Unbekannte Kontaktaufnahme des iPhones: Was Handy-Apps so alles anstellen

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Apple rühmt sich bekanntlich mit einem Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer, über den die Konkurrenz nur staunen kann. Ein neuer Bericht wirft nun aber einen Blick in das, was Apps ohne Wissen genau dieser Anwender tagtäglich mit den persönlichen Daten anstellen.

iOS-Apps: „Es ist 3:00 Uhr. Weißt du was dein iPhone macht?“

Diese Frage stellt Geoffrey A. Fowler von der Washington Post in einem aktuellen Bericht. In Zusammenarbeit mit dem Datenschutzunternehmen Disconnect untersuchte er sein iPhone und stellte dabei fest, dass viele Apps, trotz Apples Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre, weiterhin fleißig die Daten ihrer Nutzer unter anderem dank integrierter Tracker an Drittunternehmen weiterreichen.

Im Falle seines iPhone fand er über 5.400 dieser Tracker, die im Monat rund 1,5 GByte an Daten übertragen. Als Beispiele nennt Fowler etwa den Lieferdienst DoorDash, das Empfehlungsportal Yelp, den Streaming-Service Spotify oder auch Apps von Microsoft und Nike. Auch die App Citizen, die über Kriminalität in der Nachbarschaft hinweist, verwendet derartige Tracker.

Einige dieser Anwendungen übertragen ihre Daten in der Nacht, wenn das iPhone an der Steckdose hängt und nicht genutzt wird. Ermöglicht werden diese Aktionen unter anderem durch Apples Hintergrundaktualisierung. Dieses Feature erlaubt es Apps ihre Inhalte im Hintergrund zu übertragen. Das Feature kann in den Einstellungen entweder global deaktiviert oder von App zu App konfiguriert werden. Standardmäßig ist diese Hintergrundaktualisierung aktiviert.

iOS 12 brachte neben neuen Features, auch einen besseren Schutz der Privatsphäre:

12 Funktionen von iOS 12.

Datenschutz auf dem iPhone: Diese Daten sammeln die Tracker

Im Falle von Yelp wurden etwa Daten übermittelt, welche die IP-Adresse beinhalten. Hierbei soll es sich jedoch um einen Fehler gehandelt haben. Einer der diversen Tracker, die in der App von DoorDash enthalten sind, erstellt einen digitalen Fingerabdruck des Geräts, welcher den Namen, Modell, Werbe-Identifier, Speicherkapazität und sogar die Daten der Beschleunigungssensoren enthält. Ein weiterer in die App integrierter Dienst übermittelt Namen, Lieferadresse, E-Mail-Adresse und den Namen des Mobilfunkbetreibers.

Auf Nachfrage bei DoorDash sagte das Unternehmen, dass man den Trackern den Verkauf oder Teilen der Daten nicht erlaubt. In der Datenschutzrichtlinie auf der Website schreibt man aber gleichzeitig, dass man nicht für die Datenschutzpraktiken dieser Unternehmen verantwortlich ist und verweist auf die entsprechenden Richtlinien.

Die Entwickler von Citizen aktualisierten ihre App, nachdem sie darauf hingewiesen wurden, dass der Tracker Amplitude Telefonnummer, E-Mail-Adresse und exakte GPS-Daten erhalten hat. Amplitude ist nicht länger in der App enthalten.

Trotz des Slogans „Was auf deinem iPhone passiert, bleibt auf deinem iPhone“ hat Apple damit noch viel Arbeit vor sich, um auch die Apps im Zaun zu halten. Es reicht nicht mehr nur, den eigenen Browser mit neuen Datenschutzfeatures zu versehen, wenn die Nutzer immer mehr Zeit in Apps und nicht im Web verbringen.

Apple könnte etwa, wie schon bei der Nutzung von Standortinformationen oder dem Zugriff aufs Telefonbuch, einen Hinweise für die Nutzer darstellen, in dem auf die Nutzung derartiger Tracker hingewiesen wird. Wenn man dann etwa sieht, dass Apps wie DoorDash neun Tracker beinhalten, überlegt man sich vielleicht zweimal, ob man die App nutzen will.

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Holger Eilhard
Holger Eilhard, GIGA-Experte für iPhone, iPad, Mac und alles andere zum Thema Apple.

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