Hans Landa: Tarantinos Lieblingscharakter - Der sprachbegabte Sadist

Kristina Kielblock

Quentin Tarantino hat auf dem Jerusalem Film Festival nicht nur alle Fans mit seinen Ruhestandsplänen beunruhigt, sondern er hat sich auch mal selbst gelobt: Er hält Hans Landa, den sadistischen SS-Standartenführer aus dem Film Inglourious Basterds für seinen besten Filmcharakter ever! Warum das so ist & wie glücklich er mit Christoph Waltz als Besetzung war, hat er auch noch verraten. 

"INGLOURIOUS BASTERDS" Brad Pitt, Christoph Waltz | Deutsch German Kritik Review & Trailer Link [HD].

Christoph Waltz hat sich viele Jahre durch diverse Produktionen gespielt und seine Sache wirklich gut gemacht. Aber bevor er 52 wurde, hat das einfach kaum jemand zur Kenntnis genommen. 2009 hat ihm dann seine Darstellung des SS-Standartenführers Hans Landa in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds einen Oscar eingebracht, viele weitere gute Engagements nach sich gezogen, wie auch diverse Auszeichnungen und seinen zweiten Auftritt in einem Tarantino-Film als Dr. King Schultz in Django Unchained. Auch dafür erhielt er einen Oscar.

Aber, wie jetzt zu erfahren war, hat auch Tarantino von dem Zusammentreffen mit Waltz sehr profitiert, denn gerade die Besetzung des Hans Landa war eine besondere Herausforderung und erforderte eine ganz besondere Begabung. Auf dem Festival beschreibt Tarantino, dass das Casting für Landas Rolle so aufreibend war, dass er schon bereit war, den gesamten Film zu canceln, die Times of Israel zitiert:

Der Charakter war so lebendig auf dem Papier, man hat ihm alles abgekauft (…) wenn man hätte warten müssen, bis ein Schauspieler diese Sachen gelernt hätte, wäre er nie der Landa wie auf dem Papier geworden.

Beim Schreiben der Figur hatte Tarantino nämlich herausgefunden, dass Hans Landa ein Sprachgenie war:

Als ich die Eröffnungsszene im Bauernhaus geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass Standartenführer Landa ein linguistisches Genie ist, aber während des Schreibprozesses wurde er dazu. Egal, welcher Charakter den Raum betrat, er könnte ihm in dessen Muttersprache begegnen und sie sehr gut sprechen. Es wird nicht gezeigt, wie er es tut, aber er ist wahrscheinlich der einzige Nazi in der Kino-Geschichte, der Jiddisch perfekt sprechen kann.“ (Lachen) „Wenn Filipinos in den Raum kommen würden, könnte er sofort auf Tagolog auf sie einsteigen und würde keinen Klick falsch machen.“ (Noch mehr Lachen) 

Hans Landa: Der Judenjäger

Der Lieblingscharakter von Quentin Tarantino ist ein fiktives Erzeugnis seines Gehirns - Hans Landa hat es nicht gegeben, aber natürlich war der NS-Staat angefüllt mit Menschen, die als reale Vorbilder für diese Figur dienen können. Den hässlichen, dummen und in seiner Schlichtheit unermesslich brutalen Nazi kennt man aus diversen Filmen, aber eher selten erleben wir Menschen, wie Christoph Waltz seinen Hans Landa spielt: polyglott, sehr gebildet, gewandt, höflich, stilvoll und unendlich zynisch.

Damit erzählt Tarantino uns nichts Unbekanntes, aber er bietet dem Zuschauer wieder mal eine neue Möglichkeit, die Wirklichkeit zu betrachten und damit andere Perspektiven zu schärfen. Hans Landa steht für kultivierte und gebildete Deutsche bzw. Österreicher bzw. Nazis, die mit großer Eleganz ihre Bestialität gelebt und sich zu Triebfedern und Handlangern der Judenvernichtung gemacht haben.

Der herausragende Nazi-Darsteller Christoph Waltz bewundert übrigens Oskar Werner in „“ als eine ganz großartige Darstellung eines Nazi.  übrigens im kostenlosen Stream.

Quentin Tarantino im Ruhestand?

Im Zuge des Festivals ging es nicht nur darum, welchen Protagonisten aus seinen Filmen Tarantino am Besten findet, der Regisseur sprach auch zum wiederholten Male über seine Pläne, mit dem Filmemachen aufzuhören. Schon früher hatte er gesagt, dass er nach zehn Filmen einen Schlussstrich ziehen will, dieser Termin rückt nun Film um Film näher und Tarantino hat dieses Statement auf dem Festival noch mal bekräftigt. Allerdings zählt er dabei die beiden Kill-Bill-Filme als einen, sodass auf jeden Fall noch zwei Filme bevorstehen. Er schließt auch nicht aus, mit 75 noch einmal auf die Leinwand zurückzukehren und erwähnte, sich im Ruhestand womöglich mehr der Literatur zuzuwenden. Wir werden sehen, wollen aber jetzt auf keinen Fall schon daran denken.

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