Der Inselstaat Tuvalu wird nach und nach vom Pazifik verschluckt. Nun stellte der Außenminister einen außergewöhnlichen Plan vor, um das Erbe des Landes in Zukunft zu erhalten.

Stellt euch vor, ihr könntet zusehen, wie eure Heimat Stück für Stück vom Ozean verschluckt wird. Keine plötzliche Überschwemmung wie im letzten Jahr im Ahrtal, aber die Folge ist dieselbe: Menschen verlieren ihr Zuhause. Und auch der Grund ist derselbe: Der Klimawandel. 

Das Metaverse soll vor Vergessen schützen

Der Inselstaat Tuvalu liegt nur 5 Meter über dem Meeresspiegel des Pazifischen Ozeans, nördlich von Australien und Neuseeland. Lange schon können die dort lebenden Menschen beobachten, wie das Land kleiner und der Ozean größer wird. Im letzten Jahr hielt der tuvaluische Außenminister Simon Kofe seine Ansprache bei der UN-Klimakonferenz in Anzug, Krawatte und hochgekrempelten Hosen auf dem Teil Tuvalus, der bereits unter Wasser steht. Obwohl das Bild bereits für sich sprach, machte Kofe deutlich, dass der Klimawandel real ist und aktives globales Handeln erfordert. Denn sein Land bekommt die Folgen direkt zu spüren: Schätzungen zufolge wird Tuvalu in 100 Jahren untergegangen sein (Quelle: SBS News).

Funafuti-Atoll, Tuvalu: Zwei Männer und ein Fischerboot am Strand. Dieses Gebiet ist niedrig gelegen und dem Anstieg des Meeresspiegels ausgeliefert (Bildquelle: IMAGO / Nature Picture Library)
Funafuti-Atoll, Tuvalu: Dieses Gebiet ist niedrig gelegen und dem Anstieg des Meeresspiegels ausgeliefert (Bildquelle: IMAGO / Nature Picture Library)

Mitte November meldete sich der Außenminister zur diesjährigen Klimakonferenz abermals zu Wort und legte Pläne für die Zukunft Tuvalus offen. Diese wird auf digitaler Ebene stattfinden, denn Tuvalu soll als erster digitaler Staat ins Metaverse übernommen werden. Das Metaverse ist eine virtuelle Realität, in der Menschen als Avatare digital interagieren können, sei es für diverse Veranstaltungen, zum Arbeiten, Lernen oder einfach zum Zeitvertreib. Für seine Rede steht Kofe dieses Mal auf einem digitalen Tuvalu und begründet die Metaverse-Entscheidung wie folgt: „Unser Land, unser Ozean, unsere Kultur sind die wertvollsten Güter unseres Volkes. Um sie vor Schaden zu bewahren, werden wir sie in die Cloud verlagern, egal was in der physischen Welt passiert.“

Im folgenden Video seht ihr die ganze Rede des Außenministers:

Tuvalu im Metaverse: Rede des Außenministers

Was passiert mit den Menschen auf Tuvalu?

Land und Ozean, Kultur und Wissen – das alles kann im Metaverse programmiert werden. Aber was ist mit den Menschen, die (noch) auf Tuvalu leben? Die ehemalige Generalstaatsanwältin Dr. Eselealofa Apinelu sagte gegenüber The Guardian, dass Australien und Neuseeland eine Möglichkeiten der Immigration bieten, aber die Bürokratie die Prozesse erschwert: „Australien und Neuseeland sind unsere engsten Partner gewesen, sie haben uns Bildung und Arbeitsmöglichkeiten geboten ... aber die Einwanderungsgesetze sind nicht einfach, sie sind nicht leicht. Wir brauchen Gesetze, die für kleinere Inseln freundlicher sind.“

Auf Tuvalu leben knapp 12.000 Menschen. Apinelus Wunsch ist es, diesen bereits schon jetzt eine Auswanderung zu ermöglichen, damit sie sich Schritt für Schritt an ein neues Leben in einem neuen Land gewöhnen können.

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