„Gay Boys“ – Homosexuelle WoW-Gilde musste ihren Namen ändern

Marina Hänsel 13

Sie nannten ihre World-of-Warcraft-Gilde „Gay Boys“, ehe homophobe Kommentare eintrudelten und den Titel als unpassend meldeten. Blizzard reagierte mit einer automatischen Namensänderung, die „Gay Boys“ in „Gilde ZFXPX“ umbenannte.

In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Ohne Frage in einem, das auf automatische Prozesse und Algorithmen setzt, wenn es um die Regulation von Namen und Titeln in Online-Spielen- und -Communities geht. Das zumindest hat Blizzard in einem unschönen Szenario bewiesen, bei dem der Titel einer WoW-Gilde aufgrund von homophoben Meldungen automatisch geändert wurde.

„Gay Boys“ nannte sich die World-of-Warcraft-Gilde eigentlich, bis sich der Titel letzten Mittwoch plötzlich in die zufällige Buchstabenfolge „ZFXPX“ wandelte. Warum? Weil genug Meldungen eingegangen waren, die den Namen als unpassend deklarierten. Unpassend sind dabei einzig jene Nachrichten, die konstant in Gay-Boys-Mitglied Ahmil Jilanis Chat-Box fließen – wie er Arstechnica berichtet:

„Seht ihr euch meine Chat-Logs an, würdet ihr mehrere Nachrichten von Personen sehen, die uns über unseren Rekrutierungs-Prozess kontaktieren können – mit Nachrichten wie, ‚Zur Hölle mit den Schwulen, das werde ich melden‘, neben anderen extrem hassvollen und diskriminierenden Kommentaren. Das sind die Leute, die uns melden.“

Dass es sich nur um einen automatischen Prozess handelt, hat Blizzard mittlerweile gegenüber Jilanis und den anderen Mitgliedern der Gay-Boys-Gilde bestätigt: Inzwischen hängt der richtige Name wieder über dem Gildenhaus, allerdings weist Blizzard daraufhin, dass etwas derartiges noch einmal vorkommen könnte. Sie seien nicht in der Lage, die Leute davon abzuhalten, den Namen zu melden. Ihr Kommentar an die Gay-Boys-Gruppe:

Es gibt keinen Weg, die Leute daran zu hindern, den Namen zu melden – da ihn einige, so, wie er benutzt wird, als beleidigend empfinden. Falls ihr erneut abgestraft werdet, könnt ihr euch wieder an uns wenden, und wir schauen uns den Fall noch einmal an.“

Gibt es also generell keine Möglichkeit seitens Blizzard, hassvolle und diskriminierende Angriffe dieser Art zu verhindern? Fragwürdig ist auch das Kommentar eines WoW-Forum-Moderators, der 2016 auf dasselbe Problem reagiert hatte – schon damals gab es eine Gay-Boys-Gilde, deren Namen geändert wurde:

„Es wäre sehr viel vorteilhafter, wenn ihr euch einen Namen heraussucht, mit dem ihr euch identifizieren könnt – und das ohne Worte zu benutzen, die andere Spieler zu unerlaubten Reaktionen verleitet. Vielleicht etwas historisches, wie eine ‚Stonewall‘-Referenz. Das könnte in das Genre des Spiels passen und dennoch als ein Kennzeichen für die LGBTQI-Kultur agieren.“

Anstatt gegen Diskriminierung im Spiel vorzugehen, sollen sich betroffene Spieler also lieber hinter historischen Referenzen verstecken? Hoffentlich hat das heutige Blizzard eine bessere Lösung parat – auch, wenn es gerade nicht danach aussieht: Die Gay-Boys-Gilde von jetzt hat ihren Namen im Spiel zwar wieder und will ihn auch behalten, aber für wie lange?

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Meinung von Redakteurin Marina: „Ernsthaft: In welchem Jahrhundert leben wir?“

 „Es ist wohl eine diskutable Frage, ob ‚Gay Boys‘ nicht auch so als Titel in das Genre des Spiels passen würde. Regelrecht fraglich ist jedoch, ob LGBTQI-Mitglieder sich tatsächlich hinter weniger offensichtlichen historischen Referenzen verstecken müssen, um Hass und Diskriminierung im Spiel zu entgehen. Wäre es nicht vielmehr Blizzards Aufgabe, gegen eben jenen Hass und jene Diskriminierung vorzugehen? Wie schwer kann es sein, den Titel der Gilde in diesem Fall zu verifizieren, sodass er nicht mehr gemeldet werden kann? Ist ja nicht so, dass der Name plötzlich nicht mehr den Regelungen von World of Warcraft entspricht, wenn er das nächste Mal gemeldet wird.
Blizzard sollte ohne Frage eine Lösung für derartige Probleme finden, und keine, die sich an unschuldige Spieler wendet – mit der Aufforderung, völlig normale Begriffe wie ‚gay‘ oder ‚schwul‘ am besten gar nicht mehr zu benutzen.“

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