Der Videospiel-Streamingdienst Google Stadia steht in den Startlöchern. Und er ist hungrig. Sehr hungrig. Datenhungrig, um genau zu sein. Gerade in Deutschland könnte das zum Problem werden ...

 

Google Stadia

Facts 

Google Stadia soll einen Gaming-PC oder eine Konsole komplett überflüssig machen. Die Spiele werden komplett gestreamt, die Rechenleistung übernimmt ein Server irgendwo anders, dem heiligen Internet sei Dank! Hier in Deutschland könnte das aber auch gleichzeitig der Fallstrick des Streamingdienstes sein. Schließlich haben wir es in Deutschland nicht so mit unserer Digitalen Infrastruktur. Selbst in Ballungsgebieten wie Berlin oder Frankfurt scheint das Internet teilweise aus dem Gartenschlauch zu kommen.

Als ich nach Berlin Mitte gezogen bin, habe ich etwas anderes erwartet als eine instabile Bambusleitung mit unterwältigendem Schneckentempo. In den ländlicheren Regionen sieht es teilweise genauso schlecht aus, wenn nicht sogar noch schlimmer. Erst recht, wenn man sich in Ermangelung von Alternativen auf einen einzigen Anbieter verlassen muss ... i am looking at you, Deutsche Telekom!

Bis zu 119 MB pro Minute – ja geil!

Um eine 4K-Auflösung in flüssigen 60 FPS auf euren Bildschirm zu zaubern, braucht Stadia ordentlich Bandbreite. Der Anbieter empfiehlt einen Internetanschluss mit einer Geschwindigkeit von mindestens 25 MBit/s ... uff. Dabei ist bei der Geschwindigkeit noch nicht mal eine 4K-Auflösung drin. Bis zu 20 Gigabyte pro Stunde soll der Datenvampir aus eurer Leitung nuckeln – wenn sie es her gibt. Die Mindestanforderungen liegen bei „nur“ 4,5 Gigabyte pro Stunde. Google Stadia verspricht, dass das Spiel dafür durchweg flüssig dargestellt werden soll. Nur eben in angepasster Grafik.

Red Dead Redemption 2 ist alles andere als ressourcenschonend.

Ein Redakteur von Venturebeat spielte bei einem Test von Stadia auf seinem Smartphone Red Dead Redemption 2 mit einer Auflösung von 1080p. Die nötigen Anforderungen für 4K konnte seine private Internetleitung nicht bieten. Das Ergebnis dieses Tests: Ganze 119 Megabyte pro Minute verbrauchte das Spiel. Hochgerechnet mit einer angenommenen Spielzeit von 47 Stunden, um das ganze Spiel durch zu zocken ergibt sich somit ein Wert von knapp 335 Gigabyte.

335 Gigabyte. Jawoll! Das sind ein Verbrauch von mehr als 7 Gigabyte pro Stunde. Solltet ihr einen Internetvertrag mit Datenlimit haben, könntet ihr dieses mittels Stadia spielend leicht ausreizen. Eines muss man dem Dienst allerdings zu Gute halten: Bei uns im Test hielt Google Stadia das Versprechen von einem durchweg flüssigen Spielerlebnis.

Die Schuld liegt nicht bei Stadia

Natürlich nicht, warum auch? Wenn wir Top-Spiele flüssig in Top-Auflösung spielen wollen, dann ist mit solchen Datenmengen eben zu rechnen. Das Problem ist der deutsche Netzausbau. Solange der nicht vorangetrieben wird, haben viele mögliche Stadia-Nutzer ein Problem. Neben den Kosten für das Stadia-Abo selbst, den Spielen und dem Controller und gegebenenfalls dem Chromecast Ultra kommen also noch Kosten für eine stabile Internetleitung hinzu, sollte letztere überhaupt vorhanden sein.

Unter diesen Gesichtspunkten wird es für Googles aktuelles Gaming-Projekt wohl sehr schwer werden, am deutschen Markt zu bestehen. Stadia soll eben die Hardware ersetzen, die viele schon bei sich zuhause stehen haben. Auch wenn der Dienst schneller als ein Gaming-PC sein will, ist ein schlechter Internetanschluss eben doch ein dicker Stolperstein auf dem Weg in den Gaming-Markt.

Es bleibt also abzuwarten, wer das Rennen machen wird. Entweder „gewinnt“ Stadia mit wachsenden Datenfluten, die für ein flüssiges Spielerlebnis durch unsere Leitungen zucken müssen, oder die digitale Infrastruktur Deutschlands, welche irgendwann aufholt und nicht mehr hinter anderen Ländern her kriecht. Eine Entwicklung, die wir definitiv im Auge behalten werden.