Szeniastisch: The City of New York vs. Edward Norton in 25 Stunden

Jan-Thilo Caesar 3

Nachdem wir letzte Woche bei Szeniastisch jede Menge Blut und Schwertschnetzeleien gesehen haben, ist es heute mal wieder an der Zeit für ein Wortgefecht. Der einzige Feind, den Edward Norton in „25 Stunden“ hat, ist allerdings er selbst. Mit seinem fantastischen Monolog hat der Schauspieler nicht nur eine großartige Performance abgeliefert, sondern unserer Meinung nach auch ein kleines Stück Filmgeschichte geschrieben.

Szeniastisch: The City of New York vs. Edward Norton in 25 Stunden
Bildquelle: © Buena Vista.

Wie oft kann man das Wort „Fuck“ eigentlich in einer Liebeserklärung unterbringen? Regisseur Spike Lee und Ausnahme-Schauspieler Edward Norton haben die Antwort: Genau 40 Mal. Wenn der ehemalige Drogendealer Monty in „25 Stunden“ vor dem Spiegel steht und in einer knapp fünfminütigen Hasstirade gegen alles und jeden wettert, erreicht der Film eine Intensität, bei der sich einem die Nackenhaare aufstellen.

Mit einem großen „Fuck You“ an Schwarze, Weiße, Puerto Ricaner, Koreaner und Inder, an die Russenmafia und an die Wallstreet-Broker, an Katholiken und Muslime, an New York City und alles dazu gehört, an die ganze Welt, projiziert Monty sein eigenes Unglück auf die komplette Menschheit in all ihren Facetten. Spätestens gegen Ende der Szene wird aber klar, dass der ungestüme, wild um sich schlagende Hass vor allem seinem Spiegelbild gilt und sein Scheiß-auf-alles-Monolog gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an die Stadt New York ist.

Wow, so sieht man das Hollywood-Kino selten. Nach eigenen Angaben hat Edward Norton jeden Penny, den er mit „Roter Drache“ verdient hat, in diesen Film investiert. Mit Spike Lee steht zudem genau der richtige Mann hinter der Kamera, denn der Regisseur verlieh seiner tiefen Verbundenheit mit der Stadt schon in seinen früheren Werken Ausdruck und lieferte mit „25 Stunden“ den vielleicht besten Film seiner Karriere ab. Mit eindrücklichen Close-Ups von Norton und der durch starke Übersättigung teils surreal anmutenden Bildercollage, die den Zuschauer durch den langen Monolog führen, findet Lee genau den richtigen Ton, der für diese Szene unabdingbar ist.

25th-hour
Auch die Filmmusik von Terence Blanchard, dem Stammkomponisten von Spike Lee, verdient eine Erwähnung: Anfangs noch bedächtig und leise, schwillt der Soundtrack immer weiter an, während sich Monty gleichzeitig in seine Wut hineinsteigert und schiebt sich erst unauffällig in den Vordergrund, bis wieder eine Stufe zurückgefahren und mit einem weiteren Crescendo der Schlussakt einleitet wird. Wenn plötzlich die Trompete ausreist und ein kurzes Solo anspielt, erreicht die Szene ihren Höhepunkt und endet schließlich so leise und bedächtig, wie sie angefangen hat. Gänsehaut!

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich „25 Stunden“ nochmal anzuschauen oder den Film möglicherweise noch gar nicht gesehen hat, kann den Film bei Amazon finden:

Noch nicht überzeugt? Dann schaut euch hier den Trailer an:

25 Stunden - Trailer 1 Deutsch.mp4.

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