Edward Snowden und Chelsea Manning – Schicksale zweier Whistleblower

Annika Kremer 11

Die Whistleblower Chelsea Manning und Edward Snowden sind beide für die Aufdeckung großer Geheimdienst-Skandale zuständig. Wie aber geht es Manning und Snowden heute und wie haben die Enthüllungen ihr Leben verändert?

Geheimdienst-Operationen, massenhafte Überwachungsprogramme, dunkle Geheimnisse der US-Armee – in den letzten Jahren wurden viele Dinge aufgedeckt und mit Hilfe des Internets bekannt gemacht, die die Mächtigen wohl lieber für sich behalten hätten. An einigen Stellen kam es so zu einer öffentlichen Diskussion über diese Handlungen, die ohne die Enthüllungen in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Was aber ist mit denjenigen, die durch ihre mutige Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, diese Diskussionen erst möglich gemacht haben?

Chelsea Manning (früher Bradley Manning) und Edward Snowden – zwei junge Menschen, die aus ähnlichen Motiven ähnliche Entscheidungen getroffen haben, deren Schicksal nach dem Akt des Whistleblowing aber unterschiedlicher kaum sein könnte. Was ist in letzter Zeit aus den beiden Informanten im Dienste der Öffentlichkeit geworden?

Chelsea Manning: Inhaftiert, aber nicht vergessen

Chelsea Manning gab während ihrer Tätigkeit als Geheimdienst-Analystin bei der US-Armee (damals noch unter dem Namen Bradley Manning; Manning ist transsexuell) eine große Anzahl von Geheimdokumenten der US-Regierung, -Geheimdienste und -Streitkräfte an die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks weiter. Darunter waren unter anderem Berichte aus verschiedenen Kriegsgebieten, ein skandalträchtiges Video eines US-Militärhelikopters (von WikiLeaks unter dem Aufsehen erregenden Namen „Collateral Murder“ veröffentlicht), interne Berichte aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo Bay sowie eine große Anzahl diplomatischer Depeschen.

Collateral Murder - Wikileaks - Iraq.

In einem spektakulären Prozess wurde Manning schließlich – nachdem sie von Ex-Hacker Adrian Lamo, dem sie sich anvertraut hatte, an das FBI verraten worden war – zu 35 Jahren Haft verurteilt. Die Anklage lautete auf Spionage, Verstöße gegen Armee-Vorschriften sowie mehrere IT-Delikte. Diese Haftstrafe sitzt Manning derzeit im Militärgefängnis von Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas ab.

Als transsexuelle Frau hat es Manning im Gefängnis nicht leicht. In einem Kommentar in der englischen Zeitung „The Guardian“  schrieb Manning im Dezember 2014, die US-Regierung verweigere ihr ihre Bürgerrechte. Passend zur in fast allen Teilen der Gesellschaft verbreiteten systematischen Diskriminierung transsexueller Menschen würde ihr das Leben im Militärgefängnis äußerst schwer gemacht. So versucht sie derzeit, ihr Geschlecht in den offiziellen Akten zu ändern. Eine derartige Anerkennung ihrer gefühlten Identität ist vielen Transsexuellen äußerst wichtig. Mannings Bemühungen stoßen aber ihren Berichten zufolge auf massive bürokratische Hindernisse. Zwar hat sie die Unterstützung durch zwei Militär-Psychologen, die bescheinigen, dass sie sich als Frau fühlt. Das jedoch scheint den militärischen Behörden nicht zu reichen. Nicht nur die Änderung ihrer Papiere ist schwierig. Auch von ihr gewünschte medizinische Behandlungen, die ihren Körper ihrem gefühlten Geschlecht angleichen würden, insbesondere Hormontherapie, bekommt Manning derzeit nicht.

In diesen schwierigen Zeiten versuchen viele Menschen, Manning ihre Solidarität und ihren Respekt vor ihrem mutigen Handeln auszudrücken, ihr zu zeigen, dass sie nicht vergessen ist. Zu ihrem 27. Geburtstag am 17. Dezember 2014 erhielt Manning eine ganze Flut von Gruß- und Glückwunschkarten, Briefen und Zeichnungen von Unterstützern aus aller Welt, darunter auch einer Reihe von Prominenten. Eine Auswahl davon wurde vom „Chelsea Manning Support Network“ veröffentlicht.

Nach Mannings Geburtstag wurde es in der öffentlichen Berichterstattung wieder ruhiger um Manning. Sie sitzt nach wie vor im Gefängnis, während sich ihr Anwaltsteam um eine Verbesserung ihrer Haftbedingungen bemüht.

Auf Seite 2 schauen wir uns an, was aus Edward Snowden geworden ist

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung