Das Spiel Gamer Girl will Aufmerksamkeit für die Probleme von Streamerinnen mit Belästigungen und Drohungen schaffen, wird aber im Netz stark kritisiert und steht für viele genau für das Gegenteil.

 

Videospielkultur

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Gamer Girl sollte ein Full Motion Videogame werden, also ein Spiel aus Szenen mit realen Schauspielern deren Handlungen der Spieler durch Entscheidungen beeinflusst. Vor kurzer Zeit noch für September 2020 auf den Plattformen PS4, Xbox One, Nintendo Switch und PC angekündigt, zog der Entwickler den Trailer nun zurück.

Das Spiel muss im Netz viel Kritik einstecken und wird gerade von Streamerinnen deutlich abgelehnt.

Worum geht es in Gamer Girl?

In Gamer Girl übernimmt der Spieler die Rolle des Moderators des Streaming-Kanals der Protagonistin Abicake99. Er moderiert aber nicht nur den Chat, sondern trifft auch diverse Entscheidungen für sie. Ziel des Spiels ist es nicht nur Abi zu einer erfolgreichen Streamerin zu machen, sondern sie auch vor einem Stalker zu beschützen und genau da liegt das Hauptproblem. Obendrauf kommt noch eine verschwundene Freundin namens Becky und düstere Szenen bei der Suche nach ihr, alles im Found-Footage-Stil.

Der Trailer wurde mittlerweile vom Entwickler entfernt, ist aber nach wie vor im Netz zu finden.

Was macht das Spiel falsch?

Nach Release des Trailers melden sich viele Streamerinnen mit Kritik zu Wort und die klischeehafte Darstellung von Abi. Pokimane findet es nicht richtig das Spiel mit Gamer Girl zu betiteln und dann gerade ein Mal zwei Sekunden zu zeigen, in denen etwas gespielt wird.

Streamerin Melody weißt darauf hin, dass die Geschehnisse in Gamer Girl tatsächlich Frauen passieren und sich deswegen nicht für so ein Spiel eignen.

 Für diese Twitter-Nutzerin kann das nur ein Spiel sein, das sich Männer ausgedacht haben.

Hier sei jedoch erwähnt, dass Gamer Girl von der Abi-Darstellerin Alexandra Burton mitgeschrieben wurde.

Das Kernproblem des Spiels ist jedoch, dass versucht wird Aufmerksamkeit für die Belästigungen (und Schlimmeres) zu schaffen, die Streamerinnen erleiden müssen und dabei ein Spiel kreiert wurde, das genau darin sein Hauptmerkmal findet. Der Spieler hat die Kontrolle über die Streamerin, er hat die Macht, Entscheidungen für sie zu treffen, die nichts mehr mit den Aufgaben eines Chat-Moderators zu tun haben und der Spieler ist ihr Beschützer.

Einige Streamerinnen haben mit solchen Beschützen im echten Leben zu kämpfen, ein Spiel, das genau da sein Thema findet, kommt daher nicht so gut an.

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Machtverhältnisse

Durch die Videospielwelt ging in den letzten Wochen eine „metoo“-Bewegung mit einer Wichtigkeit, die kaum in Worte zu fassen ist. Seien es nun Streamer, denen sexuelle Belästigungen oder sogar Vergewaltigung vorgeworfen oder der systematische Sexismus, der ein Jahrzehnt lang bei Ubisoft herrschte. Alle diese erschreckenden Geschichten haben eins gemeinsam: Es ging immer um Machtverhältnisse. Oder, um es auf den Punkt zu bringen, um Männer die Macht über Frauen ausübten.

In einem Spiel, welches das Thema in einem lehrreichen Aspekt behandeln wollte, genau diese Machtverhältnisse zum Kern des Spiels zu machen, stieß natürlich auf breite Ablehnung.

Die Intention des Spiels mag gut(gläubig) gewesen sein und es sollte keine machohafte Männerfantasie werden, doch irgendwie wurde Gamer Girl alles, was ein Spiel über Streamerinnen nichts sein sollte.

 

Daniel Hartmann
Daniel Hartmann, GIGA-Experte für FPS, E-Sport, Streaming-Kultur und Mass Effect.

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