Was wurde aus... Mickey Rourke?

Christoph Koch 5

Mickey Rourke gelang mit seiner Rolle des Marv in „Sin City“ und seinem grandiosen Spiel in „The Wrestler“ ein riesen Comeback, doch schon kurz danach verschwand der Mime wieder in der Versenkung. Was ist passiert? Wo ist der Held alter Schauspiel-Tage? Wir haben einmal nachgeforscht. 

Was wurde aus... Mickey Rourke?
Bildquelle: ©Arthaus.

Er war einer der aufstrebenden Jungstars in Hollywood und konnte mit seinem Charme und Aussehen Millionen Frauenherzen zum dahin schmelzen bringen: Mickey Rourke. Seine Hollywood-Karriere erreichte seinen Höhepunkt, als er 1986 an der Seite von Kim Basinger im Erotik-Drama „9 ½ Wochen“ zu sehen war.

Doch Mickey Rourke setzte sein Aussehen aufs Spiel, als er sich entschied, in den Boxring zu steigen und als professioneller Boxer die Welt des Sports zu erobern. Sein Gesicht wurde dabei sehr in Mitleidenschaft gezogen und allerhand plastische Chirurgie musste her, um den ehemaligen Hollywood-Schönling wieder ansehnlich zu gestalten. Doch wie er selbst sagt, waren die Bemühungen einer Schadensbegrenzung leider nicht sonderlich von Erfolg geprägt, sondern verschlimmbesserten das Ganze noch.

Das große Comeback von Mickey Rourke

Seine Schauspiel-Karriere schien nach dieser einschneidenden Entscheidung eigentlich schon am Ende, nachdem er es sich auch noch mit allerhand Produzenten, Regisseuren und Schauspielern in Hollywood durch seine oftmals sehr komplizierte Art verscherzt hatte. Seine Meinung über das Filmgeschäft tat er zu jeder Gelegenheit lauthals kund und da diese nicht sonderlich positiv war, wollte niemand mit ihm zusammenarbeiten. Doch 2005 konnte er eine Rolle in Robert Rodriguez‚ Film „Sin City“ ergattern, in dem er in die Rolle des Killers Marv schlüpfte. Plötzlich erntete Rourke wieder Lob, etwas, was er seit Jahren nicht mehr zu hören bekam.

Er selbst wusste, dass dies eine einmalige Chance darstellte, wieder voll durchzustarten, wie er in einem Interview zum Film „Domino“ verriet: „Ich bekomme nicht noch mehr Chancen. Das ist es für mich, wenn ich das hier versaue, kann ich auch gleich vom Balkon springen.“

Drei Jahre später, 2008, war er als abgehalfterter Wrestler Randy „The Ram“ Robinson, der seine besten Jahre schon lange hinter sich hat, in Darren Aronofskys Drama „The Wrestler“ zu sehen. Seine Performance begeisterte Kritiker und Fans, vielleicht auch, weil hier viele Parallelen zum Leben Rourkes zu finden sind und er damit eng mit der Rolle verbunden schien.

Rourke war danach mit einer Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller in der Tasche wieder auf dem Weg an die Spitze Hollywoods. „Nach The Wrestler realisierte ich, dass ich hier eine zweite Chance bekomme, nachdem ich alles wegwarf. Ich denke, was ich gelernt habe ist, dass ich Filme machen und mit Leuten zusammenarbeite sollte, die ich respektiere und nicht für die Bezahlung.“ sagte der Entertainment Weekly im Jahre 2010.

Vorsätze halten nicht ewig…

Er nahm sich selbst beim Wort und war danach als Bösewicht in „Iron Man 2“ zu sehen, doch dieser Auftritt kann wohl auch als Wendepunkt im Comeback des Mickey Rourke betrachtet werden. Als „Iron Man 2“ veröffentlicht wurde, änderte sich die Stimmung Rourkes, der für die Rolle extra drei Monate lang russisch lernte, schlagartig. Er fühlte sich von Marvel betrogen: „Die haben die gottverdammte Performance fast komplett rausgeschnitten.“ Ab da an ging es bergabwärts.

Von seiner Einstellung vergangener Tage ist leider nicht mehr viel übrig geblieben, denn der Hype um Mickey Rourke verflog so schnell, wie er gekommen war. Mickey Rourke fühlte sich, mal wieder, von der Filmindustrie hintergangen und verfiel erneut in seine alten Verhaltensmuster, bei denen er keine Möglichkeit auslässt, um über die Industrie herzuziehen. Habt ihr auch grad ein Déjà vu? Wenn wir etwas über Rourke lesen durften, dann nur, wenn er mal wieder auffällig wurde und er sich beschwert, wie doof die Vergangenheit gelaufen ist oder wie schlecht seine neusten Projekte sind.

Im Grunde genommen ist eine gesunde Portion Ehrlichkeit, vor allem im Filmgeschäft, ja immer ganz erfrischend, doch Rourke tut alles dafür, potentielle neue Projekte zu vergraulen. Beispiel? Bitte sehr: In einem Interview mit Vulture aus dem Jahre 2011 spricht er über seine wahren Gefühle gegenüber den Filmen „13“ und „Passion Play“.

Du und 50 Cent sind zusammen in diesem Film („13“), oder?

Ein wirklich mieser Film, ja.

Wie? Er ist draußen?

Nein, der ist so schlecht, den kann man nicht rausbringen.

Dann sag mir, warum du ihn gemacht hast?

Fürs Geld.

Aber du denkst, es ist ein schlechter Film.

Schrecklich.

Was ist mit deinem Film mit Megan Fox und Bill Murray? („Passion Play“)

Schrecklich! Ein weiterer mieser Film. Aber weißt du, in deiner Karriere und bei all den Filmen, die du machst, machst du auch dutzende Schlechte.

Die vergeigte Chance des Mickey Rourke

Wenn wir uns die Filme anschauen, die Rourke nach „The Wrestler“ drehte, können wir ihm da leider nur zustimmen. Wir müssen gestehen, dass er die damalige, eigentlich einmalige Chance, erneut in die A-Liga der Hollywood-Stars aufzusteigen, in den Sand gesetzt hat. Mit Ausnahme von ein oder zwei Performances, ist sehr viel durchschnittliche bis schlechte Film-Kost dabei. Er scheint unbeteiligt bei „13“ oder auch „The Expendables“ mitzuspielen und auch in „Passion Play“ vermissen wir den Rourke, den wir noch in „The Wrestler“ bewundern durften.

Auch vom Boxen konnte der Herr nicht die Finger lassen und stieg erst vor kurzem wieder für einen Kampf in den Ring. Dabei besiegte er zwar locker einen halb so alten Boxer, doch später kam heraus, dass das ganze Match ein abgekartetes Spiel und der gegnerische Boxer nicht ganz so zurechnungsfähig war. Rourke hatte damit also schon von Beginn an leichtes Spiel. In Runde 2 ging sein Gegner zu Boden.

Es scheint also so, als ob sich Rourke ein weiteres Mal aus dem großen Schauspiel-Geschäft verabschiedet hat, auch wenn er vergangenes Jahr noch in „Sin City 2“ zu sehen war. Eine große und triumphale Rückkehr wird es wohl nicht wieder geben, denn die hat er schon einmal vergeigt. Wir müssen also seine alten Werke oder aber „The Wrestler“ in den Player packen, um eine Extra Portion Micky Rourke erleben zu dürfen. Oder aber auf das Drama „Ashby“ warten, dass 2015 erscheinen soll und in dem er einen ehemaligen CIA-Killer spielt, der nur noch ein paar Monaten zu leben hat. Ob dieser Film ihn aus der Versenkung holen wird? Wir bezweifeln es.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA FILM

  • Fußball heute: Deutschland – Serbien, Übertragung U21-EM im Live-Stream und TV

    Fußball heute: Deutschland – Serbien, Übertragung U21-EM im Live-Stream und TV

    Nachdem die „große“ deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der vergangenen Woche in den wohl verdienten Sommerurlaub gegangen ist, wird in diesen Tagen noch einmal für den Nachwuchs ernst. In Italien startete am Sonntag die U21-Europameisterschaft. Ihr könnt alle Spiele der Fußball-U21-EM 2019 im Live-Stream und TV mitverfolgen. Heute, am Donnerstag, den 20. Juni, geht es in das zweite Gruppenspiel der deutschen...
    Martin Maciej
  • Neu auf Sky Ticket – Juni 2019: Die Entertainment- & Cinema-Neuheiten

    Neu auf Sky Ticket – Juni 2019: Die Entertainment- & Cinema-Neuheiten

    Mit dem Sky Ticket Entertainment könnt ihr monatlich neue Staffeln von beliebten Serien oder komplette Serien-Neuerscheinungen im Live-Stream und auf Abruf ansehen. Für Sky Ticket Cinema gilt das Gleiche, nur im Filmbereich. Auf welche neuen Serien und Filme ihr euch mit dem Sky Ticket im Juli 2019 freuen könnt, haben wir hier für euch zusammengefasst.
    Thomas Kolkmann
* Werbung