Telefonica (O2) über Mobilfunkstandard 5G: Flächenweiter Marktstart nicht vor 2020

Sebastian Trepesch 3

Deutsche Telekom, Vodafone, 1&1 Drillisch und Telefónica Deutschland – letztere vor allem mit der Kernmarke O2 bekannt – haben diese Woche Frequenzspektrum für 5G ersteigert. Wann können wir den neuen Mobilfunkstandard nutzen? Wird 4G noch erweitert? Das und weitere Fragen zu den Hintergründen von 5G hat sich GIGA von Telefónica Deutschland beantworten lassen.

Die Fragen beantwortet uns Guido Heitmann, Head of Corporate Communications bei O2:

Telefónica Deutschland zahlt für die Nutzungsrechte der Frequenzen gut 1,4 Milliarden Euro. Wie stark werden die Preise von Mobilfunktarifen für Endnutzer steigen?

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Heitmann: Wir verfügen über eine sehr solide Finanzposition. Dazu zählen eine hohe Liquidität, ein niedriger Verschuldungsgrad sowie umfassende, nicht ausgeschöpfte Kreditlinien.

Alle Netzbetreiber hatten im Vorfeld der Auktion betont, dass jeder Euro, der in Spektrum fließt, an anderer Stelle nicht in den Netzausbau fließen kann. Nichtsdestotrotz werden wir den geplanten Netzausbau unvermindert zum Wohle unserer Kunden vorantreiben und auch die in der Auktion vorgesehenen Ausbaustufen erfüllen, sofern sie in den z.T. noch laufenden Verfahren vor Gericht Bestand haben sollten.

Zu unserer zukünftigen Preispolitik werden wir uns mit Blick auf den Wettbewerb nicht äußern.

Ab wann und wo wird man 5G als Privatkunde bei O2 nutzen können?

Heitmann: Der reguläre Start von 5G in Deutschland hängt auch davon ab, ob Systemtechnik und Endgeräte für den Massenmarkt verfügbar sind. Wir bereiten uns schon jetzt intensiv auf den geplanten Marktstart vor, der Experten zufolge – abseits von einigen begrenzten Testfeldern – nicht vor 2020 erfolgen dürfte. So forschen wir mit Partnern auf diesem Feld und treiben in Kooperationen mit verschiedenen Partnern mit steigender Intensität die Anbindung unserer Netzstandorte per Glasfaser voran. Als führender Anbieter im Privatkundensegment haben wir den individuellen Kundennutzen dabei fest im Blick. Denn es zählen die tatsächlichen Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden.

Wir führen bereits umfangreiche Tests zusammen mit Partnern durch. Gemeinsam mit Nokia haben wir beispielsweise in 2018 in Berlin ein „Early 5G Innovation Cluster“ errichtet und in München testen wir Anwendungen für das künftige 5G-Netz im TechCity-Projekt. Diese Tests werden wir in 2019 intensivieren. Standorte in nennenswerter Zahl wird es aber frühestens 2020 geben, da die neu erworbenen Frequenzen erst zugeteilt werden müssen und auch erst dann mit massenmarkttauglicher Technik zu rechnen ist.

Welche Anwendungsfälle sehen Sie, bei denen 5G gegenüber 4G und WLAN Vorteile besitzt?

Heitmann: Aufgrund seiner physikalischen Ausbreitungseigenschaften wird das aktuell erworbene Spektrum in einem ersten Schritt insbesondere dabei helfen, in Ballungsräumen und für lokale industrielle Anwendungen mittels 5G Dienste mit hohen Datenraten und geringen Latenzzeiten anzubieten. Die 5G Technologie ermöglicht zudem ein erheblich effektiveres Kapazitätsmanagement, so dass über eine zunehmende Verbreitung des Standards die Netzperformance und Kapazität insgesamt profitieren werden.

Private Verbraucher werden von 5G profitieren, wenn massenhaft erschwingliche Endgeräte sowie für die Technologie entsprechende Konsumentenanwendungen im Markt verfügbar sind. Weitere Voraussetzung für einen auch räumlich weitreichenden Ausbau ist die Verfügbarkeit von Frequenzspektrum unterhalb von 1 GHz, das einen Ausbau außerhalb von Ballungsräumen kommerziell möglich macht. Dieses wird aktuell entweder noch für den 4G Ausbau benötigt oder steht wie das Spektrum bei 700 MHz noch nicht vollständig bundesweit zur Verfügung. Zudem laufen die Nutzungsrechte für Teile dieses Spektrums absehbar aus: Ab 2025 für das Spektrum bei 800 MHz bzw. ab 2033 für das Spektrum im Bereich von 900 MHz.

Ein Anwendungsfall für 5G ist das IoT (Internet of Things). Werden Sie Tarife anbieten, die von mehreren Geräten gleichzeitig genutzt werden können?

Heitmann: Mit O2 Free Connect (Nutzung von bis zu 10 Endgeräten mit einem Tarif) sind wir Vorreiter im privaten IoT-Markt.

Für unsere Geschäfts- und Industriekunden bieten wir ein modernes Maschinennetz für die intelligente Vernetzung von Maschinen und Geräten an, z.B. beim Smart Metering. Als einziger deutscher Netzbetreiber können unsere Kunden hierfür sowohl Narrowband IoT als auch LTE-M nutzen. Beides sind Weiterentwicklungen des 4G-Standards auf dem Weg zu 5G.

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Sehen Sie Huawei als zuverlässigen Partner für den 5G-Netzausbau in Deutschland an?

Heitmann: Telefónica Deutschland arbeitet im Netzbereich grundsätzlich mit mehreren Dienstleistern zusammen und setzt hierbei ausschließlich auf anerkannte und zuverlässige Telekommunikationsausrüster wie z. B. Nokia oder Huawei. Auch in Hinblick auf Zukunftstechnologien wie 5G pflegen wir Kooperationen mit mehreren innovativen Dienstleistern.

Was die Diskussionen um Netzwerkausrüster anbelangt, beobachten wir diese sehr genau, werden uns aber an den aktuellen Spekulationen nicht beteiligen. Eine Entscheidung über die Netzpartner für den 5G Ausbau werden wir zu gegebener Zeit treffen.

Davon unabhängig gilt: Wir nehmen die Frage der Netz- und Datensicherheit sehr ernst. Generell unterziehen wir Netztechnologie von externen Dienstleistern im Vorfeld ihrer Inbetriebnahme ausführlichen Tests, auch explizit in Hinblick auf die Erfüllung unserer hohen Sicherheitsstandards.

Zudem sichern wir sämtliche Systeme durch aktuelle Technologien und Sicherheitsvorkehrungen ab (z.B. Firewalls, Border Gateways etc.). Durch ein kontinuierliches Monitoring stellen wir sicher, dass ein möglicherweise auffälliges Verhalten der Systeme sofort angezeigt wird.

Darüber hinaus setzt sich Telefónica zusammen mit weiteren führenden Unternehmen im Rahmen des weltweiten „Cybersecurity Tech Accords“ für einen stärkeren Schutz gegen mögliche Cyberangriffe ein.

Wie stehen der Ausbau von 4G und 5G bei Telefónica in Konkurrenz zueinander? Wird das 4G-Netz (siehe Karte der Netzabdeckung) erweitert?

Heitmann: Neben den Planungen für den 5G-Mobilfunk investiert Telefónica Deutschland aktuell weiter massiv in den weiteren LTE-Ausbau (4G), um immer mehr Menschen in Deutschland auch abseits der Ballungsräume den Anschluss an das schnelle mobile Internet zu ermöglichen.

2018 hat das Unternehmen über 6.700 neue LTE-Stationen ins Netz integriert, so viel wie kein anderer Anbieter in Deutschland. Die damit neu geschaffene Breitbandabdeckung entspricht in etwa der Fläche Niedersachsens. Für 2019 haben wir uns sogar rund 10.000 LTE-Netzelemente vorgenommen. Das hat bisher noch kein Anbieter geschafft. Damit werden wir zum Jahresende eine weitgehende Versorgung der Bevölkerung mit 4G erzielt haben.

Neben den Investitionen in die Funkmasten schafft das Unternehmen über zahlreiche neue Kooperationen für den Glasfaseranschluss der Mobilfunksender zudem die Voraussetzungen für das weiter massiv ansteigende Datenvolumen im Netz und den künftigen Einsatz von 5G.

Der physische, massenhafte Ausbau von 5G-Stationen wird in 2019 eine untergeordnete Rolle bei allen Anbietern spielen – dafür kommt es auch darauf an, dass das Equipment für den Massenmarkt verfügbar ist.

Mit 1&1 Drillisch kommt ein vierter Netzanbieter in Deutschland hinzu. Welche Auswirkungen wird das auf den Wettbewerb haben? Befürchten Sie Kundenabwanderung?

Heitmann: Für solche Prognosen ist es zu früh. Wir haben nach der Versteigerung im Jahr 2000 an Mobilcom schon mal erlebt, wie ambitionierte Netzbetriebspläne gescheitert sind. Nach zwei Jahren war der Herausforderer ein Sanierungsfall. Drillisch ist zwar kein Newcomer. Ohne ausreichende Skaleneffekte bleibt es dennoch sehr schwierig, ein effizientes Netz aufzubauen und zu betreiben.

Die selben Fragen haben wir auch Vodafone gestellt, siehe: 

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