TikTok hat einen neuen Star: Der einzigartige Horrorfilm Skinamarink geht gerade viral in den sozialen Medien, allen voran TikTok. Doch was ist an dem US-amerikanischen Horrorfilm so besonders? Wir erklären es euch.

 
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Was genau ist Skinamarink und warum spricht jeder darüber? TikTok wird überschwemmt von Zuschauerberichten, die den brandneuen Horrorfilm in höchsten Tönen loben (Quelle: TikTok), während das Horror-Forum von Reddit einen eigenen Thread zum Thema Skinamarink angepinnt hat (Quelle: Reddit). Der Horrorfilm ist wie eine Rakete aus dem Boden geschossen und das als Debütfilm des vorher unbekannten Regisseurs Kyle Edward Ball.

Ball hat den Film komplett im Haus seiner Eltern gedreht, für einen geringen Betrag von etwa 15.000 US-Dollar. Die einzigen Schauspieler sind zwei Kinder, die kaum zu sehen sind. Überhaupt zeigt Skinamarink keine Gesichter, folgt einer marginalen Story und ist derart dunkel, dass ihr ihn wirklich im Dunkeln sehen müsst, um etwas zu erkennen.

Der Titel Skinamarink verweist auf einen Kinderreim, der nichts bedeutet, und kann auf einen Song aus den 70ern zurückverfolgt werden – auch dessen Verse haben keine Bedeutung, abgesehen davon, dass jede Liedzeile mit „I love you.“ endet.

Na, seid ihr schon ein bisschen verstört?

„Skinamarink ist eine Erfahrung.“ – jackharbonbooks auf TikTok

Skinamarink folgt einem vierjährigen Jungen, der sich zu Hause verletzt – und einzig seine sechsjährige Schwester ist da, um es mitzubekommen. Ihre Eltern sind nicht anwesend und Türen sowie Fenster sind ebenfalls verschwunden. Im Groben ist das die Geschichte, obwohl natürlich noch Dinge passieren, die ich hier nicht spoilern will.

Ihr könnt euch anhand des Trailers ausmalen, wie Skinamarink funktioniert:

Skinamarink: Offizieller Trailer

Aber Balls Film setzt auch nicht auf Story: Die beinahe konstant starre Kamera zeigt die dunklen Räume des Hauses stets aus Winkeln und Ecken heraus; oft befindet sich die Kamera einfach nur auf dem Boden. Das Haus ist dunkel und die Kamera starrt in die Schatten, wobei ihr die beiden Kinder nur von hinten oder von der Seite seht. Ihre Gesichter sind abgewandt.

Nutzerin jackharbonbooks über Skinamarink auf TikTok:

Balls Film läuft als „Liminal Space“ zu Höchstform auf. Das Sub-Genre der Horrorkultur beschäftigt sich mit menschengemachten und doch menschenleeren Räumen – leere Schulgebäude, leere Einkaufshallen, leere U-Bahn-Stationen. Es zeigt Räume, die sich unwirklich und unheimlich anfühlen, weil sie gleichsam bekannt sind, aber durch ihre Leere unbekannt werden. Ein Auswuchs des Genres sind die Backroom-Spiele – Indie-Horrorspiele, die sich alle mit leeren Hinterräumen beschäftigen, in welche Menschen fallen können (wie etwa The Complex: Found Footage auf Steam).

Balls betrieb vor Skinamarinks Erfolg einen YouTube-Channel, auf dem er die Albträume von Fans als Kurzfilme umsetzte. Hier kam auch die Idee für Skinamarink (Quelle: Balls YouTube-Channel). Das Internet, mit seinen Creepy-Pastas und experimentellen Horrorkreationen, hatte also durchaus direkten Einfluss auf die Entstehung von Skinamarink.

Bei Skinamarink scheiden sich die Geister – wie bei Blair Witch Project

Ihr müsst Blair Witch Project nicht mögen, um anzuerkennen, dass dieser Film das Horrorgenre geprägt hat. Tatsächlich scheiden sich bei vielen späteren Klassikern die Geister, und Skinamarink ist da nicht anders: Dieser Film setzt vollkommen auf Atmosphäre und die Vorstellungskraft des Zuschauers; ebenfalls wie Blair Witch Project stets davon gelebt hat, eben nicht das zu zeigen, was den Menschen im Wald Angst gemacht hat.

Es ist eine einfache, aber effektive Rechnung: Sobald man das Monster sieht, kann man es einordnen und die Angst schwindet. Monsterhorror spielt damit und findet andere Dinge, die Angst auslösen – wie etwa Gewalt, Schockmomente und jede Menge Ekel. Das ist das Gegenteil von dem, was Skinamarink macht und womöglich ist der Film einzig deshalb so besonders, weil er sich extrem und einseitig auf die Atmosphäre fokussiert.

Kurz gesagt: Nicht jeder wird Skinamarink mögen. Schon jetzt gibt es jede Menge Horrorfans, die den Hype nicht verstehen können. Aber Horror ist subjektiv und Skinamarink ist so oder so eine neue Erfahrung – und zwar womöglich eine, die neue Möglichkeiten im Horrorgenre aufzeigt.

Skinamarink läuft seit dem 13. Januar in den US-amerikanischen Kinos. Wann der Release in Deutschland startet, ist noch ungewiss. Bis jetzt gibt es keine offiziellen Streams, die den Film zeigen.