Die Lager der Grafikkartenhersteller sind randvoll mit aktuellen GPU-Modellen und das wird sich so schnell nicht ändern. Laut einer aktuellen Analyse gehen die Grafikkartenverkäufe sogar weiter zurück. Sorgt dieses Überangebot nun für den lang erwarteten Preissturz?

Grafikkarten-Markt-Analyse: AMD und Nvidia liefern weniger Grafikchips aus

Angebot und Nachfrage driften auf dem Grafikkarten-Markt gerade deutlich auseinander – zumindest laut der Analyse des Teams von Jon Peddie Research. In seinem Bericht gibt das Unternehmen an, dass im vierten Quartal 2018 10,8 Prozent weniger Desktop-Grafikkarten im Vergleich zum vorhergehenden Zeitrum verkauft wurden. Da der Markt von den beiden Chipherstellern AMD und Nvidia dominiert wird, trifft der Verkaufsrückgang diese besonders hart: AMD lieferte 6,8 Prozent weniger Grafikchips aus, bei Nvidia waren es sogar 7,6 Prozent.

Obwohl Nvidias aktuelle RTX-Karten auf eine komplett neue Grafiktechnologie setzen, gehen die Verkaufszahlen zurück. Dabei sorgt Raytracing für einige spektakuläre Ergebnisse:

So sieht Raytracing in Metro Exodus aus.

Marktanteile im GPU-Segment: Nvidia und AMD verlieren, Intel gewinnt

Während AMD und Nvidias Marktanteile im Vergleich zum dritten Quartal 2018 um 0,6 bzw. 0,82 Prozent abnahmen, konnte Intel satte 1,4 Prozent gutmachen. Auch bei den ausgelieferten Grafikeinheiten verbuchte „Team Blau“ lediglich einen Rückgang von 0,7 Prozent.

Das dürfte daran liegen, dass vor allem das Geschäft mit diskreten Grafikkarten schwächelt, Intel aber bislang ausschließlich integrierte GPUs anbietet. Der Halbleiter-Hersteller hat jedoch einige Mittel in Bewegung gesetzt, um auf dem Markt für diskrete Grafikkarten wieder Fuß zu fassen.

Verkaufsrückgang bei Grafikkarten: Was sind die Gründe?

Der Markt ist aktuell gesättigt. Sowohl AMD als auch Nvidia haben während des Krypto-Booms massenhaft GPUs gefertigt, um die gestiegene Nachfrage an Grafikkarten zum Minen zu bedienen. Nach dem Platzen der Krypto-Blase brach die Nachfrage ein, die Lager blieben voll.

Nach der Einschätzung des Teams von Jon Peddie Reearch kann man davon ausgehen, dass dieses Überangebot an Grafikkarten noch bis ins zweite Quartal 2019 anhalten wird. Durch den Verkaufsrückgang stürzten auch die Umsatzzahlen von Nvidia ins Bodenlose.

Angebot > Nachfrage: Sinken jetzt die Preise für Grafikkarten?

Aus der Volkswirtschaftslehre wissen wir, dass die Kombination aus Angebot und Nachfrage den Produktpreis bestimmt. Wenn die Restbestände an Grafikkarten aktuell wie Blei in den Regalen liegen, müssen die Händler entsprechend die Preise reduzieren, um ihr Inventar noch an den Mann zu bringen. Das dürfte auch der Grund für den üppigen Preisnachlass zahlreicher Mittelklasse-Grafikkarten aus der letzten Generation sein.

Vor allem die RX 570 und RX 580 von AMD haben einen regelrechten Preissturz hinter sich. Innerhalb von 6 Monaten fiel der Preis beider Karten um rund 80 Euro. Gerade deswegen eignen sich beide Modelle aktuell fantastisch für den Einbau in einen günstigen Gaming-Rechner. Doch auch die GTX 1060 und GTX 1070 unterlagen innerhalb der letzten 6 Monaten einen starken Preisverfall, während die GTX 1080 und GTX 1080 Ti aus dem Sortiment der Händler verschwanden.

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Lediglich die Preise von Nvidias aktuellen RTX-Grafikkarten halten sich weiterhin wacker, obwohl inzwischen auch die Kosten für einige RTX-2060-Modelle innerhalb der letzten Wochen etwas gefallen sind.

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Wenn die Aussagen von Jon Peddie Research zutreffen, könnten die Preise für Grafikkarten in den kommenden Monaten weiter auf Talfahrt gehen. Grundsätzlich gilt aber immer noch: Der beste Zeitpunkt, um sich neue Hardware zu kaufen, ist dann gekommen, wenn man neue Hardware braucht.