Iron Harvest: So spielt sich die Eisenernte

Johannes Repp

Am 1. September 2020 soll Iron Harvest erscheinen. Der Hype um das actiongeladene Strategiespiel ist jetzt schon enorm. Ich habe die Alpha-Version angespielt – und bin angetan.

Iron Harvest: So spielt sich die Eisenernte

Explosionen, Kampfgeschrei, Riesige Diesel-Mechs krachen ineinander. Die Atmosphäre von Iron Harvest stimmt schon jetzt. Dabei soll das Spiel des deutschen Entwicklerstudios King Art Games erst in knapp einem Jahr auf den Markt kommen. Ich hatte die Chance, mich ein wenig in der Kickstarter-Alpha auszutoben.

Der polnische Künstler Jakub Różalski hat mit seiner Bilderstrecke 1920+ eine parallele Zeitlinie geschaffen, in dem der polnisch-russische Krieg (1919-1921) mit steampunk-artigen Mechs ausgefochten wird. Auf diesen Kunstwerken basierend entwickelte King Art Games das Echtzeit-Strategiespiel Iron Harvest, das im Frühjahr 2018 die 1,5 Millionen Euro-Marke auf Kickstarter knackte. Das Geld wurde bisher gut investiert, wie es aussieht.

Wer Company of Heros 2 mochte, der wird sich in Iron Harvest extrem wohlfühlen. Das Kampfsystem ist nahezu identisch, allerdings gibt es hier anstatt Panzer und Geländewagen Mechs und Exosuits. Spielbar waren zwei Missionstypen: Challenge und Skirmish (zu deutsch: „Herausforderung“ und „Scharmützel“). Im ersten Modus ist es deine Aufgabe, eine bestimmte Zeit gegen immer stärker werdende Gegnerwellen zu bestehen. Im zweiten musst du Punkte erobern und halten – oder die gegnerische Basis bis auf die Grundmauern niederbrennen. Das ganze ist bislang auf vier detaillierten Karten möglich, die durch ihre Größe und Beschaffenheit immer eine andere Spielstrategie verlangen.

Auf der Karte „Industriegebiet“ führt man in engen Gassen einen erbitterten Häuserkampf, was den taktischen Fokus auf Infanterieeinheiten setzt. Auf der Karte „Grenzfluss“ stehen sich die befeindeten Armeen an zwei Flussufern gegenüber. Hier tendiert man eher dazu, sich mit schwerer Artillerie einzugraben. Zur Auswahl stehen bis jetzt zwei Nationen: Polen und Sachsen (also Deutschland, die englische Bezeichnung im Spiel lautet „Saxony“). Bis zur Fertigstellung des Spiels soll noch Russland als spielbare Partei nachgereicht werden.

Die Mechs nehmen im Spiel eine ganz besondere Rolle ein. Sie sind sehr gut durchdacht und funktionieren nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip. Die kleineren Maschinen sind beweglicher und können gut für schnelle Manöver verwendet werden. Die großen, schweren Metallkolosse sind behäbig in ihrer Fortbewegung, besitzen dafür aber eine gewaltige Zerstörungsmacht. Einige von ihnen haben einen stationären und einen beweglichen Modus. Die gespielte Nation hat ebenfalls einen Einfluss auf die Maschinenauswahl. Während die Polen einen schwer gepanzerten Transport-Mech haben, warten die Deutschen mit der Mörsereinheit „Eisenhans“ auf.

Der Basenbau ist auf ein Minimum beschränkt. Baracken für die Ausbildung von Infanterieeinheiten, eine Werkstatt für unsere eisernen Riesen und ein Hauptquartier – das war’s. Die restlichen Baumöglichkeiten beschränken sich auf kleine Verteidigungsstellungen wie Stacheldraht, Sandsäcke und Bunker. Für Bauarbeiten, Verbesserungen und die Ausbildung von Einheiten werden zwei Rohstoffe benötigt: 
Eisen und Öl. Die Vorkommen dieser Ressourcen sind auf der ganzen Karte verteilt und müssen besetzt und verteidigt werden. Ebenfalls finden sich überall Waffen, die von den Einheiten erobert werden können.

Das Spiel ist schnell und dynamisch, trotzdem merkt man Iron Harvest seinen aktuellen Entwicklungsstand an: Die KI ist unglaublich blöd. Einheiten lassen sich einkreisen, verzichten auf Deckungen oder lassen feindliche Einheiten einfach ungesehen an sich vorüberziehen. Trotzdem hat es der Computer ab und an geschafft, mich auf Trab zu halten. Die Spielmechanik fordert vom Spieler, jede einzelne Einheit seiner recht kleinen Armee im Auge zu behalten.

Umso mehr schmerzt es, wenn durch eine gut platzierte Granate des Gegners fast ein ganzer Trupp ausgelöscht wird. Auch Deckungen sind nicht unzerstörbar: Hat sich eine Handvoll Soldaten gerade noch in einer Fabrikhalle verschanzt, stehen sie einen Kanonendonner später auf einem Trümmerhaufen im Freien. Die zerstörbare Umgebung macht das Spielerlebnis noch immersiver und taktischer.

Das Sound- und Grafikdesign trägt sein Übriges dazu bei. Explosionen und Granateneinschläge sind bombastisch in Szene gesetzt, die Grafik ist hübsch und die Licht- und Schatteneffekte wirken echt. Besonders gut gefällt mir die Option, mit der Kamera sehr nah an das Kampfgeschehen heranzuzoomen. Hierbei kommt die detailverliebte Modellierung der Figuren besonders gut zum Vorschein.

Lust auf noch mehr Strategiespiele? Das hat das Jahr 2020 noch zu bieten!

Alles in Allem bietet Iron Harvest bisher ein rundes Spielerlebnis. Die genannten Kinderkrankheiten sind auf diesem Entwicklungsstand nicht auszuschließen. Sorgen mache ich mir deshalb (noch) nicht, schließlich bleibt dem Studio noch ein Jahr Zeit, die Fehler zu beheben. Besonders gespannt bin ich auf die Kampagne, die Iron Harvest bieten wird. Das frische Setting bietet auf jeden Fall interessante Erzählmöglichkeiten und macht Lust auf mehr.

Iron Harvest wird voraussichtlich im Herbst 2019 für PS4, XBox One und PC erscheinen.

 

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