Tim Cook: Datenzugriff wäre „schlecht für Amerika“ – Apple plant noch stärkere Verschlüsselung

Florian Matthey

Apples Streit mit dem FBI bestimmt die Schlagzeilen. In einem Fernsehinterview erklärt Tim Cook, dass es „schlecht für Amerika“ wäre, wenn Apple Datenzugriff ermöglichen würde. Außerdem arbeitet Apple offenbar daran, Daten noch stärker zu sichern.

Apples CEO Tim Cook hat sich mit dem Journalisten David Muir des Fernsehsenders ABC zusammen gesetzt, um über das Thema Datenschutz und den FBI-Fall zu sprechen. Das FBI verlangt bekanntlich von Apple, den Zugriff auf die verschlüsselten Daten auf dem iPhone 5c des San-Bernardino-Attentäters durch eine Modifikation der Firmware zu erlauben. Apple verweigert dies bisher aber mit dem Argument, dass ein solches Vorgehen den Datenschutz aller Kunden schmälern würde.

Zunächst beklagt sich Cook über die Kommunikationsstrategie der US-Regierung: Es habe allgemein sehr wenig Austausch zwischen Apple und den Behörden gegeben. Vom Antrag des Justizministeriums vor dem Bundesgericht in Kalifornien habe Apple selbst erst über die Medien erfahren. Cook glaubt, dass so etwas so Wichtiges nicht auf diese Art gehandhabt werden sollte.

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Da sich der Anschlag in San Bernardino nicht zuletzt wegen der IS-Verbindungen der Täter als terroristischer Akt und somit als „Angriff auf Amerika“ einordnen lässt, meinen viele US-Bürger, dass Apple eine Verpflichtung dem Land gegenüber hat, den Behörden den Zugriff zu erlauben. Auf dieses Argument entgegnet Cook, dass es eben „schlecht für Amerika“ wäre, wenn Apple nachgeben würde.

Die Sicherheit der Bevölkerung, der Kinder und der Familien sei sehr wichtig, räumt Cook ein. Allerdings sei eben auch der Schutz der Daten der Bevölkerung sehr wichtig. Apple meint, dass ein Nachkommen der Anfrage in diesem Fall bedeuten würde, dass die Daten der Kunden „unglaublichen Risiken“ ausgesetzt würden. So etwas wolle Apple nicht tun. „Das wäre schlecht für Amerika und würde auch einen Präzedenzfall schaffen, der viele Amerikaner verärgern würde.“ Wenn man jetzt das, was bekannt ist, mit dem abwäge, was möglicherweise da sein könnte – Cook meint damit die vielleicht auf dem iPhone vorhandenen Daten – „dann treffen wir, glaube ich, die richtige Wahl“.

Solange es keine Gesetzgebung gibt, die allgemein den Herstellern die Ermöglichung von Zugriffen auf verschlüsselte Geräte durch Behörden vorschreibt, bleibt Apple außerdem noch die Möglichkeit, die Verschlüsselung zu stärken und sich so selbst dadurch zu schützen, dass der Zugriff auf Daten auch durch Apple selbst nicht mer möglich ist. Die Nachrichtenagentur Reuters will von einem Apple-Manager erfahren haben, dass das Unternehmen genau das plane.

Beim betroffenen iPhone 5c wäre es für Apple möglich, die Firmware des installierten iOS so anzupassen, dass die Sicherheitsmechanismen des Passcode-Schutzes deaktiviert würden – dass also die Daten nicht gelöscht werden, wenn jemand zehn Mal den falschen Code eingibt und dass die Eingabe von Passcodes nach mehrfacher Falscheingabe nicht nur nach längerer Wartezeit möglich ist. Im Anschluss könnte das FBI automatisiert alle denkbaren Passcodes von 0000 bis 9999 ausprobieren.

Beobachter sind sich uneins, ob dies auch mit iPhones ab dem iPhone 5s oder neueren Geräten möglich wäre: Diese speichern neben dem Passcode- und dem Geräte-Schlüssel noch einen weiteren Schlüssel im Apple-AX-Chip, der nach der Ansicht mancher – aber nicht aller – Experten durch Firmware-Veränderungen zerstört würde. Apple könnte noch weitere solche Maßnahmen vorsehen, um dafür zu sorgen, dass das Unternehmen Behörden unmöglich beim Datenzugriff helfen könnte.

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