Vor etwa einem Jahr gab es umfassende Insider-Berichte, die systematischen Sexismus beim Publisher Ubisoft aufdeckten. Infolgedessen mussten einige Mitglieder des Managements die Firme verlassen, doch nötige Veränderungen gab es nicht. Eine französische Gewerkschaft hat nun Klage eingereicht.

 

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Die Gewerkschaft Solidaires Informatique klagt gegen Ubisoft selbst und mehrere Personen, die zur Chef-Etage des Publishers gehörten und teilweise noch gehören. Diese sollen bei Ubisoft eine Kultur von „institutionalisierter sexueller Belästigung“ ermöglicht haben. Ubisoft wird vorgeworfen, ein System erschaffen und beschützt zu haben, in dem Angestellte keinen Schutz vor Belästigung und sexuellen Übergriffen hatten und jegliche Versuche, die Probleme zu melden, von der Personalabteilung unterbunden wurden.

Im Juli 2020 sprach der Journalist Jason Schreier mit 40 Ubisoft Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und fördert den systematischen Sexismus zutage:

Klage richtet sich gegen Ubisoft-Management

In der Klage wurden mehrere Ubisoft-Mitarbeiter namentlich genannt. Dazu gehört Serge Hascoët. Der ehemalige Chief Creative Officer soll mehrere Personen belästigt und darüber hinaus dieses Verhalten bei anderen Mitarbeitern toleriert haben. Cécile Cornet war die Chefin der Personalabteilung und soll Beschwerden von Mitarbeitern nicht verfolgt haben. Außerdem erwähnt wird Ubisoft-CEO Yves Guillemont, der schlicht dafür verantwortlich ist, was in seinem Unternehmen passiert. Viele gehen davon aus, dass er Bescheid wusste.

Keine Aufarbeitung durch Ubisoft

Zwar gab es einige Entlassungen in Ubisofts Management, doch scheint es keine Reformen zu geben, die das Sexismus-Problem tatsächlich angehen. Im Herbst 2020 zeigte eine Umfrage, dass einer von vier Ubisoft-Angestellten entweder Opfer oder Zeuge von klarem Fehlverhalten wurde. Laut der Website Kotaku gab es im Mai 2021 erneut Beschwerden von Angestellten, die berichteten, dass es nur minimale Veränderungen im Unternehmen gab.

Im Juni 2021 prangerte Solidaires Informatique den Verbleib von drei Managern im Unternehmen an, die wegen Belästigung und toxischem Verhalten beschuldigt wurden und berichtete weiterhin von mehreren Situationen mit sexistischem oder rassistischem Verhalten gegenüber Mitarbeitern, bei denen die Personalabteilung erneut untätig blieb. Erst vor wenigen Wochen gab es einen erneuten Artikel von Jason Schreier bei Bloomberg, der ebenfalls von diesen Zuständen bei Ubisoft berichtete. Die Informationen sind vielleicht in der Aufregung um ein Live-Service-Assassin's-Creed ein wenig untergegangen.