Zu nah am Original: Der amerikanische Zoll verkündet die Sicherstellung von massenhaft gefälschten Apple AirPods. Der vermeintliche Erfolg gegen Produktpiraterie wirft aber viele Fragen auf. Jetzt hat der US-Zoll selbst reagiert und ein paar Antworten geliefert. Einfacher wird die ganze Geschichte dadurch aber nicht, wie ihr unten im Update lesen könnt.

 

OnePlus: Das Unternehmen hinter den „Flaggschiff-Killern“

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USA: Gefälschte AirPods sind OnePlus Buds

Gefälschte In-Ear-Kopfhörer im Gesamtwert von rund 400.000 US-Dollar habe man erfolgreich aus dem Verkehr gezogen, so die stolze Botschaft der US-Zollbehörde CBP. Am John-F.-Kennedy-Flughafen in New York sei den Zöllnern ein dicker Fisch ins Netz gegangen, wie es in einer eigens veröffentlichten Mitteilung heißt. Ob damit aber tatsächlich „US-Bürger vor zahlreichen Gefahren“ geschützt worden sind, darf mehr als bezweifelt werden. Gefälschte AirPods sind es jedenfalls nicht, die da beschlagnahmt wurden.

OnePlus Buds bei Amazon anschauen

Nach der Veröffentlichung eines Bildes der sichergestellten Kopfhörer brauchten Nutzer bei Twitter nicht zweimal hinzusehen, denn das Design und die Verpackung ließen eigentlich keinen anderen Schluss zu: Es handelt sich um die TWS-Kopfhörer von OnePlus, die der Hersteller erst kürzlich zusammen mit dem Handy OnePlus Nord vorstellte. Der US-Zoll hat sich ziemlich blamiert – oder steckt etwa Kalkül dahinter?

Möglicherweise weiß auch der US-Zoll, dass es sich nicht um dreiste Fälschungen handelt. Die Buds von OnePlus ähneln den AirPods von Apple zwar stark, doch Unterschiede lassen sich schon erkennen. Vielleicht handelt es sich auch um eine Botschaft an chinesische Hersteller, es bei der „Inspiration“ von Apple-Produkten in Zukunft nicht mehr ganz auf die Spitze zu treiben. Je nach Sichtweise steht OnePlus nun noch mehr als Apple-Kopierer dar – doch die kostenlose Publicity wird sicher gerne angenommen.

Das leisten die OnePlus Buds:

OnePlus Buds: das sind die neuen TWS-Kopfhörer

OnePlus Buds: Ohrstöpsel für 105 Euro

In Deutschland bietet OnePlus seine drahtlosen Kopfhörer bei Amazon für 105 Euro an, ausgeliefert werden sie Anfang Oktober. Mit einer Akkuladung können sie 6,5 Stunden Musik wiedergeben, zusammen mit dem Lade-Case sind bis zu 30 Stunden drin. Apples AirPods sind für weniger als 130 Euro zu bekommen, die Pro-Variante gibt es für rund 200 Euro.

Update vom 15.09.2020: Der US-Zoll bleibt bei seiner harten Linie. Ein Fehler soll ihnen nicht unterlaufen sein, heißt es in einer neuen Mitteilung gegenüber The Verge. Bei den OnePlus Buds würde ein „Konfigurations-Warenzeichen“ von Apple verletzt, dass geschützt werden müsse. Dass der Name „OnePlus“ auf der Verpackung steht, sei nicht relevant. OnePlus stehe nun der Rechtsweg offen. Apple selbst hat bislang keine Klage eingereicht.
Simon Stich
Simon Stich, GIGA-Experte für Smartphones, Mobilfunk und die Gerüchteküche.

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