Deshalb widersetzt sich Tim Cook dem FBI

Thomas Konrad 7

Apple soll dem FBI dabei helfen, an die Daten auf einem gesperrten iPhone 5c zu gelangen. In einem offenen Brief lehnt Cook strikt ab — und will damit die Sicherheit der Kunden bewahren. Wir zeigen die Hintergründe und erste Reaktionen.

Deshalb widersetzt sich Tim Cook dem FBI
Bildquelle: GIGA APPLE.

Auf seiner US-Website verlinkt Apple seit heute einen offenen Brief, geschrieben vom CEO höchstpersönlich — aus aktuellem Anlass. Das FBI will Hilfe beim Entsperren eines iPhones. Von den Daten auf dem iPhone 5c versprechen sich die Ermittler neue Erkenntnisse über den Terroranschlag im kalifornischen San Bernardino am 2. Dezember 2015.

Zwei Attentäter töteten damals 14 Menschen in einer gemeinnützigen Einrichtung. 21 weitere wurden verletzt. Das iPhone 5c eines Täters konnte das FBI sicherstellen, aber bislang nicht entsperren. Das Gerät ist mittels Sperrcode Hardware-verschlüsselt. Sperrcodes raten hilft nicht: Es dauert zu lange und könnte sämtliche Daten löschen.

Warum ein iPhone so schwer zu knacken ist, haben wir an anderer Stelle aktuell zusammengefasst:

So machst du dein iPhone FBI-sicher

Dass Apple dem FBI helfen muss, hat nun ein Gericht beschlossen. Das berichtete NBC News gestern. Die US-Strafverfolger berufen sich auf den All Writs Act aus dem Jahr 1789. Der erlaubt dem Gericht, einem Unternehmen Anordnungen zu erteilen.

Freiwillig rückte der Hersteller bislang nicht mit einer Hintertür heraus — und will auch jetzt seinen Prinzipien treu bleiben. Die Order der US-Regierung gefährde die Sicherheit der Kunden. „Wir lehnen die Anordnung ab“, schreibt Cook. Sie habe weitreichende Folgen — auch über den San-Bernardino-Fall hinaus.

Warum schreibt Tim Cook den offenen Brief? Die Frage beantwortet der CEO selbst, gleich zu Beginn: Man müsse die Sicherheitsthematik öffentlich diskutieren. US-Kunden sollen genau wissen, was auf dem Spiel steht.

Anwender speichern „unglaublich viele persönliche Informationen“ auf ihrem Smartphone. Diese Daten — dazu gehören inzwischen für viele Kunden auch Gesundheitsdaten, Aufenthaltsorte, Termine und mehr — müssen vor Hackern und Kriminellen sicher bleiben. Kunden erwarten von Herstellern, dass ihre Daten sicher sind. Dieser Aufgabe fühle man sich bei Apple zutiefst verpflichtet.

Apple lehnt die Zusammenarbeit mit dem FBI nicht gänzlich ab: „Wenn das FBI Daten verlangt hat, die sich in unserem Besitz befinden, gaben wir sie heraus.“ Man habe Apple-Ingenieure in der Vergangenheit auch abbestellt, um das FBI zu unterstützen.

Das FBI verlangt eine Hintertür für das Betriebssystem iOS. Die gibt es im Moment nicht, betont Cook mehrfach. Eine solche zu kreieren, sei zu gefährlich.

Wie sieht die iOS-Hintertür aus? Laut Cook verlangt das FBI eine spezielle Version des iPhone-Betriebssytems, um Sicherheitsfunktionen zu umgehen. Wer eine solche Software besäße, könnte jedes iPhone knacken — Voraussetzung ist nur der direkte Zugriff.

Genau darin sieht Cook eine Gefahr: Niemand könne garantieren, dass sich ein System mit Hintertür nicht verbreitet und in falsche Hände gerät. Das Argument, dass die Software nur im San-Bernardino-Fall Anwendung fände, lässt Cook nicht gelten. Wenn die Software erst existiert, könne man sie wieder und wieder verwenden — wie einen Generalschlüssel für hunderte Millionen Schlösser.

Die Regierung verlangt von Apple, seine eigenen Kunden zu hacken.“ Deutliche Worte von Tim Cook.

Die Anweisungen des Gerichts sind allerdings enger gefasst: Die Software soll unzählige Sperrcodes mit der Geschwindigkeit eines Computers testen und sie elektronisch direkt an das Gerät übertragen können. Apple soll außerdem die Einstellung deaktivieren, die dafür sorgt, dass Daten nach 10 Eingaben gelöscht werden. Die Hardware-Verschlüsselung selbst soll Apple also nicht aufheben.

Apples Hilfe allein reicht nicht: Glück brauchen die Entwickler trotzdem. Wenn der 28-jährige Besitzer des iPhones, Syed Rizwan Farook, einen achtstelligen alphanumerischen Code verwendet hat, würde das Entsperren auch mit angepasste System über eine Million Jahre lang dauern. Ein vierstelliger Zahlencode wäre in 34 Minuten geknackt. Das hat Ben Thompson errechnet; der Journalist legt den Berechnungen die 80 Millisekunden zugrunde, die das iPhone benötigt, um eine Eingabe zu verarbeiten.

Cook befürchtet trotzdem, dass die Regierung in Zukunft noch mehr Rechte verlangt und beispielsweise auf Gesundheitsdaten oder gar auf das Mikrofon eines iOS-Geräts zugreifen kann, ohne dass der Anwender davon weiß.

Cook will, dass das FBI seine Forderungen überdenkt. Die Regierung muss die Freiheit schützen — aktuell tue sie das Gegenteil und schieße damit übers Ziel hinaus.

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Hat Apple eine Chance gegen das FBI?

Vielleicht. 9to5Mac sprach mit einem ehemaligen Juristen. Apple könnte argumentieren, dass eine Hintertür mehr Schaden verursache, als die in einem speziellen Fall nütze. Genau das tat Cook.

Apple soll Hilfe in einem „angemessenen“ Umfang leisten. In dieser Formulierung sieht der Jurist eine weitere Chance für das Unternehmen: Für nur ein iPhone eine neue Software zu entwerfen, könnte Apple als im Aufwand nicht angemessen darstellen.

„Was glauben die eigentlich, wer sie sind?“

US-Präsidentschaftskanidat Donald Trump ließ es sich nicht nehmen, den aktuellen Fall zu kommentieren. In einer TV-Sendung sagte er, er stimme dem Gericht zu 100 Prozent zu. „In diesem Fall sollten wir es öffnen.“ Apples Haltung versteht Trump nicht: „Was glauben die eigentlich, wer sie sind?“

 

 

 

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