Ob Telekom, Vodafone oder Deutsche Glasfaser – Netzprovider in Deutschland bauen das Glasfasernetz beständig weiter aus. Längst gibt es dabei sogar immer mehr „echte“ Glasfaseranschlüsse, die zu hoher Leistung fähig sind. Doch die will kaum jemand.

Glasfaser ist als schneller Übertragungsstandard für Festnetz-Internetverbindungen seit Jahren in aller Munde. Der Ausbau hierzulande läuft, wenn auch langsamer als in vielen anderen Ländern. Doch dass Deutschland hinterher hinkt, ist angesichts aktueller Zahlen wohl für viele gar kein Problem.

Mehrheit der Verbraucher will keine Glasfaser

Das zeigt eine Untersuchung des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Demnach werden etwas mehr als ein Drittel der bisher verfügbaren „echten“ Glasfaseranschlüsse genutzt (Quelle: VATM). Unter echter Glasfaser versteht der VATM FTTH- und FTTB-Verbindungen, die bis in die Wohnung beziehungsweise das Haus gelegt werden, sowie auf Docsis 3.1 nachgerüstete Kabelanschlüsse.

Bedeutet: Von allen potenziellen Kundinnen und Kunden, bei denen bereits Glasfaser auf der letzten Meile verlegt ist und die von den hohen Datengeschwindigkeiten demnach besonders profitieren könnten, will die überwiegende Mehrheit gar keine Glasfaser nutzen. „Insgesamt bleibt die Rate ausbaufähig“, meint der Branchenverband.

Eine Einschätzung, die sich auch mit Erfahrungen aus unserer Redaktion deckt: Die Ausbaugebiete werden mehr, die Chancen auf einen Glasfaseranschluss steigen. Zwar legt laut VATM auch die Zahl der genutzten Anschlüsse zu, trotzdem bleiben sie neben den tatsächlich verfügbaren in der Minderheit. Mit 2,1 Millionen neu verlegten Glasfaseranschlüssen ist 2021 gleichzeitig für den Ausbau das bisher stärkste Jahr – insgesamt gibt es ein Plus von 40 Prozent.

Kaum Interesse an Glasfaser: Sind die Preise Schuld?

Gründe für die Zurückhaltung kann es viele geben: So warnten zuletzt Verbraucherschützer indirekt vor der aggressiven Vermarktung von Telekom und Co., die ihre Vertriebsangestellten direkt zu potenziellen Kunden nach Hause schicken.

Selbst die schnellste Glasfaser-Verbindung hilft nichts, wenn das WLAN stört – wie ihr Probleme umgeht, zeigt unser Video:

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Eine entscheidende Rolle spielen zudem die Preise: Zwar bietet etwa die Telekom in manchen Ausbaugebieten an, die Anschlusskosten bis zum Haus zu übernehmen. Trotzdem sind die monatlichen Preise hoch – vor allem, wenn der eigene Bedarf beispielsweise mit 50 MBit/s im Download schon gedeckt ist.

Zwar ist es langfristig wahrscheinlich, dass der Datenbedarf in deutschen Haushalten weiter steigt und auch schnelle Verbindungen in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Bisher jedoch kommen viele Haushalte noch gut mit dem zurecht, was schon möglich ist.