Tim Cook traf erneut indischen Premier – Gründe für lange Indien-Reise

Florian Matthey

Wie erwartet hat sich Tim Cook zum Abschluss seiner Indien-Reise am vergangenen Samstag mit Premierminister Narendra Modi getroffen, um über Herstellung und App-Entwicklung zu sprechen. Warum hat der Apple-CEO aber so viel Zeit in dem Land verbracht?

Tim Cook traf erneut indischen Premier – Gründe für lange Indien-Reise

Fast eine ganze Woche war Tim Cook in Indien unterwegs, um sich mit Wirtschaftsvertretern und Politikern zu treffen und Tempel zu besichtigen. Der Apple-CEO nahm sogar an einer Party des Bollywood-„Königs“ Shah Rukh Khan teil. Lisa Jackson, Apples Vizepräsidentin für Umwelt und Soziales, besuchte ihrerseits soziale Projekte wie eine Schule. Am Samstag kam dann ein Treffen zwischen Cook und dem indischen Premierminister Narendra Modi hinzu. Cook hatte Modi schon letztes Jahr während dessen USA-Reise getroffen.

Der Times of India zufolge sprachen Cook und Modi unter anderem über Möglichkeiten für Apple, Geräte in Indien produzieren zu lassen. Tatsächlich soll Apples Partner Foxconn Werke in Indien planen. Auch das Potential des Landes für App-Entwicklung soll Thema gewesen sein – Apple plant bekanntlich ein Entwicklungszentrum für seine Karten-App in Hyderabad und ein Entwickler-Schulungszentrum in Bangalore. Cook „half“ Modi auch dabei, eine neue Version der „Narendra Modi Mobile App“ zu veröffentlichen, mit der Bürger besser mit ihrem Premier kommunizieren können sollen.

Im Anschluss an die Indien-Reise legte Cook noch einen Stop in Dubai ein, um dortige Apple Stores zu besuchen. Mittlerweile dürfte der Apple-CEO wieder in der amerikanischen Heimat angekommen sein. Auffällig ist, dass Cook sehr viel Zeit in Indien verbrachte – es war sein erster Besuch in dem Land, dafür dann aber eben ein ungewöhnlich langer. Zuvor hatte Cook China besucht, dort aber nur wenige Tage verbracht.

Die Indien-Seite der BBC wirft die Frage auf, warum Apple nach jahrelanger Vernachlässigung des indischen Marktes plötzlich so viel Augenmerk auf den Subkontinent richtet. Zuvor schien sich Apple in Sachen „Große asiatische Schwellenländer“ komplett auf China zu konzentrieren – das Reich der Mitte ist bekanntlich Apples zweitgrößter Markt.

Prasanto Roy von der BBC nennt zunächst die offensichtlichen Punkte: Apple muss in Zeiten schrumpfender iPhone-Verkaufszahlen neue Wachstums-Möglichkeiten finden. Das chinesische Wachstum schwächelte zuletzt; in Indien besteht für Apple noch ein sehr großes Potential – der iPhone-Marktanteil liegt in dem Land aktuell nur bei rund 2 Prozent. Das größte Problem ist aber, dass 96 Prozent aller verkauften Smartphones in Indien unter 450 US-Dollar kosten. Mit vergünstigten älteren iPhone-Modellen konnte Apple in Indien aber bisher keine großen Erfolge feiern.

Es würde sich daher anbieten, aktuellere, aber „generalüberholte“ iPhones verstärkt in Indien zu verkaufen – also solche, die Kunden aufgrund eines Defekts oder im Rahmen eines Widerrufsrechts an Apple zurückgegeben haben, die Apple dann aber nahezu in einen Neuzustand zurückversetzt hat. Das indische Recht könnte Apple aber im Weg stehen, da der Verkauf aus dem Ausland importierter „gebrauchter“ Geräte aufgrund von Elektroschrott-Regeln nicht erlaubt sind. Cooks ausführliche Lobby-Arbeit und Interessenbekundung für das Land könnten vielleicht dabei helfen, die Regeln zu ändern oder eine Ausnahme zu bekommen.

iPhone SE im Test.

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