Heimlich, still und leise spielt sich buchstäblich vor unser aller Augen eine Revolution ab, eine Streaming-Revolution. Es sieht ganz danach aus, als würde sich für immer verändern, wie wir Filme und Serien schauen. Und das verstehe ich einfach nicht. Ein Kommentar von Felix Gräber.

 

Netflix Serien & Filme: Angebot und Kosten des Streaming-Dienstes

Facts 

Die Revolution hat sich Stück für Stück angeschlichen. Für viele Menschen ist das Smartphone vom schlichten Mobiltelefon längst zum Allround-Begleiter im Alltag geworden – auch zum Taschenkino. Man braucht sich nur auf der Straße umzusehen, um zu erkennen, dass sich kaum jemand diesem Trend widersetzt. Trotzdem gibt es Dinge, bei denen das Smartphone andere Geräte für mich nicht ersetzen kann. Ich arbeite an PC oder Notebook, zocke an der Konsole und schaue Filme und Serien auf dem Smart TV – im Kino geht es aktuell leider nicht.

Smart TV vs. Smartphone: Beim Streamen herrscht ein Patt

Offenbar gehöre ich damit bald einer Minderheit an: Wir alle erleben gerade einen Umbruch. Ein flüchtiger Moment des technologischen Fortschritts zieht an uns vorbei, ohne dass wir es so richtig bemerken. Denn es ist genau so angesagt, Filme und Serien per App auf dem Smartphone zu schauen wie auf dem Fernseher. Dafür fehlt mir das Verständnis.

Im aktuellen „Global Consumer Survey“ (engl.: globale Verbraucherumfrage) von Statista ist festgehalten: 54 Prozent der Befragten schauen „digitale Videoinhalte“ am Smartphone. Das ist nicht nur mehr als die Hälfte, sondern auch exakt identisch mit dem Anteil derer, die ihren Smart TV nutzen. 54 Prozent zu 54 Prozent – ein empfindliches Gleichgewicht der Kräfte, das mich zu der Frage bringt: Warum nur?

Warum schauen Menschen Videos am Smartphone? Mal eben ein Katzenvideo bei YouTube anschauen in der Kaffeepause oder vielleicht hat man per WhatsApp eines geschickt bekommen – das verstehe ich. Aber darüber hinaus fehlt mir die Fantasie mir vorzustellen, warum ich das Smartphone dem Fernseher vorziehen sollte – oder ein Tablet, das gaben immerhin auch noch 31 Prozent als Gerät ihres Vertrauens an.

Natürlich gibt es Pendler, die unterwegs im Zug mal eine Folge ihrer aktuellen Lieblingsserie schauen. Mit Home-Office-Pflicht und Ausgangsbeschränkungen dürfte deren Anteil im Moment aber gering sein. Soll ich also glauben, dass es Leute gibt, die Zuhause sitzen, den Fernseher ausschalten und sich bei Netflix oder Disney+ auf dem Handy einen Film anmachen? Ich hoffe, ich irre mich.

Im Video: Streaming-Dienste im Vergleich.

Der große Streaming-Vergleich

Smartphones können beim Streamen einfach nicht mithalten

Ich erinnere mich gut an einige persönliche, große Filmmomente: In „Star Wars Episode 1: Die Dunkle Bedrohung“, als im Kino ausgerechnet während des Podracer-Rennens die Filmrolle riss. Wie ich nach Teil 1 der Transformers-Reihe mit vor Adrenalin zitternden Händen wieder ans Tageslicht getorkelt bin. Die unfassbar eindrucksvollen 3D-Welten aus „Avatar: Aufbruch nach Pandora“, für die ich mehrmals die gepfefferten Kinopreise zahlte.

Viel davon geht schon verloren, wenn man gezwungen ist, von der Kinoleinwand vor den heimischen Fernseher zu wechseln. Aber auf einem ein paar Zoll großen Smartphone-Display Blockbuster schauen? Oder preisgekrönte Serien, die mit ihrer Atmosphäre mitreißen sollen? Schauspielerische Leistungen im Kleinstformat bewundern? Das ist wirklich kein großes Kino.

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