Apple vs. FBI: Google-Chef Pichai springt Tim Cook zur Seite

Amir Tamannai 1

Im Streit zwischen Apple und dem FBI respektive der US-amerikanischen Justiz erhält Tim Cook nun prominente Hilfe: Google- und Android-Chef Sundar Pichai lobte Cooks offenen Brief als wichtig und fordert eine „überlegte und offene Diskussion“.

Apple vs. FBI: Google-Chef Pichai springt Tim Cook zur Seite
Bildquelle: Maurizio Pesce (CC).

Apple bietet derzeit der amerikanische Bundespolizei FBI die Stirn: Das Bureau möchte Zugang zu einem iPhone 5c, das im Zusammenhang mit dem Anschlag im kalifornischen San Bernardino am 2. Dezember 2014 steht, scheitert aber an der Geräteverschlüsselung. Apple verweigert bislang die Zusammenarbeit, Tim Cook hat sich gar in einem offenen Brief dazu geäußert, warum man sich im Sinne seiner Kunden der richterlichen Anordnung widersetzt. Um das Betriebssystem zu „knacken“, müsse eine Backdoor in zukünftige iOS-Versionen integriert werden, die nicht nur dem FBI ungehinderten Zugang auf alle auf Apple-Smartphones gespeicherten persönlichen Daten gewähre, sondern auch ein Sicherheitsrisiko darstelle – denn wenn eine solche Backdoor existiert, kann sie auch von anderen Kräften missbraucht werden.

Ob die Verweigerungshaltung nun lobenswerter ziviler Ungehorsam von Apple und Cook ist oder Cupertino sich hier lediglich öffentlichkeitswirksam als kundenfreundlich darstellen möchte, darüber wird bereits heiß diskutiert. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich weitere Entscheider aus der Mobile- und Internet-Branche einschalten. Den Anfang macht nun ausgerechnet Apples „Erzrivale“ Google. Sundar Pichai, CEO der Alphabet-Tochter Google und damit auch Chef von Android, nahm in mehreren Tweets Bezug auf Cooks offenen Brief und kommentiert das Thema:

So lobt Pichai zunächst Cooks Brief als wichtig und gibt an, dass Unternehmen wie Apple und Google zu zwingen, Behörden das Hacken ihrer Produkte zu ermöglichen, die Datensicherheit der Nutzer kompromittieren würde. Weiter führt er aus, dass er zwar verstehen würde, dass Sicherheitsbehörden und Geheimdienste im Angesicht von Kriminalität und Terrorismus vor großen Herausforderungen stehen. Deswegen würde man ihnen bei entsprechenden Anordnungen im Einzelfall auch Zugriff auf die sonst im Sinne des Datenschutzes sicheren Daten geben. Der aktuelle Fall läge aber grundsätzlich anders: Behörden das selbsttätige Hacken eines Gerätes zu ermöglichen, könnte ein besorgniserregender Präzedenzfall sein. Er hoffe auf eine überlegte und offene Diskussion.

Wichtig ist unserer Ansicht nach der von Pichai angesprochene Unterschied zwischen den Formen der Zusammenarbeit: Dass Apple, Google und andere Unternehmen den Sicherheitsbehörden von Fall-zu-Fall bereits auf entsprechende richterliche Anordnungen hin Daten zur Verfügung stellen, ist Realität und gemeinhin bekannt – bei besonders schweren Verbrechen sind diese Daten zur Aufklärung immens wichtig. Was das FBI aber derzeit fordert ist im Prinzip ein Freifahrtschein dafür, sich ohne vorherige Anordnung durch staatliche Autoritäten in jedes Gerät hacken zu können. Dass sich Apple, Google Facebook und Microsoft – es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Microsoft-CEO Satya Nadella oder Mark Zuckerberg zum Thema äußern werden – dagegen wehren, ist einleuchtend: Selbst, wenn dabei nicht wirklich nur die Sicherheit der Kundendaten im Fokus steht, würden die Unternehmen damit ein Stück weit die Kontrolle über ihre Produkte in die Hände der Behörden geben und damit auch an Kredibilität im nicht unwichtigen B2B-Geschäft verlieren, wo Geheimhaltung und Datensicherheit eminente Verkaufsargumente sind.

Dass Pichai sich nun so deutlich geäußert hat, mag aber auch noch einen weiteren Grund haben. Niemand Geringeres als Whistleblower Edward Snowden hatte Googles vorheriges Schweigen per Tweet als Parteinahme für die Behördenseite interpretiert:

Im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Sicherheit und der Integrität privater Daten müssen sich die Konzerne bereits seit vielen Jahren bewegen. Komplex wird das Problem insbesondere aufgrund unterschiedlicher Rechtslagen in verschiedenen Ländern, denen international agierende Konzerne nun einmal unterworfen sind. Google veröffentlicht dazu im halbjährlichen Turnus einen Transparenzbericht, aus dem hervorgeht, wie viele behördliche Anfragen zur Weitergabe persönlicher Daten eingegangen sind und wie vielen davon man zumindest mit der Herausgabe einiger Daten nachgekommen ist. Während die Anfragen fast kontinuierlich steigen – in der ersten Jahreshälfte 2015 waren es mehr als 35.000 Anfragen, sinkt der Anteil der Fälle, in denen Google Folge leistete, stetig – auf zuletzt 63 %. Apple veröffentlicht einen ähnlichen Bericht, in dem die Quote nach Ländern und Weltregionen aufgeschlüsselt wird.

via The Verge

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