Eines der hervorstechendsten Merkmale der Mass Effect-Spiele sind die vielen unterschiedlichen Dialogoptionen, die den Verlauf des Spiels beeinflussen können. So richtig ausgeschöpft haben die Spieler das aber nie.

Mass Effects Paragon/Renegade-System definierte zum Teil den Charakter des eigenen Shepard. Die NPCs auf die der Spieler traf, verhielten sich unterschiedlich, abhängig davon, ob ihr als rücksichtsloser Egoist oder als freundlicher Helfer in der Not durch das Spiel marschiert seid. Die Entwicklung in die gute oder auch böse Richtung schaltete neue Dialog- und Handlungsoptionen frei und veränderte, wie NPCs auf euch reagierten. Dadurch veränderte sich bis zu einem gewissen Maß auch der Verlauf der Geschichte.

Einem Tweet eines damaligen BioWare-Mitarbeiters zufolge, waren neun von zehn Spielern aber einfach zu lieb, um den „bösen Weg“ von Mass Effect zu gehen:

„Ja. Etwa 92 Prozent der Mass Effect-Spieler waren Paragon. Und wir haben auch eine Menge Arbeit in die Renegade-Inhalte gesteckt.“

Die meisten Spieler haben sich also grundsätzlich für den „guten Weg“ entschieden, auch wenn die Spiele euch ja nicht dazu zwingen, immer die guten Entscheidungen zu wählen. Ihr könnt der netteste Shepard aller Zeiten sein und trotzdem den Söldner von den Zwillingstürmen auf Illium runter zu schubsen. Ja, hab ich gemacht – jedes Mal.

Die Renegade-Inhalte des Spiels haben viele Spieler also verpasst und das Feature kaum richtig ausgenutzt. Es ist jedoch ein Rollenspiel und der Spieler wählt nun mal den eigenen Weg durch das Spiel.

Woran liegt das?

Vermutlich hängt es mit der Geschichte zusammen und auch mit dem Protagonisten selbst. Zwar gibt es bei der Charaktererstellung die Möglichkeit, Shepard das psychologische Profil „Skrupellos“ zu geben, Shepard ist aber nunmal der Held der Geschichte, die selbst auch wenig Platz für einen Tyrannen als Protagonisten lässt. Mass Effect ist eher eine Heldenreise, bei der ein Auserwählter treue Verbündete um sich schart, um die größte Bedrohung aller Zeiten zu besiegen.

Der Versatz zwischen dieser Prämisse und der Möglichkeit, das größte A****loch der Galaxis zu sein, hat für die meisten Spieler wohl einfach keinen Sinn ergeben.

Spiele wie The Witcher 3 oder Red Dead Redemption 2 haben durch die Wahl ihre Hauptfiguren von Grund auf eine düstere Prämisse und erlauben es dem Spieler, nicht der schillernde Held zu sein und trotzdem innerhalb der Geschichte zu funktionieren und glaubhaft zu sein.

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Wie habt ihr euch entschieden? Wart ihr, zumindest beim ersten Mal, der Gute und habt euch erst beim erneuten Spielen, die böse Seite angeschaut? Oder gehört ihr zu den 8 Prozent, die tatsächlich direkt den Weg des Bösen gewählt haben? Keine Sorge! Niemand wird euch verurteilen – ihr Monster.