Wetware: Kann eine Technologie künstliche Nasen kreieren?

Laura Li Tung

Hardware ist klar. Software kennt man. Doch habt ihr schon einmal etwas von „Wetware“ gehört? Wetware bezeichnet ursprünglich die „Software eines Organismus“: das Gehirn und ihre Zellverbindungen. Jetzt soll Wetware auch in der Technologie eingesetzt werden und öffnet ganz neue Türen.

Wetware: Kann eine Technologie künstliche Nasen kreieren?
Bildquelle: GIGA.

Der Mensch kann mehr als eine Billion Gerüche wahrnehmen. Die meisten der natürlich vorkommenden Gerüche bestehen aus unzähligen Duftmolekülen. Rosenduft zum Beispiel besteht aus insgesamt 275 Einzelkomponenten. Das allein ist kaum vorstellbar. Das amerikanische Startup Koniku hingegen hat sich auf die Fahnen geschrieben, mit Hilfe von sogenannter Wetware eine künstliche Nase, zu kreieren.

Wie riechen wir eigentlich?

Nasen sind einiges: Krumm, mit Buckel versehen, klein, groß, knollenförmig – aber nicht dafür zuständig, dass der Duftstoff an das Gehirn transportiert wird. Sie dienen als Annahmestelle und filtern den Schmutz aus der Luft, die wir atmen.

Das eigentliche Riechsystem befindet sich hinter der Fassade. Das sogenannte „olfaktorische System“ sind zwei etwa 4 cm² große Schleimhäute im oberen Nasenbereich, die die „Riechzone“ bilden. Hier liegen Millionen von Duftstoffsensoren. Kaum vorstellbar, dass so ein komplexes System jemals von Menschenhand nachempfunden werden kann. Aber wie schon ein japanischer Autohändler zu sagen pflegte: „Nichts ist unmöglich.“.

Künstliche Nase dank Startup-Innovation

Wer sich jetzt fragt, wie es funktionieren kann, eine künstliche Nase zu erschaffen, dem geht es wie mir, bevor ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Keine Sorge, ich werde etwas Licht ins Dunkel bringen: Grob gesagt geht es darum, echte Zellen und technologische Geräte wie Computer miteinander interagieren zu lassen. So werden in Laboratorien lebende Zellen gezüchtet, was natürlich in Anbetracht der Komplexität unseres Riechorganes kein einfaches Unterfangen ist.

Und was genau sind jetzt „Wetware-Computer“?

Das Konzept von „Wetware“ ist unkonventionell und eigenständig – es ist nur entfernt verknüpfbar mit Hard- und Software. Während Hardware als die physikalische Architektur zu betrachten ist, ist Software das konzeptionelle Gegenteil und stellt die kodierte Architektur von Speicherung und Anweisungen dar.

Wetware hingegen ist ein separates Konzept, das die Bildung von organischen Molekülen, meist komplexen zellulären Strukturen (z.B. Neuronen) nutzt, um ein Rechengerät wie einen Computer zu entwickeln. In der Wetware ist die Idee von Hard- und Software eng miteinander verflochten.

Wetware-Computer sind organische Computer, die aus organischem Material wie lebenden Neuronen bestehen. Sie unterscheiden sich erheblich von herkömmlichen Computern, weil sie aufgrund der Dynamik der Neuronen in der Lage sein sollen, „für sich selbst zu denken“, so Wikipedia. Während Wetware in der Vergangenheit weitesgehend konzeptionell war, arbeiten in den letztzen Jahren immer mehr Firmen daran, diese Technologie vor allem für den Gesundheitssektor startklar zu machen.

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Was bedeutet das für die Zukunft?

Insgesamt steckt die Forschung für sogenannte Wetware-Computer noch in den Kinderschuhen und wie weit wir diese Technologie noch erleben dürfen, ist unklar. Oshiorenoya Agabi, Gründer und CEO des Unternehmens Koniku, glaubt daran, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir in Unternehmen und sogar Zuhause die ersten biologischen Computer nutzen können. „In acht bis zehn Jahren wird es praktische Anwendungen geben“, sagt der aus Nigeria stammende Bioinformatiker.

Laut digitalestadtduesseldorf.de forsche man aktuell daran, Computer zu bauen, die zum Beispiel Sprengstoff erriechen können – aber auch Anwendungsszenarien wie zum Beispiel das Testen von Gerüchen oder sogar Geschmäckern sind denkbar. Wer jetzt also Angst hat, dass sich Horrorszenarien aus bekannten Cyborg-Filmen in Kürze Wahrheit werden können, der sei unbesorgt. Bis wir Menschen mit zusätzlicher Wetware ausstatten können, werden vermutlich noch einige Jahrhunderte ins Land ziehen.

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