Steve Jobs hasste Multi-Button-Mäuse: „Ich bin das Marketing“

Julien Bremer 28

Abraham Faraq war Apples einstiger Ingenieur für Produktdesign und für das Design der Mäuse verantwortlich. Im Interview mit Cult of Mac erzählt er, dass Steve Jobs Multi-Button-Mäuse hasste und die Apple Pro Mouse eigentlich auf einem Zufall basierte.

Steve Jobs hasste Multi-Button-Mäuse: „Ich bin das Marketing“

Menschen, die von Windows oder Linux auf den Mac wechseln, brauchen eine gewisse Eingewöhnungszeit (wenngleich weniger als Leute, die auf ein Windows-System wechseln), bis sie sich an das neue System gewöhnt haben. Auch die Mäuse aus dem Hause Apple sind auf dem ersten Blick gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn man bislang immer eine Maus nutzte, die mindestens zwei Tasten hatte.  In einem Interview mit Cult of Mac erzählt Abraham Faraq, ehemaliger Ingenieur für Produktdesign bei Apple, wie Apples tastenlose Maus auf einem Missverständnis basiert.

Faraq kam im Jahr 1999 zu Apple, um am Nachfolger für den „Hockey puck“, Apples damaliger Maus, zu arbeiten. Vor einem Meeting mit Steve Jobs hatte sein Team sechs Modellvorschläge für die neue Maus. Sie waren sehr detailliert, mit den angedeuteten Buttons, Farben und Formen. In der letzten Sekunde entschied sich das Design-Team, ein weiteres Modell in Anlehnung an den „Hockey Puck“ zu kreieren. Das einzige Problem dabei war, dass sie es nicht mehr fertigstellen konnten – das bedeutete keine Farben und keine Buttons.

hockeypuck

Bei der Präsentation fiel der Blick von Jobs direkt auf das unfertige Modell: „Das ist genial“, sagte er. „Wir wollen keine Buttons.“ Nach dem Meeting verließ Faraq mit seinen Kollegen verwirrt den Raum. Wegen des unfertigen Modells mussten sie sich einen Weg einfallen lassen, eine Maus komplett ohne Buttons zu machen. Daraus entstand Apples Pro Mouse.

AppleProMouse

Faraq erzählt, dass Jobs immer an eine Maus ohne Buttons geglaubt hat. Er war der Meinung, wenn das User Interface gut genug sei, dann seien mehrere Knöpfe an einer Maus total überflüssig. Doch bei Apple sahen das nicht alle so. Es gab vermehrt Stimmen aus der Marketing-Abteilung, die eine Multi-Button-Maus forderten. Das Problem dabei war, Steve Jobs davon zu überzeugen. Es ging nicht nur darum, ihm Prototypen von der Maus zu zeigen, die ihm gefallen, sondern auch, ihn davon zu überzeugen, wie nützlich so eine Maus für die Bedienoberfläche sein kann.

Als Beispiel führt Faraq die Anekdote aus einem Meetings an, dass er mit Apples Chef-Designer Jony Ive hatte. Es fand bewusst ohne Jobs statt, weil sie noch nicht so weit waren, ihm einen fertigen Prototypen zu zeigen. Im Meeting versuchten sie zu klären, wie das Konzept einer Multi-Button-Maus aussehen könnte. Mehrere Modelle waren auf dem Tisch verteilt. Doch plötzlich kam Jobs vorbei, stoppte und realisierte, was er dort sah: „Was für Idioten arbeiten an diesem Projekt?“ Nach mehreren Sekunden der totalen Stille entgegnete Faraq: „Die Marketing-Abteilung hat so ein Modell angefordert, also haben wir es ausprobiert. Jobs starrte ihn an: „Ich bin das Marketing“, sagte er. „Es ist ein Marketing-Team von einer Person und wir bauen dieses Produkt nicht“, fuhr Jobs fort und verschwand.

MIGHTY_MOUSE_WIRELESS

Später jedoch verstand auch Steve Jobs, dass es an der Zeit für eine Multi-Button-Maus war, damit der Nutzer verschiedene Kontext-Menüs aufrufen konnte. Das Ergebnis war Apples berühmte Mighty Mouse, an der auch Faraq mitgearbeitet hat. Sie hat physisch auch keine Buttons, sondern lediglich ein Scrollrad. Dennoch konnte man mit ihr einen Rechtsklick ausführen. Außerdem war sie eine der ersten Mäuse, die nicht mehr mit einer Kugel funktionierten, sondern mit optischen Sensoren.

Titelbild: Shiny Computer Mouse via shutterstock

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