Apples klopft sich gerne für sein soziales Gewissen auf die Schulter. Ein Vorwurf sorgt nun aber für Kratzer am Image. Es geht um iMessage – und wie eine kleine Funktion zu Mobbing unter Schülern führen kann. 

 
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Bei Messengern ist WhatsApp das Maß aller Dinge – zumindest in Deutschland. In den USA herrschen aber andere Verhältnisse. Viele Teenager verwenden iMessage als Nachrichtendienst, um mit Familie und Freunden zu kommunizieren. Das Problem: iMessage funktioniert nur mit Apple-Geräten wie iPhone oder Mac. Wer als Android-Nutzer einen Freund mit iPhone anschreibt, dessen Nachricht wird als SMS zugestellt und erscheint in iMessage als grüne statt blaue Blase. Diese kleine Ungleichbehandlung hat laut Wallstreet Journal zu einem Mobbing-Problem unter Schülern geführt.

Google-Vorwurf an Apple: iMessage soll Mobbing befördern

Den WSJ-Bericht hat Google-Manager Hiroshi Lockheimer zum Anlass genommen, um öffentlich gegen Apple zu schießen. „Gruppenzwang und Mobbing zu nutzen, um Produkte zu verkaufen, ist unaufrichtig für einen Konzern, der in seiner Werbung von Menschlichkeit und Gleichheit redet“, so der 47-Jährige auf Twitter, der bei Google neben Android auch Chrome OS und den Google Play Store beaufsichtigt. „Die Standards existieren heute schon, um das zu ändern.“

Was Lockheimer meint: RCS. Das ist ein offener Kommunikationsstandard, der es ermöglicht, dass unterschiedlichste Messenger miteinander kompatibel sind. RCS wurde in der Vergangenheit auch als „Neuerfindung der SMS“ angepriesen. Würde iMessage RCS unterstützen, so offenbar die Überlegung des Google-Managers, müssten die Nachrichten von Android-Nutzern in iMessage nicht mehr als grüne Blase angezeigt werden – und das Mobbing würde verschwinden.

iMessage ist eine von vielen Alternativen für WhatsApp:

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Apples dürfte den Forderungen kaum nachgeben

Dass Apple iMessage für RCS öffnet, dürfte allerdings unwahrscheinlich sein. Dem US-Konzern zu unterstellen, mit Gruppenzwang und Mobbing Produkte verkaufen zu wollen, ist ein starkes Stück und eine maßlose Übertreibung von Lockheimer. Klar ist aber auch: Apples vielfach zitiertes Ökosystem, in dem alles wie von Zauberhand funktioniert, ist ein starkes Verkaufsargument. Das allerdings funktioniert nur, weil Cupertino vom Scheitel bis zur Sohle alles kontrolliert. Jede noch so kleine Öffnung wäre hier ein potenzieller Störfaktor. Apple wäre daher ein Narr, den Forderungen nachzugeben.