Sean Penn & El Chapo: Der Film seines Lebens - 5 Fakten zum Drogen-König

Kristina Kielblock

Sean Penn und der meist gesuchteste und vielleicht auch eitelste Drogenboss der Welt - Joaquín Guzmán - treffen sich zu einem Plauderstündchen im Dschungel. Sean Penn will El Chapo und sein schillerndes Leben verfilmen. Bis es soweit ist, hat er erst mal alles über das Treffen für den Rolling Stone aufgeschrieben. El Chapo ist jetzt in Haft und für Penn hagelt es Kritik. 5 Fakten zum Drogenboss und dem skurrilen Interview.  

Meist gesucht ist El Chapo (der Kurze) jetzt nicht mehr, denn er sitzt wieder im Gewahrsam der mexikanischen Behörden fest. Es gibt zwar immer noch ein Auslieferungsbegehren aus Washington, aber zur Zeit weiß man noch nicht, wie es mit dem ehemaligen obersten Chef des mexikanischen Drogenkartells Sinaloa weitergehen wird. Vor El Chapo hat es nur Al Capone in den 1930er Jahren geschafft, Staatsfeind Nr. 1 der USA zu werden - die Zuschreibung vergibt die Chicago Crime Commission (CCC). Diese Liste ist übrigens unabhängig von der, die das FBI mit den meist gesuchten Personen veröffentlicht.

1. Spektakuläre Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis

Mitte Juli 2015 gelang El Chapo die Flucht aus einem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis. Die Behörden veröffentlichten die Bilder der Überwachungskamera seiner Zelle. Darauf kann man sehen, wie der Kartell-Chef sich auf sein Bett setzt, die Schuhe wechselt und in die Dusche verschwindet. Dort endete ein etwa 1,5 Kilometer langer Tunnel, durch den ihm die Flucht gelang. Natürlich gibt es seitdem viele Spekulationen, wie ihm diese Flucht gelungen ist - es wird sogar gemunkelt, dass Sean Penn seine Finger bereits zu diesem Zeitpunkt im Spiel hatte. Es ist aber unwahrscheinlich, dass ein Verbrecher dieser Größenordnung auf die Hilfe eines Schauspielers angewiesen sein sollte. Bekannt und gesichert ist, dass El Chapo gute Fluchthelfer - unter anderem in Deutschland - ausgebildet hat.

2. Eigene Privatarmee: Die Sicarios

Guzmán verfügt über eine Privatarmee, die Sicarios, die allzeit bereit zum Morden ist und ihn verteidigt und beschützt. Sie waren auch vor Ort, als die Sicherheitskräfte El Chapo in seinem Versteck, ein Haus in Los Mochis, aufspürten und gaben sich vor dem Haus ein intensives und langes Feuergefecht. Guzmán versuchte über die Kanalisation zu flüchten, fand dort Soldaten vor, flüchtete, konnte über ein Kanaldeckel entkommen und ein Auto kapern. Er wurde allerdings an der Autobahnauffahrt gefasst.

3. Kate del Castillo - Lockvogel oder beste Freundin?

Kate del Castillo ist eine mexikanische Schauspielerin mit US-Staatsbürgerschaft und lebt in L.A. Sie hat in der Telenovela „La Reina del Sur“ die Freundin eines Drogenbosses im Sinaloa-Kartell, Teresa Mendoza, verkörpert. Und an dieser Stelle haben sich Realität und Fiktion so gekonnt miteinander vermischt, dass keiner mehr so richtig sagen kann, wie die Beziehung zwischen El Chapo und del Castillo wirklich aussieht. Sicher ist:

  • Die beiden verbindet seit 2012 eine Brieffreundschaft. In diesem Jahr gab die Schauspielerin einen öffentlichen Appell an El Chapo raus, Gutes für die Welt zu tun. „Ich glaube heute mehr an Chapo Guzmán als an Regierungen, die die Wahrheit vor mir verstecken.“
  • Der verheiratete Kartell-Boss hat ihr Blumen und Geschenke geschickt - sowohl im Gefängnis, als auch auf der Flucht.
  • Sie war damit beauftragt, sich um die Organisation von Guzmáns Filmprojekt zu kümmern.

Es wird nun zu klären sein, ob del Castillo sich als Behörden-Lockvogel hat einspannen lassen, oder ob sie als Freundin bzw. Komplizin des Drogen-Bosses gehandelt hat. Fest steht, dass die Kontakte zu den Filmschaffenden, wie sie del Castillo vermittelt hat, entscheidend dazu beigetragen haben, dass El Chapo gefasst werden konnte. Hat er den falschen Personen vertraut?

waffen und drogen gehören zusammen gerade auch bei el chapo

4. Der Film über sein Leben

Die Idee, dass sein bewegtes Leben verfilmt werden soll, ist zwar ein wenig eitel, aber absolut verständlich. Er ist im Drogen-Business seit er 15 wurde und hat es weit gebracht - wie er selbst sagte, beherrscht er den Drogenmarkt und verfügt über eine Flotte aus Flugzeugen, U-Booten, Schiffen, usw. Sein Leben war extrem bewegt, seine Fluchten spektakulär. Ein Film darüber ist sicher spannend und voller Action, aber auch ein gutes Stück Problem-Kino, denn er müsste auch erzählen von den Lebensbedingungen für Jugendliche aus La Tuna, wo El Chapo herkommt. Die Region bietet kaum Alternativen zur Armut - das ist keine Rechtfertigung für seine Verbrechen, aber eine gute Erklärung, warum Kinder zu Dealern werden. Del Castillo hat diese Film-Idee publik gemacht und viele haben sich dafür interessiert - Sean Penn wollte sich dem Projekt annehmen, daher kam es zu diesem Treffen auf einer Dschungel-Lichtung, das im Rolling Stone publiziert wurde.

ortsschild von la tuna wo el chapo herkommt

5. Das Interview mit Joaquín Archivaldo Guzmán Loera

Sean Penn ist kein Journalist bzw. Reporter, und ob sein Treffen mit El Chapo für ihn unangenehme Konsequenzen haben wird, ist noch nicht geklärt. Denis McDonough, Stabschef von Obama, hat bislang auf CNN nur gesagt, dass Interview werfe Fragen an Penn und die anderen Beteiligten auf. Ob weitere Ermittlungen folgen werden, gab er noch nicht preis. Auch der republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio findet das Treffen zwischen Kartell-Chef und Oscar-Preisträger „grotesk“. Provokativ sprach er davon, dass ein Schauspieler, der den Vereinigten Staaten seine Karriere verdanke, natürlich das verfassungsmäßige Recht habe, sich bei einem Verbrecher und Drogenhändler einzuschleimen. Auch in Mexiko wird derzeit geprüft, ob del Castillo und Sean Penn mit dem Interview gegen Gesetze verstoßen haben.

Den kompletten Bericht des siebenstündigen Treffens am 02. Oktober 2015 auf einer Dschungellichtung mit Tequila könnt ihr beim Rolling Stone nachlesen.

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Bilder: Via Shutterstock.com & Denis Makarenko / Shutterstock.com

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