Die App Yuilop reihte sich bislang eher unauffällig in eine Vielzahl von VoIP-Diensten ein – Fring, Viber, Vonage und Skype, um nur einige zu nennen. Bis jetzt – in Version 2.0 benennt sich Yuilop in UppTalk um und bietet einen signifikanten Vorteil gegenüber den Konkurrenten: kostenlose Anrufe in das deutsche Festnetz.

 

Skype

Facts 

Die spanische Firma Yuilop versucht seit geraumer Zeit als Anbieter für internetbasiertes Voice Messaging Fuß zu fassen. Bislang konnte sie sich trotz interessanter Features, etwa einer „echten“ kostenlosen Rufnummer, auf die man angerufen werden kann, nicht gegen Skype und Co. durchsetzen. Mit der Version 2.0 benannte Yuilop sich Ende Dezember kurzerhand in UppTalk um und lockt seit heute mit weiteren Angeboten: Gratis-Anrufe in das deutsche Festnetz und kostenlose SMS.

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Die Einrichtung von UppTalk gestaltet sich recht einfach, zumindest wenn man über das Sprachgemisch aus Englisch und (mitunter schlechtem) Deutsch hinwegzublicken bereit ist. Nach der Installation der kostenlosen App wird man aufgefordert, einen Account einzurichten, unter Angabe eines Nutzernamens, der E-Mail-Adresse und eines Passworts. Man kann sich zwar auch über Facebook anmelden, allerdings ist danach trotzdem die Eingabe eines Passworts erforderlich.

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Daraufhin wird, bei Installation auf einem Gerät mit SIM-Karte, die eigene Handynummer abgefragt. Dies dient dazu, einen eventuell zuvor erstellten Yuilop-Account mit dem neuen UppTalk-Account zu verbinden und auch andere registrierte UppTalk-Nutzer im eigenen Telefonbuch zu finden – vergleichbar mit WhatsApp. Die Angabe einer Handynummer ist aber optional, man kann UppTalk auch auf Geräten nutzen, die nur über WLAN-Verbindung verfügen. Praktischerweise ist die App so auch auf mehreren Geräten parallel nutzbar.

Zum Schluss kann man noch eine UppTalk-Nummer einrichten, diese wird in einem deutschen Handynetz registriert und hat die Vorwahl 01575. Dieser Schritt ist wichtig (was bei der Einrichtung nicht hinreichend kommuniziert wird), denn wenn man ihn durchführt, kann man anschließend gratis telefonieren. Überdies können andere Nutzer so auf dem eigenen Gerät über die App anrufen und darauf SMS-Nachrichten senden. Ein schöner Nebeneffekt: Dank der kostenlosen Zweitnummer kann man vermeiden, in Alltagssituationen seine echte Handynummer ausgeben zu müssen.

Funktional wird vieles geboten. Befindet sich der Anrufer sowie der Angerufene auf deutschem Boden, können SMS und Festnetz-Telefonate ins deutsche Netz kostenlos abgesetzt werden – bislang einzigartig in des Sphäre der VoIP-Apps. International wird das sonst nur in den USA und Kanada angeboten, von anderen Ländern aus bzw. in andere Länder verbrauchen Gespräche Guthaben, sogenannte Punkte. Gleiches gilt, wenn man auf deutsche Handys anrufen möchte. Eine Übersicht zu den Preisen erhält man auf UppTalk.com/rates.

Schön ist: Zum Start hin gibt es 10 Punkte gratis. Wer danach Gratis-Punkte erhalten möchte, kann sich gesponserte Werbevideos anschauen, Einladungen verschicken oder bestimmte Apps installieren. Im Test habe ich ein Video angeschaut, mir wurde daraufhin bestätigt, den Punkt erhalten zu haben. Zum Vergleich: Eine Minute Telefonie ins amerikanische Festnetz kostet einen Punkt, ins deutsche Mobilnetz drei Punkte.

Das Design der Upptalk-App ist zweckmäßig und orientiert sich an den Holo-Richtlinien Googles, entsprechend hübsch ist sie anzusehen. Mithilfe der gewohnten Wischbewegung vom linken Bildrand aus bekommt man Zugriff auf geführte Unterhaltungen, die Kontaktliste, die Einstellungen sowie die Möglichkeit, weitere Punkte zu erlangen oder zu erwerben.

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Das Hinzufügen von Kontakten geht leicht von der Hand. Mittels Telefonnummer wird die gewünschte Person gesucht oder aus der Kontaktliste heraus ausgewählt. Ist der Kontakt auch UppTalk-Nutzer, wird dies dementsprechend angezeigt oder eben eine Möglichkeit zur Einladung geboten. Darunter befinden sich Buttons für SMS und Telefonie. Praktischerweise wird die maximale Gesprächszeit und die maximale Anzahl SMS angezeigt, die mit dem vorhandenen Guthaben möglich sind. Die Chatfunktion machte beim Test keinerlei Probleme und erschien ohne bemerkbare Verzögerungen.

Anders hingegen die Telefonie. Von mobilen Internet zu WLAN war trotz eingeschalteter Echounterdrückung starker Hall zu vernehmen, jedoch war ein Gespräch möglich. Waren beide Partner im mobilen Netz unterwegs, waren mehr als verzerrte Geräusche nicht zu hören. Die direkte Verbindung zu einem Mobilgerät ohne UppTalk funktionierte weitgehend fehlerfrei. Die Gesprächsqualität reichte an die einer normalen Verbindung heran, hatte jedoch eine merkliche zeitliche Verzögerung.

In puncto Sicherheit gibt UppTalk an, Nachrichten und Gespräche zwischen Nutzern der App in beide Richtungen zu verschlüsseln.

UppTalk macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Mit kostenlosen Festnetztelefonaten und -SMS hebt sich der Dienst deutlich von der übrigen in Deutschland verfügbaren Konkurrenz ab. Größtes Manko im Test: Die Verbindung bei mobilem Internet kam zwar zustande, war aber so nicht nutzbar – dies könnte aber auch der Netzqualität und anderen Rahmenbedingungen während des Tests geschuldet sein. Die Möglichkeit sich Punkte zu „erarbeiten“ ist eine gute Idee und kommt allen Sparfüchsen entgegen.

Die App kann kostenlos heruntergeladen werden, finanziert sich jedoch durch eingeblendete Werbung am unteren Bildschirmrand. Die Pro-Version kann per In-App-Kauf erworben werden und entfernt die Werbung, ist aber zeitlich begrenzt. So kostet die einmonatige Werbefreiheit 0,89 Euro und reicht bis zu einem ganzen Jahr für 3,59 Euro.

Seid ihr jetzt auf den Geschmack gekommen oder heißt es weiterhin „never change a running system“? Wer UppTalk schon nutzt, kann in den Kommentaren gerne seine Erfahrungen mit der App hinterlassen.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.

Quelle: UppTalk [via Pressemitteilung]