Unbroken - Kritik

Daniel Schmidt

In Angelina Jolies zweitem Werk als Regisseurin wird die wahre Geschichte des Italoamerikaners, Olympioniken, Kriegsveteranen und Kriegsgefangenem Luois Zamperini (1914-2017) erzählt. Die bewegte Lebensgeschichte des Mannes, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet, kommt nun auch in Deutschland ins Kino.

Unbroken - Kritik

Louis Zemperini war wohl das, was heute als Problemkind bezeichnet wird. Als Sohn italienischer Einwanderer wird er gehänselt, er prügelt sich, trinkt Schnaps und raucht schon als Zehnjähriger. Hätte sein älterer Bruder nicht sein Talent zum Laufen entdeckt, wäre wohl nie etwas aus ihm geworden. Unter Anleitung des Bruders wird er dann aber doch zum schnellsten Läufer des amerikanischen Highschool-Sports und darf bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin für die USA antreten, wo er sogar einen Rekord aufstellt.

Sein Glück wendet sich jedoch, als er als Bombenschütze in den zweiten Weltkrieg ziehen muss. Auch sein Traum von der Olympiade in Japan stirbt, denn die Spiele werden wegen des Krieges abgesagt. Zamperini und seine Mannschaft stürzen mit einem Bomber über dem offenem Meer ab. Nur Louis und ein Kamerad überleben auf einem Schlauchboot und werden erst nach mehr als einem Monat von Truppen des japanischen Kaiserreiches aufgelesen. So geraten die Beiden in Kriegsgefangenschaft.

Besonders der ehemalige Olympia-Athlet wird vom Leiter des Gefangenenlagers brutal gequält und gefoltert, bricht unter dem Druck jedoch nie zusammen. Auch als das Lager durch amerikanische Bomben beschädigt wird, entkommt der Held seinem Peiniger nicht. Dieser leitet nämlich auch das nächste Camp, in das die Gefangenen verlegt werden. Dort geht es sogar noch martialischer zu als bisher. Erst als der Krieg endlich vorüber ist, können die amerikanischen Insassen befreit und in die Vereinigten Staaten zurückgebracht werden. Dort wird Louis Zamperini mit seiner Familie wiedervereint.

Eine sehenswerte Geschichte begraben unter Schichten von Kitsch

Was ein anrührender Film über einen beeindruckenden Mann mit einer bewegenden Geschichte hätte werden können, ist leider zu einem typisch übertriebenen Hollywood-Streifen mit wenig Sensibilität für subtile Momente geworden. Von Anfang an wirken die Bilder etwas zu groß, die Ausstattung etwas zu übertrieben und die Gesten etwas zu überzogen, um dem Titelhelden ausreichend Raum für Entwicklung zu lassen. Dabei macht Jungschauspieler Jack O’Connell seine Sache durchaus gut. Trotz allem scheint Angelina Jolie ihm nicht recht zuzutrauen, die Zuschauer zu überzeugen und gibt ihm immer wieder überflüssige Hilfsmittel mit, die mehr schaden, als dass sie helfen. Allein die auffällig kohlrabenschwarz gefärbten Haare, die jeden Zweifel an Louis italienischer Herkunft ausräumen sollen rufen geradezu: „Ich spiele nur eine Rolle, dies ist eine Maskerade!“

Auch scheint sie ihm nicht zuzutrauen, das emotionale Gewicht der Story zu halten und schmückt seine Beziehungen zu anderen immer wieder mit Plattitüden und hohlen Phrasen, die sich durch den Film ziehen, wie eine leichte, aber penetrante Knoblauchfahne. Das Gleiche gilt für die Schicksalsschläge, mit denen Louis Zamperini zu kämpfen hat. Immer wieder wird das Schlauchboot der abgestürzten Soldaten von dutzenden Haien umkreist, als wäre die Situation an sich nicht schon schockierend genug. Nur auf den Bildern, die zwischen den Hai-Attacken stehen, auf denen man verzweifelte und verdurstende Männer auf einem Boot umringt von Wasser sieht, meint man zu erkennen, was für ein wirklich guter Film unter den vielen, dicken Lagen Pathos stecken könnte.

Kaum schafft es O’Connell mit seiner schauspielerischen Leistung das Wohlwollen des Zuschauers zurückzugewinnen, wird ihm die größte Fehlbesetzung des gesamten Films als Partner gegenüber gestellt. In die Rolle des Leiters im Gefangenenlager Mutsuhiro Watanabe schlüpft der japanische Popmusiker Miyavi. Jolie verpasst hier die Gelegenheit, mit wenig Mitteln eine wahrhaftig furchterregende Beziehung zwischen Gefangenem und Wärter zu schaffen. Statt wie ein Meister des subtilen Masochismus, wirkt Miyavi konsequent wie ein Komparse aus „Kill Bill“, der sich nicht mit seiner Nebenrolle abfinden mag. Die finale Rettung der Insassen, die nur um Sekunden einem Massaker bei einem Bad im Fluss entgehen, trieft vor amerikanischem Heroismus, dass man laut aufseufzen möchte.

Fazit

Trotz des übertriebenen Pathos und der mit Stilmitteln zugekleisterten Schauspielkunst des Hauptdarstellers ist und bleibt „Unbroken“ eine erzählenswerte Geschichte. Die Momente, in denen O’Donnell allein und ungestört agieren kann, sind zwar rar, aber sie entschädigen immer wieder, wenn auch nur für kurze Zeit. Freunde des amerikanischen Heldenmythos und des Kriegsdramas kommen sicher auch auf ihre Kosten. Grundsätzlich ist die wahre Lebensgeschichte, soweit sie der Dekorationswut entgangen ist, an sich schon sehens- und erlebenswert. Man muss nur leider sehr nach ihr suchen.

rating4

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