist die Situation meiner Erfahrung nicht ganz so ernst, noch nicht. Trotzdem könnte es nicht schaden, wenn man auch hier hin und wieder überprüft, ob die Fahrer in der Lage sind, mit der Geschwindigkeit von modernen E-Bikes umzugehen.

Es bräuchte meiner Meinung nach gesetzliche Regeln für die Nutzung, die weit über ein Mindestalter hinausgehen. Mindestens aber sollte eine Aufklärung über die Risiken sowie die Straßenverkehrsordnung (StVo) Pflicht sein. Denn längst nicht jeder, der oder die auf einem E-Scooter herumfährt, ist so alt, dass man schonmal einen Blick in die StVo werfen musste.

Gesetzgeber und Anbieter in die Pflicht nehmen

Wie der ADAC schreibt, ist außerdem oft Alkohol bei Unfällen mit den Scootern im Spiel. Für mich wenig überraschend. Es sollte verboten sein, E-Scooter zu fahren, wenn man so viel getrunken hat, dass man auch nicht mehr am Steuer eines Autos sitzen dürfte. Zu zweit zu fahren ist übrigens bereits nicht erlaubt.

Es wäre klug, den Gesetzgeber in die Pflicht zu nehmen. Um einem weiteren Problem Abhilfe zu schaffen, müssen die E-Scooter-Anbieter mit ins Boot geholt werden. Denn die elektrischen Roller werden auch stehend zur Gefahr, weil viele Fahrer sie überall stehen lassen, wo ihnen gerade danach ist – mitten auf dem Radweg zum Beispiel, wo der nächste E-Bike-Fahrer nicht mehr rechtzeitig ausweichen kann. Wer das tut, sollte sein Konto eine Zeit nicht mehr nutzen dürfen.

Auf den Umweltaspekt, wenn die batteriebetriebenen Scooter zuhauf in Bäumen und Flüssen landen, gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein. Doch auch daran sieht man, dass es mindestens eine Pflicht geben muss für eine Art „E-Scooter-Etikette“, zum Beispiel nach dem Vorbild der Fahrrad-Plakette, die wir früher in der Grundschule gemacht haben.

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