Ja, du hast die Überschrift richtig gelesen: Wolfenstein-Entwickler Machine Games erzählt auf der gamescom 2019 vom Gegenwind, den sie aufgrund ihres Spiels von Rechts bekommen haben. Sie bedauern, dass wir in einer Zeit leben, in der man sich offenbar dafür rechtfertigen muss, gegen Nazis zu sein.

 

Wolfenstein 2: The New Colossus

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Wolfenstein 2: The New Colossus

Keine andere Spieleserie steht so sehr für den Kampf gegen Nazis wie die Wolfenstein-Reihe. Um nichts anderes geht es seit Anfang der Neunziger in den Spielen. In einem Interview mit PC Games Insider gestand Senior Game Director Andreas Öjerfors nun auf der gamescom 2019, dass es „unglaublich merkwürdig und enttäuschend“ ist, dass Wolfenstein in der heutigen Zeit (politisch) relevant geworden sei.

Warum ist Wolfenstein plötzlich relevant?

Eigentlich wollten Öjerfors und Machine Games nur eine gute Geschichten für die neuen Wolfenstein-Spiele schreiben. Dass sie politische Aussagen treffen, war nicht vorgesehen. Als dann jedoch Bethesda zu Marketing-Zwecken ein Video auf Twitter veröffentlichte, ging das für Trump-Supporter und Rechte zu weit. Die hatten nämlich vor allem mit dem Satz über dem eigentlichen Video ein Problem: „Make Amerika Nazi-Free Again.“

Dass der Satz nicht nur in Bezug auf Wolfenstein 2: The New Colossus, sondern auch auf Trumps Spruch „Make America Great Again“ gelesen werden konnte, missfiel Anhängern des Präsidenten. Plötzlich entstand im Internet die Debatte, es sei problematisch, ein Spiel zu produzieren, indem man Nazis bekämpft. Und dass es problematisch sei, dass Publisher Bethesda und Entwickler Machine Games mit dem Spiel politische Aussagen treffen würden.

Wolfenstein 2: The New Colossus - Nieder mit dem Regime - Trailer

Dass Wolfenstein 2 auch als ein Kommentar auf aktuelle Geschehnissen angesehen werden kann, war eigentlich nie vorgesehen, bestätigte id Software-Mitarbeiter Tim Willits in einem Interview mit GIGA GAMES – Wolfenstein sei nicht politisch, weil es immer Spaß macht, Nazis zu erschießen, „egal auf welcher Seite du stehst“. Öjerfors fasst die Situation nachträglich auf der gamescom 2019 zusammen und erklärt:

„Aber dann, als wir anfingen, über Wolfenstein 2: The New Colossus zu reden, bekamen wir online Kommentare dazu, dass es im Spiel um den Kampf gegen Nazis geht. Irgendwie empfanden einige Leute das als problematisch, was unglaublich enttäuschend ist. Wir sehen einen Anstieg von rechtem Extremismus in der westlichen Welt. Wir sehen das zum großen Teil online. Rechtsextreme sind gut darin die Debatte online zu beeinflussen. Und natürlich haben sie möglicherweise uns dazu missbraucht, um die Wut im Netz anzukurbeln, während wir an Wolfenstein 2 arbeiteten.“

Zu Wolfenstein 2 entwickelte sich im Netz eine richtiger Shitstorm mit all den typischen Kommentaren und Beschimpfungen von überwiegend weißen Menschen, die sich herabgesetzt fühlten. Dass dies einen Entwickler, der eigentlich nur ein spaßiges Videospiel bieten will, enttäuscht, ist verständlich.

Meinung von Daniel:

Nicht die Wolfenstein-Spiele haben sich geändert, der Zeitgeist ist ein anderer. Was vor ein paar Jahren noch in der Gesellschaft durchgängig als völkische und rassistische Aussagen gebrandmarkt worden wäre, ist plötzlich eine normale Meinung – „das darf man doch noch sagen dürfen“. Wenn nicht, wird vor linker Meinungsmache gewarnt. Dass diese völkische, rassistische Meinung schon einmal zu Genoziden und Millionen Toden geführt hat, ist dann ein „unsäglicher Vergleich“. Was wir in Amerika erleben, eine Verschiebung nach rechts, wird übrigens auch in Europa und in Deutschland deutlich. Auf einmal scheint es in Ordnung zu sein, darüber zu reden, dass eine Umvolkung stattfinden würde, dass die NS-Zeit ein Vogelschiss in der Geschichte Deutchlands sei. Mit dieser Stimmung im Hintergrund ist dann auch auf einmal ein Spiel, in dem es darum geht Nazis zu bekämpfen, „problematisch“. Und das, obwohl die in Wolfenstein deutlich werdende Warnung vor einem totalitären Regime, das die Freiheit jedes Einzelnen in Gefahr bringt, doch durchaus eine sinnvolle, angebrachte ist.

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