Politisch und gesellschaftlich haben nur wenige Themen eine solche Strahlkraft wie die Autos der Deutschen. Das zeigt aktuell eine Debatte zwischen Experten über E-Autos: Retten sie das Klima oder sind sie kaum besser als Verbrenner?

Nach E-Auto-Brief an EU: Experten widersprechen einander

Autos bringen in Deutschland schon mal die Gemüter zum Kochen. Wer hätte noch vor einigen Jahren gedacht, dass auch die ehemals als langweilig verschrieenen Elektrofahrzeuge dazu durchaus in der Lage sind? Genau das zeigt sich aktuell in einem Expertenstreit rund um die Frage: Wie gut sind die E-Autos fürs Klima eigentlich wirklich?

Auslöser war ein offener Brief, in dem 170 Experten sich gegen die EU-Politik gewandt haben. Kernpunkt ihrer Kritik: E-Autos ohne Ökostrom nutzen nicht viel. Weil die Politik dieser einfachen Wahrheit nicht ausreichend Beachtung geschenkt habe, seien außerdem die Annahmen über die Auswirkung von E-Autos für den Klimaschutz übertrieben, beruhen zudem noch auf Rechenfehlern. Laut den Forschen um Professor Thomas Koch, Verbrennungsmotorenexperte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), sollen die CO2-Emissionen von Elektroautos etwa doppelt so hoch sein, wie bisher angenommen.

Das wollen andere Experten allerdings nicht so stehen lassen: Christian Rehtanz, Leiter des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft an der TU Dortmund, bezeichnete den Brief laut ZDF als „Lobbyistenschreiben“ und „hochgradig peinlich“. Zwar gebe es politische Defizite, den Energiewandel zu gestalten. Das sei aber kein Grund das Ende des Verbrennungsmotors hinauszuzögern. Autopapst Ferdinand Dudenhöffer erkennt darin ebenfalls den Versuch, an Benzin- und Dieselfahrzeugen festzuhalten.

Wie der Streit zeigt, sind Experten sich nicht einig über E-Autos. Einige überholte Mythen über Elektrofahrzeuge findet ihr im Video:

5 Irrtümer über Elektroautos

Expertenstreit zum E-Auto: In zwei Dingen ist man sich einig

Professor Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung kritisierte zudem, es sei wissenschaftlicher Standard, den aktuellen Strommix für die Berechnung zugrunde zu legen. Völlig abtun will er die Argumentation des offenen Briefs aber nicht.

Gibt es Aspekte, in denen sich die Seiten einig sind? Immerhin in zwei Forderungen: Je mehr man zum einen mit E-Autos erreichen will, umso wichtiger sei die konsequente Energiewende. Laut Wietschel könnten E-Autos als flexible Energiespeicher auch Teil der Lösung sein. Zum anderen gebe es noch immer großen Bedarf, die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge weiter auszubauen. Die geringere Verfügbarkeit von Ladepunkten sei noch immer ein Hindernis für den Umstieg aufs E-Auto.